Weinstadt

Nazi-Bürgermeister Georg Amann: Entscheidung über neuen Namen für Quelle in Baach vertagt

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Auf einem Schild oberhalb des Brunnens in Baach steht der Namensgeber der Quelle: Georg Amann. Doch der Schnaiter Bürgermeister war ein Antisemit. © Gaby Schneider

Anders als geplant ist am vergangenen Donnerstag nicht über die Umbenennung der Georg-Amann-Quelle in Baach entschieden worden. Eigentlich hatte die Weinstädter Verwaltung den Stadträten den Vorschlag unterbreiten wollen, den Brunnen wieder in „Fallenhauquelle“ umzubenennen, ihr also den Namen wieder zu geben, den sie vor ihrer Umbenennung im Jahr 1964 getragen hat.

Doch zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Jahnhalle wurde der Tagesordnungspunkt vom Ersten Bürgermeister Thomas Deißler abgesetzt. „Und zwar nur aus einem Grund“, erklärte Deißler, „der Herr Scharmann ist krank und ich bin mit dem Thema nicht vertraut. Andere Gründe gibt es nicht.“

Tatsächlich hatte sich Oberbürgermeister Michael Scharmann krank abgemeldet, Thomas Deißler leitete die öffentliche Sitzung als sein Stellvertreter durch alle anderen 16 Tagesordnungspunkte. Punkt drei, die Georg-Amann-Quelle, wurde jedoch wie angekündigt nicht verhandelt – ein Umstand, der in der nächsten Gemeinderatssitzung nachgeholt werden dürfte.

Die Recherchen des Stadtarchivars 

Georg Amann war von 1922 bis zu seinem Tod 1944 zunächst Schultheiß, von 1932 an dann Bürgermeister der Gemeinde Schnait gewesen. Unter anderem hatte er die Fallenhauquelle erworben, die für die Trinkwasserversorgung von Schnait von großer Bedeutung gewesen ist. Wegen seiner großen Verdienste um die Gemeinde wurde die Quelle 1964 vom Schnaiter Gemeinderat nach Amann benannt. Was aber aktuelle Recherchen des Weinstädter Stadtarchivars Dr. Bernd Breyvogel belegen: Georg Amann war auch ein Antisemit. Der NSDAP trat er zwar erst nach der Machtübernahme Hitlers bei, für seinen Judenhass gibt es allerdings schon früher eindeutige Beweise.

Das Thema hatte Anfang 2020 großes Interesse hervorgerufen, als der Stadtarchivar die Ergebnisse seiner Recherchen zu Georg Amann vorgestellt hatte. Auf die Fährte hatte Breyvogel der frühere SPD-Gemeinderat Wolf Dieter Forster gebracht.

Die Stadtverwaltung ist, so steht es in der Beratungsunterlage des jetzt abgesetzten Tagesordnungspunkts, zum Schluss gekommen, es sei „nicht mehr vertretbar, Georg Amann durch die Benennung einer Quelle öffentlich und dauerhaft zu ehren“.