Weinstadt

Neue Chance für Tempo 100 auf der B 29

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Noch gilt Tempo 120: Der B-29-Abschnitt auf Höhe des Weinstädter Klärwerks. © ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt/Remshalden.
Noch dürfen Autofahrer auf der B 29 von Weinstadt bis Schorndorf mit 120 Kilometern pro Stunde unterwegs sein – doch damit könnte bald Schluss sein: Reinhard Molt, Bürgermeister der Weinstädter Nachbarkommune Remshalden, kämpft für Tempo 100 – und damit für weniger Lärm, weniger Schadstoffe und mehr Sicherheit. Ohne Unterstützer stehen seine Chancen jedoch schlecht. Nun fragen sich alle, wie sich Weinstadt positionieren wird. Die Nachbarn haben nämlich schlechte Erinnerungen.

2012 fühlte sich vor allem Remshalden von den Weinstädtern im Stich gelassen. Die Rathausverwaltung unter Führung des damaligen Oberbürgermeisters Jürgen Oswald wollte die Initiative von Remshalden zwar unterstützen – aber der Gemeinderat verweigerte sich. Vorgesehen war, dass nachts zwischen 22 und 6 Uhr die Fahrzeuge auf der B 29 von Weinstadt bis Schorndorf nur noch 100 Kilometer pro Stunde schnell sein dürfen. Während die Schorndorfer und Winterbacher Gemeinderäte interkommunale Solidarität zeigten, blitzten die Remshaldener in Weinstadt ab – und zwar vor allem bei der CDU und den Freien Wählern. Weder der Verweis auf den Lärmschutz noch auf die Umwelt oder die Nachbarschaftshilfe fanden Gehör. Wird es diesmal anders?

Wie positioniert sich Oberbürgermeister Scharmann?

Vorangetrieben wurde das Thema in Weinstadt jüngst von der Grünen Offenen Liste, kurz GOL. Fraktionschef Manfred Siglinger stellte jüngst den Antrag an die Stadtverwaltung, sich im Gemeinderat mit der Sache zu beschäftigen. Oberbürgermeister Michael Scharmann, seit 2016 im Amt, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Er war einst selbst Stadtrat der Freien-Wähler-Fraktion, bevor er OB wurde – allerdings saß er 2012 noch nicht im Weinstädter Gemeinderat und gehörte damit nicht zu jenen, die die damalige Tempo-100-Initiative ablehnten. Im Oberbürgermeister-Wahlkampf 2016 wurde Michael Scharmann bei einer Diskussionsveranstaltung des Zeitungsverlags Waiblingen gefragt, wie er zu Tempo 100 auf der B 29 steht. Dabei überraschte Michael Scharmann mit dem Bekenntnis, dass Weinstadt in der interkommunalen Zusammenarbeit über seinen Schatten springen müsse – und „Ja“ zu Tempo 100 sagen sollte.

Wer damals dachte, dass dies ein rein taktisches Manöver war, um im Wahlkampf keine lärmgeplagten Wähler zu vergraulen, der kann dem OB jetzt zumindest keinen Wortbruch vorhalten. Auf Nachfrage lässt Scharmann über seinen persönlichen Referenten Holger Niederberger mitteilen, dass für ihn beim Thema Tempo 100 auf der Bundesstraße 29 nach wie vor gelte, dass er sich einer tragfähigen, interkommunalen Lösung nicht verschließe. „Sollte auf der Grundlage einer interkommunal abgestimmten, einheitlichen Regelung auf dem gesamten Abschnitt ein Konsens erzielt werden, kann OB Scharmann eine solche Lösung mittragen, kann sie doch Vorteile für die Sicherheit sowie den Lärmschutz der anliegenden Kommunen bringen“, heißt es in der schriftlichen Antwort.

Ein konsequentes Ja klingt anders. Ein klares Nein allerdings auch. So besteht zumindest die Hoffnung für Remshalden, dass Weinstadt diesmal mitzieht. Nach Rücksprache mit der Gemeinde Remshalden gilt es laut Holger Niederberger nun, die Antwort des Verkehrsministeriums auf den offenen Brief des Remshaldener Bürgermeisters abzuwarten. Danach soll das weitere Vorgehen sowohl mit den anderen Kommunen als auch mit dem Weinstädter Gemeinderat abgestimmt werden.

Großversuch in den späten 80er Jahren mit Tempo 100

Das Thema Tempo 100 hat übrigens eine lange Geschichte. 1989 wurde im Bereich Remshalden auf der Bundesstraße 29 Tempo 120 eingeführt, nachdem zuvor zwei Jahre lang untersucht wurde, wie sich dort eine Begrenzung auf 100 Kilometer pro Stunde auswirkt. Das Innenministerium teilte damals mit, dass durch die Begrenzung der Lärm für die Anlieger nur unmerklich verringert worden sei, da die Hauptlärmquelle bei Lastwagen und nicht bei den Personenwagen zu suchen sei. Deutlich zurückgegangen sind laut der Behörde damals die Unfallzahlen. Sprich: Die B 29 war mit Tempo 100 definitiv sicherer.

Weinstadt/Remshalden.
Noch dürfen Autofahrer auf der B 29 von Weinstadt bis Schorndorf mit 120 Kilometern pro Stunde unterwegs sein – doch damit könnte bald Schluss sein: Reinhard Molt, Bürgermeister der Weinstädter Nachbarkommune Remshalden, kämpft für Tempo 100 – und damit für weniger Lärm, weniger Schadstoffe und mehr Sicherheit. Ohne Unterstützer stehen seine Chancen jedoch schlecht. Nun fragen sich alle, wie sich Weinstadt positionieren wird. Die Nachbarn haben

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