Weinstadt

Parken an S-Bahn-Halt: „Komplettkatastrophe“

S-Bahn-Halt Stetten-Beinstein_0
Die Baustelle an der S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein. © Laura Edenberger

Weinstadt-Endersbach.
Die Situation an der Haltestelle Stetten-Beinstein in Endersbach bleibt angespannt. Seit den Umbauarbeiten des Bahnhaltes sind viele Parkplätze weggefallen. Das betrifft vor allem die Pendler. Denn nach wie vor gibt es zu wenig Parkplätze. Viele Plätze sind direkt von der Baustelle betroffen, mindestens sechs Stellplätze sind durch Bagger blockiert.

Ein Beinsteiner erzählt, dass seine Frau aufgrund der Parksituation nicht mehr mit der Bahn pendele, sondern mit dem Auto nach Stuttgart fahre. Seine Frau, die sich ihre Arbeitszeit nicht einteilen könne, sei zu spät am Bahnhof, um noch einen Parkplatz zu finden. Die Entscheidung, auf die Bahn ganz zu verzichten, traf sie allerdings erst, als die Grünflächen, auf die Pendler ihr Auto zuvor abstellen konnten, wegfielen. In der Folge habe seine Frau ihr VVS-Abo gekündigt und fahre jetzt mit dem Auto nach Stuttgart. „Wenn das die Lösung ist, dann ist das schon fraglich“, sagt er.

Die Parkplatzsituation betrifft allerdings nicht nur Pendler, sondern auch Unternehmen im angrenzenden Endersbacher Gewerbegebiet „Schreibaum“. So sind nicht nur die Mitarbeiter der ansässigen Unternehmen betroffen, sondern auch Kunden. Das schildert Manuela Kampa, die mit ihrem Mann zusammen Inhaberin von Kampa hoch zwei ist. Der kleine Betrieb ist auf zwei Bereiche spezialisiert: zum einen Gesundheit und Fitness mit Rückbildungskursen für Mütter und persönlichem Fitness-Coaching und auf der anderen Seite dem Bereich Beratung bei der Altersvorsorge und Gesundheitsvorsorge. Gerade Mütter, die mit ihren Kleinkindern und Babys zum Kurs kämen, seien auf die Parkplätze angewiesen. Weil einige keine Parkplätze mehr fanden und Strafzettel bekamen, hätten einige Mütter schon Termine abgesagt. Insgesamt bietet sie für Kunden drei Stellplätze an, doch gerade bei den Kursen sei das nicht ausreichend, so Manuela Kampa.

Die Mitarbeiter der angrenzenden Firmen finden keine Parkplätze

„Die Zuspitzung kam, als die Parkplätze am Bahnhof Rommelshausen kostenpflichtig wurden. Seit 2019 ist die Parksituation hier eine Komplettkatastrophe“, erklärt Geschäftsführerin Kampa. Auch bei anderen Firmen habe sie sich schon über die Situation erkundigt. Man sagte ihr, dass die Mitarbeiter Probleme bei der Parkplatzsuche hätten. Problematisch findet Manuela Kampa auch, dass manche Fahrer ihr Auto eine ganze Woche auf den Park&Ride-Plätzen abstellten. Sie habe immer wieder Autos gesehen, die dort von Montag bis Freitag parkten. Als im vergangenen Jahr einmal sogar der Fußgängerweg zu ihrem Studio zugeparkt war, so dass Mütter mit ihren Kinderwagen nicht mehr bis zum Eingang kamen, rief sie das Ordnungsamt an. Dort teilte man ihr mit, es sei für den Privatweg nicht zuständig.

Seit dem Diesel-Verbot Anfang 2019 habe sich die Situation nochmals verschlechtert. Davor habe man wenigstens auf Grünstreifen oder an der Straße noch einen Parkplatz finden können, so Manuela Kampa. Die Situation werde sich zuspitzen, wenn kontrolliert wird, ob nur die Fahrer mit einem VVS-Ticket dort parkten. „Das sind fast Verhältnisse wie in Stuttgart,“ so Kampa.

Dass das Dieselverbot am 1. Januar ausgeweitet wurde, dürfte die Situation an der Haltestelle Beinstein-Stetten noch verschlechtern. Der Beinsteiner, dessen Frau jeden Tag nach Stuttgart pendelt, ist überzeugt, dass das größte Problem die schlechte Planung der Stadt Weinstadt sei: Die Stadt hätte sich mit der Bahn abstimmen sollen, ob es in der Zeit der Umbauarbeiten alternative Parkplätze gibt, meint er. „Auch am Waiblinger Bahnhof gibt es jetzt noch mehr Park-Chaos als zuvor.“

Auch ein Leserbrief, der die Redaktion der Waiblinger Kreiszeitung noch vor Weihnachten erreichte, zeigt, dass es den betroffenen Pendlern reicht. „Es wurde eine neue Geldeinnahmequelle gefunden“, schreibt Nina Grande aus Waiblingen. „Man sollte doch meinen, dass hier aufgrund dieser absoluten Ausnahmesituation ein Auge zugedrückt wird, wenn auch die Grünstreifen zum Parken genutzt werden.“ Stattdessen hagle es Knöllchen. Für Nina Grande Anlass genug, jetzt wieder mit dem Auto, einem SUV Diesel, nach Stuttgart zu fahren.

Ein neues Parkhaus mit 150 zusätzlichen Plätzen

Wie berichtet, plant die Stadt am Bahnhof Stetten-Beinstein ein Parkhaus, das den jetzigen Park-and-Ride-Platz erweitern soll. Das neue Parkhaus soll 150 zusätzliche Parkplätze bieten, also insgesamt rund 360 Plätze. Durch die Baustelle fehlen an der ohnehin von Autos chronisch zugeparkten Haltestelle mindestens 40 Parkplätze, für die es bis Ende 2020 keinen Ersatz gibt.

Auf der Website der VVS wird unter der Rubrik Park & Ride die Kapazität der jeweiligen Park&Ride-Parkplätze angezeigt. Am Bahnhof Stetten-Beinstein sind das drei Gebiete, zwei südlich der Gleise und eines nördlich der Gleise: die Parkplätze an der Mercedesstraße. Dort soll es nach VVS-Angaben aktuell 178 Plätze geben, weit mehr als tatsächlich vorhanden. Immerhin gibt der Verkehrsbetrieb an, dass die Auslastung der Parkplätze zwischen 8 und 16 Uhr zwischen 100 und 104 Prozent betrage.

Betreiber der P&R-Parkplatzes ist die Deutsche Bahn

Zur Parkplatzsituation erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn gegenüber dieser Zeitung, dass es zurzeit keine Gespräche zwischen der Deutschen Bahn und der Stadt über Ausweichflächen gebe. Betreiber der Parkplätze sei die Deutsche Bahn. Das Parkhaus wiederum sei kein Projekt der Deutschen Bahn, sondern der Kommune.

Die Fußgängerunterführung soll bis voraussichtlich Ende 2020 an gleicher Stelle neu entstehen. Bis dahin werden Pendler wohl noch mit der Parksituation zu kämpfen haben.

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Die Situation an der Haltestelle Stetten-Beinstein in Endersbach bleibt angespannt. Seit den Umbauarbeiten des Bahnhaltes sind viele Parkplätze weggefallen. Das betrifft vor allem die Pendler. Denn nach wie vor gibt es zu wenig Parkplätze. Viele Plätze sind direkt von der Baustelle betroffen, mindestens sechs Stellplätze sind durch Bagger blockiert.

Ein Beinsteiner erzählt, dass seine Frau aufgrund der

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