Weinstadt

Parkplatz-Streit: Stadt verteidigt sich

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Die Anwohner sind stinksauer. © Danny Galm

Weinstadt-Benzach. Im Streit um die Verkleinerung des Parkplatzes bei den Benzacher Hochhäusern geht die Stadt nun in die Offensive: Die Verwaltung verweist darauf, dass die Anwohner auch beim jetzigen Bebauungsplan mehr Stellplätze behalten, als ihnen rechtlich zustehen. Die Betroffenen sehen das anders – und haben im Gemeinderat heftige Kritik geübt.

„Das gibt ein furchtbares Chaos“: Einige Anwohner versuchten in der Sitzung am Donnerstagabend, die Stadträte und die Weinstädter Rathausspitze davon zu überzeugen, die Zahl der Parkplätze gegenüber den Benzacher Hochhäusern nicht zu reduzieren.

„Ich verstehe, dass Sie aufgebracht sind“

Sie verwiesen unter anderem auf mögliche finanzielle Einbußen für die Geschäftsleute, auf die einst gezahlte Stellplatzablöse und die ohnehin schon beengten Verhältnisse. Nachdem 2011 bereits ihr Park für ein Bauprojekt gerodet wurde, haben sie nun das Gefühl, dass ihnen erneut etwas genommen wird.

„Ich verstehe, dass Sie aufgebracht sind“, sagte OB Michael Scharmann. Aus seiner Sicht hat die Stadt jedoch einen guten Kompromiss gefunden. Zwar sinkt die Zahl der Stellplätze, doch gleichzeitig sollen diese mit Rücksicht auf die Geschäftsleute nur noch von Kurzzeitparkern genutzt werden können. So soll laut Scharmann verhindert werden, dass Dauerparker die Stellplätze blockieren.

Laut Bebauungsplan: 38 öffentliche Stellplätze

Der seit 2007 gültige Bebauungsplan weist laut der Stadt 38 öffentliche Stellplätze aus. „Der Bebauungsplan steht nach der erfolgten Offenlage vor dem Satzungsbeschluss. Die Öffentlichkeit wurde beteiligt. Einwendungen sind keine eingegangen“, teilte der Weinstädter Pressesprecher Jochen Beglau auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Nach der Beschlussfassung über den Bebauungsplan werde der Bauträger, der das Grundstück von der Stadt gekauft hat, den Bauantrag einreichen, in die Vermarktung gehen und bald darauf mit dem Bau beginnen. Baubeginn soll Anfang 2018 sein.

Die Gewerbebrache wird verschwinden

Die neue Bebauung behebt laut Beglau einen städtebaulichen Missstand. Sprich: Die Gewerbebrache wird verschwinden. „Es wird im Wege der Innenentwicklung preisgünstiger Wohnraum für Familien geschaffen, ohne den Außenbereich in Anspruch nehmen zu müssen“, betont Beglau.

Der Stellplatzablösevertrag aus dem Jahr 1978 sei zudem geschlossen worden, um 26 Stellplätze für eine geplante Diskothek nachzuweisen, die allerdings nie in Betrieb genommen wurde. Vielmehr wird diese Fläche derzeit als Lager genutzt.

Ans Aufgeben denken die Betroffenen noch nicht

Die Stadt verweist darauf, dass sie trotzdem zu dem Vertrag von 1978 steht und nicht nur 26 Stellplätze, sondern sogar 38 ausweist – obwohl die Bewohner der Hochhäuser in Großheppach und Endersbach keine öffentlichen Stellplätze haben und es aus Sicht der Verwaltung auch zumutbar wäre, im angrenzenden Bildungszentrum zu parken.

Aktuell gibt es laut Rechnung der Stadt in Benzach 45 bis 51 Stellplätze, die Anwohner selbst sprechen von 50 bis 60. Baubürgermeister Thomas Deißler räumte ein, dass beim Bau der Benzacher Hochhäuser manches passierte, was heute so „nicht mehr gehen“ würde. „Dafür sind wir aber nicht verantwortlich. Das ist 40 Jahre her.“

Für die Anwohner war das kein Trost. Ein Gewerbetreibender, der Inhaber des Friseursalons Anselm, hat demnächst einen Gesprächstermin bei OB Scharmann. Ans Aufgeben denken die Betroffenen jedenfalls noch nicht – auch wenn sie die Kosten für einen Anwalt immer noch scheuen.

Dreißlers Kritik

  • „Wir legen unsere B-Pläne aus. Sie haben nicht reagiert!“, sagte Baubürgermeister Thomas Deißler. Nach seiner Darstellung haben sich die Anwohner mit ihrer Kritik zu spät gemeldet.