Weinstadt

OB-Wahl: Witzlinger erwägt Kandidatur

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Amtsrichter Ulrich Witzlinger (57) überlegt jetzt doch, OB in Weinstadt zu werden. Doch im CDU-Ortsverband und in der Fraktion gibt es viele, die gegen seine Kandidatur sind. © Bernhard / ZVW

Weinstadt. Der Wahlkampf bleibt spannend: CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger überlegt ernsthaft, als OB in Weinstadt zu kandidieren. Zudem wird der Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger seit Wochen hinter den Kulissen bearbeitet, doch in der Nachbarstadt anzutreten – unter anderem von CDU-Leuten. Doch Altenberger will nicht.

Die Uhr tickt. Nur noch bis Montag, 12. September, um 18 Uhr haben potenzielle Kandidaten Zeit, ins Rennen um den Weinstädter Rathaus-Chefsessel einzusteigen. Michael Scharmann, seit 2014 Stadtrat der Freien Wähler, hat Anfang Juli als Erster offiziell seine Kandidatur erklärt. Alexander Bauer, SPD-Kreisrat und SPD-Fraktionschef im Schwaikheimer Gemeinderat, machte seine Ambitionen in der zweiten Augusthälfte offiziell. GOL und CDU suchen schon lange nach einem Bewerber – und zwar schon zu einer Zeit, als noch gar nicht offiziell klar war, ob Amtsinhaber Jürgen Oswald noch mal antritt. Die Findungskommission der Weinstädter CDU hat im Oktober 2015 ihre Arbeit aufgenommen. Und es gab auch vielversprechende Interessenten, die aber vor allem wegen des Streits um die Wahlkampffinanzierung und anderer privater Gründe wieder absprangen. Übrig blieb nur einer, der bereits im Februar 2015 in unserer Zeitung als Kandidat gehandelt wurde: der Weinstädter CDU-Vorsitzende und CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger.

In einer Mail an Fraktion und Parteivorstand von Donnerstagabend erklärt Witzlinger, dass er antreten will, sofern ihn die CDU unterstützt. Doch hier regt sich massiver Widerstand, wie unsere Zeitung aus mehreren Quellen erfuhr. Wir hätten gerne mit Witzlinger gesprochen, doch dieser antwortete am Freitagmittag nur kurz per Mail: „Für eine Stellungnahme bin ich heute nicht erreichbar.“

Schon seit Wochen wird der Name von Stefan Altenberger hinter den Kulissen gehandelt. Sogar der Weinstädter CDU-Landtagsabgeordnete Claus Paal hat jüngst beim Kernener Bürgermeister nachgefragt. Das ist mehr als pikant, denn gleichzeitig hat ja Ulrich Witzlinger innerhalb der Weinstädter CDU bekanntgemacht, dass er doch gerne antreten würde. Unsere Zeitung hat am Freitag bei Altenberger nachgehakt. Der gab sich am Telefon betont locker. „Ich habe gehört, in Weinstadt wird ein OB gesucht“, sagt er und lacht. Dann schiebt er nach: „Ich bewerbe mich nicht.“

Öffentlich sagt Altenberger nichts zu seinen Gründen

Altenberger sagt, dass er sich in Kernen sehr wohlfühle und es dort noch viele interessante Aufgaben gebe. Seit 2003 ist der Badener dort Bürgermeister, er setzte sich damals gegen den heutigen FDP-Abgeordneten Jochen Haußmann durch, der bis zu seinem erneuten Einzug in den Landtag im März ebenfalls als heißer Anwärter auf den Weinstädter OB-Sessel galt. Altenberger wurde 2011 mit 93,59 Prozent wiedergewählt, einen Gegenkandidaten gab es nicht. Seine zweite Amtszeit in Kernen endet erst 2019. Von welchen Politikern er gebeten wurde, in Weinstadt anzutreten, sagt Altenberger nicht. Aber immerhin eines lässt er sich entlocken: „Ich wurde gefragt.“ Die Gründe, warum er abgelehnt hat, will der 52-Jährige nicht öffentlich benennen. „Ich möchte mich dazu nicht als Nachbar-Bürgermeister äußern.“

Klar ist: Altenberger hätte allen bisherigen Bewerbern jahrelange Verwaltungserfahrung in einer Kommune voraus gehabt. Alexander Bauer arbeitet als Kriminalhauptkommissar in Waiblingen, Michael Scharmann ist im Landtag als stellvertretender Referatsleiter des Gebäudemanagements tätig. Der OB-Posten wäre auch etwas besser bezahlt. Doch Weinstadt ist ein schwieriges Pflaster, das Geld ist knapp. So bleibt in der Öffentlichkeit ein Eindruck kleben: dass Weinstadt für Außenstehende nicht attraktiv ist.


Gewählt wird der neue Weinstädter Oberbürgermeister am Sonntag, 9. Oktober. Um die Wahl zu gewinnen, muss ein Bewerber mindestens mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen auf sich vereinigen, sonst gibt es am Sonntag, 30. Oktober, einen zweiten Wahlgang.

Die offizielle Kandidatenvorstellung der Stadt Weinstadt für die OB-Wahl findet am Donnerstag, 22. September, in der Beutelsbacher Halle statt. Beginn ist um 19 Uhr.

Der Zeitungsverlag Waiblingen organisiert traditionell zusätzlich eine eigene Veranstaltung, diese findet am Dienstag, 4. Oktober, von 19.30 Uhr an in der Jahnhalle Endersbach statt. Falls es zu einem zweiten Wahlgang kommt, steigt am Montag, 24. Oktober, von 19.30 Uhr an eine zweite Diskussionsrunde in der Jahnhalle.

Strippenzieher Paal

Der Weinstädter Claus Paal ist nicht nur CDU-Landtagsabgeordneter und Präsident der IHK Rems-Murr, sondern auch ein einflussreicher Strippenzieher. Witzlinger ist Paal-Fan – doch manch einer in der CDU fragt sich, was für ein Spiel Paal spielt. Fakt ist, dass dieser mit potenziellen Kandidaten sprach, unter anderem mit Bürgermeister Altenberger – und zwar erst in den vergangenen Tagen. „Alles, was ich tue, unterliegt der Vertraulichkeit“, sagte Paal am Freitag unserer Zeitung. Dass Witzlinger in einer Mail vom Donnerstagabend seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt hat, war Paal laut eigener Aussage nicht bekannt. Er gibt aber zu, dass ihm Witzlingers Ambitionen nicht fremd sind. Persönlich favorisiert Paal einen Kandidaten, der von außen kommt und bereits Bürgermeister ist. „Den haben wir aber nicht.“