Weinstadt

Naturfreundehaus wird für 450 000 Euro vergrößert

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In knapp zwei Jahren soll alles fertig sein: Der Naturfreunde-Vorsitzende Armin Kiesel (links) und der Ehrenvorsitzende Wolf Dieter Forster freuen sich darüber, dass es beim ersten Bauabschnitt für den Anbau ans Strümpfelbacher Naturfreundehaus gut vorangeht. © ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt-Strümpfelbach. Endlich ein Seminarraum für die Übernachtungsgäste, dazu eine kleine Küche, eine Garage und ein besserer Zugang zum Keller: Die Weinstädter Naturfreunde bauen ihr Naturfreundehaus in Strümpfelbach gerade mit viel Eigenengagement aus. Noch in diesem Jahr soll der erste Bauabschnitt fertig sein, in zwei Jahren der zweite. Dafür investiert der Verein 450 000 Euro.

Wenn große Gruppen im Strümpfelbacher Naturfreundehaus übernachtet haben, gab es meist ein Problem: Es mangelte an einem Raum, an dem sie tagsüber ein Seminar halten können. Schließlich gibt es immerhin 28 Betten und zusätzliche 25 Plätze im Matratzenlager, sprich Schlafmöglichkeiten für 53 Leute. Ein Seminarraum, das war dem Naturfreunde-Ehrenvorsitzenden Wolf Dieter Forster klar, macht das Angebot attraktiver. Bei ihrem Anbauprojekt wollten die Naturfreunde aber noch mehr verbessern.

Neben dem 49 Quadratmeter großen Seminarraum ist nun eine Selbstversorger-Küche vorgesehen, in der die Gäste für sich Essen zubereiten können. Eine Behindertentoilette gesellt sich dazu, dann noch eine Garage und ein Anlieferbereich, der als zweite Garage fungiert. „Damit kommt man ebenerdig in die Keller“, betont Forster. Bisher, sagt er, sei das immer umständlich gewesen. Obendrauf soll in einem zweiten Bauabschnitt eine Hausbetreuerwohnung errichtet werden. Mit dem ersten Bauabschnitt haben die Naturfreunde schon vor Monaten begonnen. 2018 wurden 1300 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet. Das allein reicht allerdings nicht: Der Verein muss auch rund 450 000 Euro investieren.

„Unser Ziel ist es, heimische Handwerker zu engagieren“

Um beide Bauabschnitte stemmen zu können, wollen die 130 Mitglieder starken Naturfreunde auch einen Kredit aufnehmen. Als Teil des deutschlandweiten Naturfreundenetzwerks von mehr als 600 Ortsgruppen mit rund 70 000 Mitgliedern haben die Weinstädter stets in den sogenannten Landerhäuserfonds des Verbands acht Prozent ihrer Pachteinnahmen eingezahlt, was es ihnen nun erlaubt, ein zinsloses Darlehen zu erhalten. Beauftragen wollen sie für ihren Umbau nicht irgendwen: „Unser Ziel ist es, heimische Handwerker zu engagieren“, betont der Weinstädter Ehrenvorsitzende Wolf Dieter Forster. Ein Glücksfall ist aus seiner Sicht der Vorsitzende Armin Kiesel, der in Aichwald eine Firma für Garten- und Landschaftsbau hat – und zu den jetzigen Umbauarbeiten sogar einen Kran bereitstellt. „Er ist ein Allround-Mann“, lobt Forster.

Die Wände müssen bei dem Anbau ans bestehende Naturfreundehaus mit Stahlträgern gestützt werden. Forster erklärt das mit der Beschaffenheit des Bodens: Es handle sich um Knollenmergel, ein Material, das sich leicht mit Wasser vollsaugt – wodurch der Boden entsprechend ins Rutschen geraten kann. Leerrohre werden auch verlegt, um sie für Luftwärmepumpen nutzen zu können. „Wir wollen so wenig wie möglich Energie verbraten“, sagt Armin Kiesel.

Erster Bauabschnitt soll noch dieses Jahr fertig werden

Das passt zur Philosophie der Naturfreunde, die frühzeitig auf alternative Energiequellen gesetzt haben. Seit 1996 wird im Naturfreundehaus das Wasser mit Sonnenenergie erwärmt, kurz danach wurde die Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen, die mit einer Leistung von 4,2 Kilowatt Strom erzeugt. Dazu gesellt sich seit 2006 die Geothermie, durch die es sich die Naturfreunde leisten konnten, auf die Ölheizung zu verzichten.

Seinen ersten Bauabschnitt für den Anbau ans Strümpfelbacher Naturfreundehaus will der Weinstädter Verein noch in diesem Jahr zu Ende bringen. In genau zwei Jahren soll auch der zweite Bauabschnitt fertig sein. Dass sich die Investition lohnt, davon ist der Ehrenvorsitzende Wolf Dieter Forster überzeugt. Profitieren werden dann nicht nur die Naturfreunde, sondern alle Gruppen, die eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit und einen Seminarraum suchen. Allerdings gibt es eine Einschränkung, die Forster sehr wichtig ist: Die Gäste müssen auf dem Boden der Demokratie stehen. „Nazi-Gruppen sind bei uns ausgeschlossen.“