Weinstadt

Neubau der Grundschule in Beutelsbach: Große Pläne, große Ungewissheit

Grundschule Beutelsbach
Michaela Schönau, Rektorin der Grundschule in Beutelsbach. © Benjamin Büttner

Die Stadt Weinstadt lässt sich bei der Planung der neuen Beutelsbacher Grundschule mit Kindertagesstätte nicht lumpen. Rund eine Viertelmillion Euro kostet allein der städtebauliche Wettbewerb. Herausgekommen ist laut Baubürgermeister Thomas Deißler „ein schönes Schulgebäude, auf das wir noch ein bisschen warten müssen“. Womit eines von zwei Problemen bereits benannt wäre: Es ist noch nicht absehbar, wann das Großprojekt umgesetzt werden kann. Problem Nummer zwei: Die neue Grundschule wird teuer. Wie teuer, das wagt aber noch niemand laut zu schätzen.

Jürgen Oswalds Prognose geht fehl – die alte Schule steht noch immer

Rückblick: Als Schulleiterin Michaela Schönau die Beutelsbacher Grundschule vor sechs Jahren übernahm, sagte ihr der damalige Weinstädter Oberbürgermeister Jürgen Oswald: „Die ersten Kinder, die in die neue Schule gehen, werden gerade geboren.“ Diese Prognose, sagt die heute 41-Jährige, sei heute nicht mehr zu halten: „Es wäre ja jetzt so weit.“

Tatsächlich werden die Kinder, von denen OB Oswald damals sprach, in diesem Sommer eingeschult. Allerdings werden sie keine neue, moderne Ganztagsschule besuchen, sondern eine Schule, über die Oswalds Nachfolger Michael Scharmann kurz vor seinem Amtsantritt 2016 sagte, sie biete „ein Bild des Jammers“.

Seither hat sich hier bis auf kleine Ausbesserungen wenig getan. Und wenn besagte Kinder die Grundschule im Sommer 2025 nach vier Jahren wieder verlassen werden ... – es ist nicht gesagt, dass sich bis dahin etwas grundlegend verändert hat.

Das Projekt steht in Konkurrenz zur Schulerweiterung in Endersbach

So oft auch von allen Seiten betont wird, wie wichtig es ist, die baufällige Beutelsbacher Bildungsstätte zeitnah durch eine neue zu ersetzen: Nach aktuellem Stand der Dinge soll die Planung erst im Jahr 2024 fortgeführt werden.

Das mit Sicherheit siebenstellige Projekt konkurriert insbesondere mit der Erweiterung der Silcherschule in Endersbach. Diese ist bekanntlich nicht baufällig, aber dafür zu klein. Die Beutelsbacher Schulleiterin Michaela Schönau sagt: „Wir haben ein altes Gebäude, das dringend renoviert werden muss. Aber in Endersbach stehen die Kinder vor der Tür – und ein Platzproblem haben wir keins.“

Das könnte ein Fingerzeig sein, welche Schule als Nächstes an der Reihe ist.

Beide Mammutaufgaben gleichzeitig zu stemmen, dazu ist die Stadt finanziell nicht in der Lage. Bei einer Gemeinderatsklausur soll demnächst entschieden werden, wann welches Großprojekt in Angriff genommen wird. Stichwort: Priorisierung. Neben den beiden Schulen steht unter anderem die Neugestaltung der Einkaufsstraße auf dem Zettel.

An der Beutelsbacher Grundschule kritisierte OB-Kandidat Michael Scharmann einst: Die Bausubstanz sei sehr schlecht, die Fenster undicht, die Böden völlig abgenutzt, die Akustik extrem schlecht, die Holzfassade stark verrottet, Efeu wachse ins Gebäude.

Schulleiterin Michaela Schönau: Eine „sehr charmante Schule“

Im aktuellen Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt Schulleiterin Michaela Schönau die Mängel. Ein „Bild des Jammers“ malt sie aber nicht. Zu sehr hat Schönau die Schule in den vergangenen sechs Jahren liebgewonnen. Eine „sehr charmante Schule“ sei diese.

Klar, wenn der Wind die Dachziegel durcheinanderwirbele, regne es schon mal hinein, ab und zu falle eine Heizung aus, an manchen Stellen sinke der Fußboden ab. Es gibt keine Mensa, keine Küche. Den Anforderungen der heutigen Zeit ist das Gebäude so nur noch bedingt gewachsen. Und doch schwärmt die 41-Jährige: „Ich mag meine Schule. Wir haben einen Schulhof mit Bäumen, genau genommen sogar zwei Schulhöfe. Es gibt viele spannende Dinge zu entdecken. Hier kann man sogar noch Verstecken spielen.“

Ist die Schule einmal gebaut, wird ein Ganztagsmodell angeboten

Was wiederum nicht bedeutet, dass sich Michaela Schönau nicht auf den Neubau freut. Sie hat den Architekten-Wettbewerb aus der ersten Reihe mitverfolgt. Den Siegerentwürfen attestiert sie „sehr viel Charme“. Ist die Schule einmal gebaut, wird Schönau endlich das Ganztagsmodell umsetzen können, mit dem sie vor sechs Jahren angetreten ist. Und das weiterhin mitten im Ort, was ihr so wichtig ist: „Das ganze Dorf erzieht die Schule mit.“

Das Mittendrin der Beutelsbacher Grundschule wird erhalten bleiben

Das Mittendrin der Beutelsbacher Grundschule macht auch für die Stadträte ihren besonderen Reiz aus. Am kommenden Donnerstag ist das Ergebnis des Wettbewerbsverfahrens wieder Thema im Gemeinderat. Die Stadtverwaltung bittet die Räte dann um „zustimmende Kenntnisnahme“ der Auswahl des Architektenbüros „Löhle Neubauer Architekten“ und der Fachplanungsbüros (das Planungsbüro Raible + Partner aus Ditzingen für die Elektrofachplanung, das Planungsbüro Renz aus Schorndorf für die HLS-Planung sowie das Planungsbüro Leonhardt, Andrä und Partner aus Stuttgart).

Schon bei der Vorberatung Anfang Mai im Technischen Ausschuss hatten einige Räte sich wohlwollend zur Planung geäußert. Diese sieht auf dem Areal neben der neuen Schule auch ein neues Kinderhaus anstelle des maroden Stiftsbads vor.

Kostenschätzung? „Möchte ungern eine Zahl in den Raum werfen“

Im Gremium wurde allerdings auch die eingangs erwähnte Frage nach den Kosten laut. CDU-Stadtrat Markus Dobler, der das Projekt kritisch sieht, befürchtet eine Kostenexplosion, „weil wir überhaupt keine Vorgaben machen, was das nachher kosten soll“. Die anspruchsvolle Planung inklusive Schmankerl wie zwei „Lichthöfen“ ist ihm zu pompös: „Es erschließt sich mir nicht, warum man nicht auch in einem einfachen Gebäude gut lernen kann.“

Doblers Frage nach einer „groben Kostenschätzung“ wollte ihm Hochbauamtsleiterin Gabriele Göhner aber nicht beantworten. Nur so viel: „Eine Kostenschätzung zum Wettbewerbsentwurf gibt es noch nicht. … Ich möchte ungern heute eine Zahl in den Raum werfen, an der man sich nachher wieder festkrallt. Hier wird vom Umfang her mehr gebaut als an der Silcherschule, weil schon allein das Kinderhaus dabei ist. Das möchte ich für heute mal so stehenlassen.“

Die Erweiterung der Silcherschule liegt nach aktueller Planung bei insgesamt rund 14 Millionen Euro.

Die Stadt Weinstadt lässt sich bei der Planung der neuen Beutelsbacher Grundschule mit Kindertagesstätte nicht lumpen. Rund eine Viertelmillion Euro kostet allein der städtebauliche Wettbewerb. Herausgekommen ist laut Baubürgermeister Thomas Deißler „ein schönes Schulgebäude, auf das wir noch ein bisschen warten müssen“. Womit eines von zwei Problemen bereits benannt wäre: Es ist noch nicht absehbar, wann das Großprojekt umgesetzt werden kann. Problem Nummer zwei: Die neue Grundschule wird

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