Weinstadt

Niedriger Rems-Pegel: Angler aus Weinstadt verärgert über Birkelwehr-Betreiber

Niedriger Wasserstand
Der Remsstrand bei Großheppach am 13. September. © ALEXANDRA PALMIZI

„Die Situation hat sich leider für die Tierwelt an der Rems kein bisschen verbessert“: Norman Böbel, Gewässerwart und Gewässerführer vom Hege- und Fischereiverein Weinstadt, ärgert sich sehr darüber, dass der Remspegel auch dieses Jahr wieder für Arbeiten am Birkelwehr in Endersbach abgesenkt wurde. Obwohl seit langer Zeit klar sei, dass die Gewässerfauna bei so einem Eingriff geschädigt werde, passiere nichts, so Böbel. Das kann der Betreiber des Birkelwehrs, Josef Dennenmoser, indes nicht so stehen lassen.

Birkelwehr-Betreiber will Versicherungsschutz nicht verlieren

Einmal im Jahr, betont der Ingenieur aus Leutkirch, müsse er die Rollschützen seines Wehrs abschmieren können. Josef Dennenmoser verweist darauf, dass er seinen Versicherungsschutz verlieren würde, wenn er dies nicht tun würde. Funktionierende Rollschützen seien für die Funktion des Wehrs wichtig, schließlich müssten diese sich auch im Fall eines Hochwassers verlässlich bewegen lassen. Wenn die Rollschützen nicht mehr ganz nach oben gehen, kann dies laut Josef Dennenmoser auch dazu führen, dass im Ernstfall ein Schaden für das benachbarte Gewerbegebiet droht.

Darüber hinaus musste laut dem Ingenieur in diesem Jahr auch ein Brückenstatiker kommen, der das Birkelwehr untersucht hat. Dennenmoser betont, dass er versucht habe, mit der ersten Septemberhälfte einen Zeitraum zu wählen, in dem die Beeinträchtigungen für die Fische möglichst gering seien – also etwa außerhalb der traditionellen Laichzeit. Er erinnert auch an die Bedeutung des Birkelwehrs für die Stromproduktion: 550.000 Kilowattstunden pro Jahr erzeuge er – und das verlässlich seit mehr als 20 Jahren.

Landratsamt: Arbeiten am Wehr sind rechtzeitig angekündigt worden

Unterstützung erhält Dennenmoser vom Landratsamt. „Die Wartungsarbeiten am Birkelwehr sind erforderlich, um die Funktionsfähigkeit des Wehres im Hochwasserfall sicherzustellen“, betont Pressesprecherin Leonie Graf. Die Gewährleistung des Hochwasserschutzes sei aufgrund der Lage des Wehres im Siedlungsbereich besonders wichtig. Die Wartungsarbeiten und der damit verbundene Abstau seien der unteren Wasserbehörde des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis, dem Fischereiberechtigten und dem Gewässerunterhalter rechtzeitig vorher angekündigt worden. Mittlerweile sind die Arbeiten laut dem Landratsamt abgeschlossen, der Wiedereinstau ist bis auf 60 Zentimeter unter Stauziel wieder erfolgt.

In diesem Jahr fanden mit der Hochwasserschutzübung am Birkelwehr gleichzeitig auch notwendige Unterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten im Bereich der Mühlwiesen an der Heppachmündung in Großheppach statt. „Der vollständige Wiedereinstau verzögert sich deshalb um wenige Tage“, erläutert Leonie Graf.

Weitere Auflage: Fische und Muscheln mussten geborgen werden 

Eine Auflage für die Maßnahme war, dass sie außerhalb der Fischschonzeiten stattfinden muss, also im August beziehungsweise September. Weitere Vorgaben des Landratsamts zielten auf die Minimierung der Auswirkungen auf die Gewässerfauna ab. „So darf der Abstau nur langsam erfolgen“, erklärt Leonie Graf. In den trockenfallenden Bereichen müsse der Fisch- und Muschelbestand geborgen und in unbeeinträchtigte Bereiche des Gewässers umgesetzt werden. „Zudem wird eine zügige Umsetzung der Wartungsarbeiten und ein zeitnaher, aber ebenfalls langsamer Wiedereinstau vorgegeben.“

Die langsame Abstaugeschwindigkeit soll laut dem Landratsamt den Organismen die Möglichkeit geben, sich selbstständig in unbeeinträchtigte Gewässer- beziehungsweise Uferbereiche zurückzuziehen. Dem Betreiber des Birkelwehrs sei zudem die Vorgabe gemacht worden, die trockenfallenden Bereiche sowie die Fischtreppe mehrfach nach Fischen, Muscheln und weiteren Organismen abzusuchen, diese zu bergen und in unbeeinträchtigte Gewässerabschnitte umzusetzen. „Dies wurde von Vertretern der unteren Wasserbehörde des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vor Ort überprüft“, betont Leonie Graf. Mitarbeitende des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis seien im Rahmen des Abstaus und nach Abschluss der Arbeiten vor Ort gewesen, um die Einhaltung der Vorgaben zu kontrollieren.

„Die Situation hat sich leider für die Tierwelt an der Rems kein bisschen verbessert“: Norman Böbel, Gewässerwart und Gewässerführer vom Hege- und Fischereiverein Weinstadt, ärgert sich sehr darüber, dass der Remspegel auch dieses Jahr wieder für Arbeiten am Birkelwehr in Endersbach abgesenkt wurde. Obwohl seit langer Zeit klar sei, dass die Gewässerfauna bei so einem Eingriff geschädigt werde, passiere nichts, so Böbel. Das kann der Betreiber des Birkelwehrs, Josef Dennenmoser, indes nicht

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