Weinstadt

Neue OB-Kandidatin will erst zuhören

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Helga Hohmann möchte Oberbürgermeisterin von Weinstadt werden. © Ramona Adolf

Weinstadt. Schulsozialarbeit, Jugendgemeinderat, Klimaerwärmung: Helga Hohmann hat einige Themen, die sie als neue Oberbürgermeisterin von Weinstadt anpacken würde. Was sie genau anders machen möchte, sagt sie aber noch nicht. Eins will die Landesvorsitzende der Aktion Humane Schule aber: den Wählern eine Alternative bieten.

Video: OB-Kandidatin Helga Hohmann im Interview.

„Anleitung zum Mutigsein“, „Lernen ohne Noten? – Das geht“, „Langsamer ist schneller“: Helga Hohmann holt einen Stoß Zeitschriften hervor, den ihr Verein, die Aktion Humane Schule, herausgebracht hat. Die 61-jährige Landesvorsitzende ist überzeugt, dass sich das Schulsystem ändern muss, von Grund auf. Der Verein setzt sich deshalb für eine für alle Kinder gemeinsame sechsjährige Grundschule, für die Abschaffung der Ziffernzensuren und mehr Mitsprache der Schüler ein. Was sie in Weinstadt alles ändern würde, will Helga Hohmann noch nicht sagen. Sie möchte die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung und in den Schulen nicht jetzt schon gegen sich aufbringen. „Wenn ich OB werde, möchte ich gern positiv zusammenarbeiten.“

Helga Hohmann hat mit ihrer Kandidatur um den OB-Posten alle überrascht. Am Montag um 17.51 Uhr reichte sie im Beutelsbacher Rathaus ihre Unterlagen ein – neun Minuten vor Ablauf der Bewerbungsfrist. Die nötigen Unterschriften sammelte sie im Verlauf des Montags in der Beutelsbacher Ortsmitte, vorm Mack und im Kalkofen. Helga Hohmann ist in Weinstadt bislang nicht sonderlich bekannt. Sie war mal von 1992 bis 1994 Schwimmtrainerin beim TSV Beutelsbach, heute als SV Weinstadt bekannt. Freunde hat die Kleinheppacherin in Weinstadt bislang nicht, allerdings kommt sie gern zum Einkaufen her. Dass mittlerweile so viele Wiesen Baugebieten gewichen sind, findet Helga Hohmann nicht gut. „Mir hat das weniger bebaute Tal besser gefallen.“ Beton und Asphalt tragen aus Sicht der Kleinheppacherin mit dazu bei, dass sich alles viel mehr aufheizt. Sie erlebt das bei Spaziergängen am eigenen Körper. „Da fällt mir auf, dass das bebaute Tal zur Klimaerwärmung beiträgt.“

Demokratie beginnt für die 61-Jährige im Kindergarten

Dass eine Stadt die nachwachsende Generation gut einbezieht, wenn sie wie Weinstadt einen Jugendgemeinderat hat, glaubt Helga Hohmann nicht. „Wenn man ein demokratischer Staat sein will, muss Demokratie im Kindergarten beginnen.“

Mitglied einer Partei oder Wählervereinigung ist Helga Hohmann laut eigenem Bekunden nicht. Sie will eine Alternative sein. „Ich bin unabhängig.“ Durch Helga Hohmanns Kandidatur steigt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass im ersten Wahlgang am Sonntag, 9. Oktober, keiner der drei Bewerber mindestens 50 Prozent der Stimmen erhält. In dem Fall würde es am 30. Oktober einen zweiten Wahlgang geben. Ob sie dann erneut antritt, will Helga Hohmann von ihrem Ergebnis am 9. Oktober abhängig machen.

Beruflich viel ausprobiert

Helga Hohmann ist 1955 in Stuttgart auf die Welt gekommen, seit 1975 wohnt sie in der Gemeinde Korb. Aufgewachsen ist sie in Bittenfeld, wo sie die Grund- und Hauptschule besuchte. Danach machte sie eine Ausbildung als Krankenschwester.

Im Anschluss arbeitete Helga Hohmann im Diakonissenkrankenhaus in Stuttgart sowie auf der Intensivstation des einstigen Waiblinger Kreiskrankenhauses – „und dann kamen die Kinder“. Die zweifache Mutter kehrte allerdings schnell ins Berufsleben zurück und übernahm von 1980 bis 1984 die Vertretung der Gemeindeschwester in Korb. „Heute ist das jetzt der ambulante Dienst.“

Von 1984 bis 1986 holte Helga Hohmann die mittlere Reife nach, im Anschluss folgte die Fachhochschulreife. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen, brach das Studium aber ab. Im zweiten Anlauf klappte es: 1994 ging sie an die FH in Esslingen – und hatte vier Jahre später ihren Abschluss als Sozialpädagogin in der Tasche.

Danach arbeitete Helga Hohmann viel im sozialen Bereich – teils selbstständig, teils ehrenamtlich, teils auf Minijobbasis. Sie war Integrationskraft, Kindergartenfachberatung, arbeitete für Mutter-Kind-Spielgruppen oder engagierte sich bei der Entwicklung des Korber Leitbildes.