Weinstadt

OB-Kandidaten werben für sich

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Die drei Kandidaten - Michael Scharmann, Helga Hohmann und Alexander Bauer. © Layher

Weinstadt.
Hallenbad, Schönbühl, bezahlbarer Wohnraum: An Themen hat’s bei der Veranstaltung der Stadt Weinstadt zur OB-Wahl nicht gemangelt. Die Kandidaten Alexander Bauer, Michael Scharmann und Helga Hohmann hatten am Donnerstagabend in der Beutelsbacher Halle je eine halbe Stunde, um bei den rund 1000 Zuhörern zu punkten.

„Ich meine, dass ein OB vorleben muss, was er von seinen Bürgerinnen und Bürgern fordert. Genau das ist meine Stärke:“ Michael Scharmann hat als Erster bei der Kandidatenvorstellung der Stadt reden dürfen – ganz einfach deshalb, weil der 42-jährige Strümpfelbacher schon vor seinen beiden Mitbewerbern Anfang Juli seine Kandidatur einreichte. Scharmann will an alte Zeiten anknüpfen, als Weinstadt unter Alt-OB Hofer als besonders innovativ galt. „Weinstadt muss sich als Marke wieder etablieren, die Berichterstattung wieder aktiv selbst in die Hand nehmen und nicht ausschließlich Dritten überlassen.“

Vorbild: der ehemalige Schnaiter Bürgermeister

Scharmann betonte, wie stark er mit Weinstadt verwurzelt ist, wo er sein ganzes bisheriges Leben verbrachte – und laut eigenem Bekunden auch für immer bleiben will. Dass er schon als Sechsjähriger auf den Rathaus-Chefsessel wollte, begründet er mit seinem ehemaligen Nachbarn Ludwig Hecht: Der war in seiner Kindheit Schultes von Schnait und hatte für die Kinder immer ein Bonbon in der Tasche. Was die für solch ein Amt vorteilhafte Führungserfahrung angeht, verweist Scharmann auf seinen Job beim Landtag: Er leitet die Inneren Dienste, ist zudem stellvertretender Referatsleiter Gebäudemanagement und hat hier Verantwortung für rund 50 Mitarbeiter.

Als OB will sich Scharmann unter anderem für den Zuzug junger Familien sowie den Erhalt aller Schulen einsetzen. Nicht zu vergessen die Keltern, deren Zukunft wegen der Pläne der Remstalkellerei für eine zentrale Kelter ungewiss ist. Die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem gesamten Schönbühl ist für Scharmann nur eine Übergangslösung. Jetzt ein neues Bad zu versprechen, hält er wegen der Finanzen für falsch. Dass er seit 2014 im Gemeinderat von Weinstadt sitzt, sieht er nicht als Problem, sondern als Vorteil für den OB-Job.

Außenperspektive, und dennoch verwurzelt

Kandidat Alexander Bauer findet dagegen, dass seine Stärke darin liegt, dass er durch seinen aktuellen Wohnort Schwaikheim von außen auf Weinstadt gucken kann und trotzdem jemand ist, der mit der Stadt verwurzelt ist, weil er in Strümpfelbach groß geworden ist. Dass er als Kriminalhauptkommissar in Waiblingen keine klassische Rathausverwaltungskarriere vorweisen kann, sieht er nicht als Nachteil. „Sie wählen einen OB, keinen Obersachbearbeiter.“ Wichtig sei es in dem Amt, Mitarbeiter zu führen sowie motivieren zu können – und zu wissen, was die Menschen bewegt. Bauer bekämpft in seinem Beruf die Wirtschaftskriminalität, körperliche und emotionale Belastung, sagt er, seien ihm daher vertraut. Dass sein SPD-Parteibuch derzeit nicht gerade ein Plus im Wahlkampf ist, räumt er ein. Der 48-Jährige erinnert aber daran, dass Alt-OB Jürgen Hofer bei seiner ersten Wahl in Weinstadt auch als SPD-Mitglied antrat – und gewann.

Zu Alexander Bauers Top-Themen zählt bezahlbarer Wohnraum für Familien, für den er im Fall seiner Wahl einen Wohnbaugipfel mit Vertretern der Wirtschaft und der Bürgerschaft initiieren will. Bauer ist es dabei auch wichtig, dass nicht nur mehr Menschen herziehen, sondern dass auch jene, die bereits in Weinstadt wohnen, Bauplätze erhalten. Die Kinderbetreuung will er weiter ausbauen, die bestehenden Schulen bewahren. In Sachen neues Hallenbad macht er indes wie Scharmann angesichts der Finanzlage keine Versprechen. Wird Bauer Oberbürgermeister, dann will er schnell eine Mietwohnung suchen und mit seiner Familie nach Weinstadt ziehen. „Wenn ich OB werde, kann es nicht sein, dass ich außerhalb der Stadt wohne.“

Offene Art und Engagement fürs Soziale

Bewerberin Helga Hohmann (61) hielt nur eine sehr kurze Rede, stellte sich dann den Fragen des Publikums und erntete vor allem für ihre offene Art Applaus. Dass sie als studierte Sozialpädagogin null Verwaltungserfahrung hat, ist für sie kein Nachteil – weil aus ihrer Sicht in den Rathäusern das Soziale zu kurz kommt. „So, wie ich als Hausfrau wirtschafte, kann man in der Verwaltung auch durchkommen.“ Ihr Ziel für Weinstadt sind mehr Lebensqualität und Gesundheit. Meinungsvielfalt empfindet sie nicht als negativ, sie will darum als OB Bürgerinitiativen unterstützen. Aus Helga Hohmanns Sicht ist auch nicht alles in Weinstadt eine Kostenfrage. „Viele Projekte sind nicht am Geld gescheitert, sondern an der Kommunikation.“ Ganz am Schluss zog sie ein ehrliches Fazit: „Wenn ich gewusst hätte, dass ich mich als OB bewerbe, dann hätte ich mich coachen lassen.“

Videointerviews
Was sagen Sie zu dem Problem, dass so viele Unterrichtsstunden an den Weinstädter Schulen ausfallen? 
Diese und andere Fragen haben Acht- und Zehntklässlerinnen der Reinhold-Nägele-Realschule vor unserer Videokamera gestellt.
Alle drei Kandidaten, haben uns auf diese Fragen geantwortet >>>
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