Weinstadt

Neue Ausstellung in der Sammlung Nuss

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Vereint im Museum: Vom in Backnang geborenen Maler Manfred Henninger (1894 bis 1986) stammt das Steinbruch-Gemälde, die Kopf-Plastik hat der 1999 verstorbene Weinstädter Ehrenbürger Fritz Nuss angefertigt. Sohn Karl Ulrich Nuss hat für seine neue Ausstellung im Museum „Sammlung Nuss“ insgesamt sieben solcher Paarungen zusammengestellt. Sie sind vom Sonntag, 4. September, an zu sehen. © Sarah Utz

Weinstadt-Strümpfelbach. Ein Kopf und sein Bild: Sieben solcher Paarungen bilden das Herzstück der neuen Ausstellung im Museum Sammlung Nuss. Karl Ulrich Nuss hat Plastiken seines Vaters von befreundeten Künstlern just mit einem Gemälde des Porträtierten kombiniert. Das Privatmuseum liegt dem 73-Jährigen am Herzen – weshalb er bereits Vorsorge getroffen hat. Ganz schwäbisch solide.

Video: Karl Ulrich Nuss über seine neue Ausstellung

Als Karl Ulrich Nuss mitbekam, dass das alte Fachwerkhaus in der Hauptstraße 19 abgerissen werden soll, hat er es einfach gekauft. Das war in den 80ern, Eigentümer des aus dem Jahr 1669 stammenden Gebäudes war die Stadt Weinstadt – und die wollte es dem Profit opfern. Es stand ja nicht unter Denkmalschutz. „Fachwerksimitation war damals der Gedanke der Planer. Als ich das gehört habe, bin ich hellhörig geworden“, erinnert sich der Strümpfelbacher. Er konnte all das verhindern, zusammen mit seinem jetzigen Nachbarn, dem Architekten Thomas Ott. Plötzlich besaß der Bildhauer ein Haus mehr – aber überflüssig war es nicht: Die Sammlung schwäbischer Maler seines Vaters Fritz Nuss verlangte schließlich schon lange nach angemessenen Räumlichkeiten. 1996 schließlich war es so weit: Karl Ulrich Nuss eröffnete in dem Haus ein kleines privates Museum – und Fritz Nuss konnte es noch miterleben. Das war dem Sohn sehr wichtig. Er ging damals mit dem Vater gemeinsam durch die Ausstellung, erwartete eigentlich ein Lob – doch das gab es nicht. Karl Ulrich Nuss muss lächeln, wenn er an diese Episode denkt. Die Worte seines Vaters hat er bis heute nicht vergessen: „Ich mache mir große Sorgen, was aus der Sammlung mal wird.“

Eine vergleichbare Sammlung ist dem Bildhauer nicht bekannt

20 Jahre später kann wohl festgehalten werden, dass die Bilder bei Sohn Karl Ulrich Nuss durchaus in guten Händen sind. Es sind alles Maler aus dem Südwesten, die in dem Museum zu sehen sind. Menschen, die hier geboren wurden oder hergezogen sind. Künstler wie Peter Jakob Schober, Leo Schobinger, Manfred Henninger oder Jakob Bräckle. Nuss ist kein Mann, der dauernd in Superlativen spricht – aber in dem Fall riskiert er einen: Eine vergleichbare Sammlung von Malern aus dem Südwesten, deren Werke an einem Ort ausgestellt sind, ist ihm in der Qualität nicht bekannt. Damit es nicht langweilig wird, komponiert Nuss seit Jahren in Teilen des Hauses immer wieder neue Ausstellungen – eine große Auswahl ist schließlich vorhanden. Denn Karl Ulrich Nuss hat vom Vater nicht nur die Leidenschaft für die Bildhauerei geerbt, sondern auch die Lust am Horten von Kunst. „Einmal Sammler, immer Sammler“, sagt der 73-Jährige und lächelt.

Früher und heute

Es ist ja nicht so, dass Karl Ulrich Nuss nichts anderes mehr zu tun hätte, als sich um das Museum zu kümmern. Skulpturen erschafft er nach wie vor, ständig klingelt das Telefon, Besucher kündigen sich an. Aber er macht doch nicht mehr ganz so viel wie früher, das Alter fordert Tribut, die Kräfte müssen konzentriert werden. Früher hat er im Museum „Sammlung Nuss“ Lesungen und Kabarettabende veranstaltet, Schauspieler vom Theater der Altstadt und von den Staatstheatern aus Stuttgart engagiert. Das ist Geschichte.

Hin und wieder hat das Museum Sammlung Nuss auch als Herberge fungiert. „Ich habe es schon an gestrandete Personen gegeben.“ Seine Nichte, die Malerin Sibylle Bross, und sein Neffe, der Bildhauer Johannes Traub, haben hier ebenfalls schon mal eine Weile wohnen dürfen. Anders der Hausherr. „Ich habe hier nur ein einziges Mal geschlafen.“

Hang zur Solidität

Karl Ulrich Nuss wäre freilich nicht Karl Ulrich Nuss, wenn er nicht auch – bei Künstlern bisweilen unüblich – einen Hang für schwäbische Solidität hätte. Was mit dem Museum in der Hauptstraße passiert, ist schon klar geregelt. Die Bilder aus der Sammlung des Vaters sind bereits unter dem Dach einer Stiftung, sie können also nicht einfach verkauft werden. Die Werke aus der Sammlung des Sohns sind es noch nicht, aber das kann nachgeholt werden. Und die Stiftung mit ihrem Nachlass verwalten soll Neffe Johannes Traub. Karl Ulrich Nuss ist froh darüber. „Man kann ja nicht sagen: Nach mir die Sintflut.“

Humor und Anekdoten

Wer jetzt denkt, dass einer, der als Künstler so vernünftig ist, ein Miesepeter sein muss, irrt sich freilich. Ein Besuch bei Nuss ist immer voller Anekdoten, voll hintergründigem Humor, jenseits von Schenkelklopfer-Witzen – und gespickt mit geistreichen Wortspielen. Wer Nuss heißt und seinen mittlerweile achtjährigen Hund Nutella nennt, kann kein Griesgram sein. Als der Bildhauer, der auch hervorragend kocht, beim Abschied bedauert, dem Redakteur nichts zu essen angeboten zu haben, landet das Gespräch schnell bei den Nahrungsmittelallergien des Schreibers – unter anderem gegen alle Arten von Nüssen. Und was sagt der Schelm aus Strümpfelbach? „Nuss vertrage ich manchmal auch nicht.“

Kleine Feier

Zum 20. Geburtstag des Museums „Sammlung Nuss“ organisiert Karl Ulrich Nuss einen Umtrunk – und zwar am Sonntag, 4. September, von 11 bis 18 Uhr. Alle Freunde des Strümpfelbacher Privatmuseums (Hauptstraße 19) sind willkommen.

Außerdem gibt es von dem Tag an eine neue Ausstellung zu sehen – und zwar bis einschließlich Dienstag, 1. November (Allerheiligen). Gezeigt werden im obersten Stock sieben Paarungen: je eine Kopfplastik von Karl Ulrich Nuss’ Vater Fritz Nuss und ein Gemälde eines von Fritz Nuss porträtierten Künstlerfreunds.

Geöffnet ist das Museum immer sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 0172/7 33 68 66.

Mit dem Ende der Ausstellung Anfang November ist im Museum erst mal Winterpause – und zwar bis April 2017.