Weinstadt

Personalnotstand an den Kitas Weinstadt: Müssen bald die Eltern einspringen?

Kinderhaus
Der Bedarf an Betreuungsplätzen wächst jedes Jahr: Erzieher gibt es aber zu wenige. © Benjamin Büttner

Kita-Eltern in Weinstadt haben Anfang Februar ein Schreiben erhalten, gezeichnet von Ulrich Spangenberg, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales.

Darin ist von einem akuten und weitreichenden Personalmangel an den Kitas die Rede – ein Mangel, der gerade so gravierend ist, dass die Stadt damit rechnet, dass es in den verschiedenen Einrichtungen kurzfristig zu Einschränkungen bei der Betreuung kommen kann. Und Eltern ihre Kinder dann wohl oder übel zeitweise selbst betreuen müssen. Doch wie konnte es so weit kommen?

Vertretungskräfte sind schon eingebunden

Dass an den Kindertagesstätten in Weinstadt wie in vielen anderen Kommunen im Kreis auch Fachkräftemangel herrscht und immer wieder außerdem Erzieher wegen Krankheit ausfallen, ist an und für sich nichts Neues: Darüber hatte unsere Redaktion in den vergangenen Monaten schon wiederholt berichtet. Allerdings ist im Schreiben des Sozialamts nun von 17 fehlenden Fachkräften die Rede - weitere 24 Angestellte fallen demnach aktuell krankheitsbedingt aus.

Das seien so viele zumindest temporär unbesetzte Stellen, dass die Stadt als Träger das trotz eines Pools an Vertretungskräften kaum noch ausgleichen könne. „Die Vertretungskräfte, die eigentlich Krankheits-, Urlaubs- und Fortbildungszeiten des Stammpersonals ihrer Kita ausgleichen sollen, werden zu einem wesentlichen Teil zum Auffangen der unbesetzten Stellen eingesetzt“, so Spangenberg in dem Brief an die Eltern.

Krankheitswellen verstärken Personalmangel zusätzlich 

Man bitte die Eltern um Verständnis, auch wenn der Stadt bewusst sei, dass die andauernde Pandemie sowieso schon eine schwierige Zeit für die Familien sei. „Selbstverständlich unternimmt die Stadt alles, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, so Spangenberg.

Doch was kann die Stadt überhaupt tun, um dem scheinbar allgegenwärtigen Erziehermangel abzuhelfen? „Der Fachkräftemangel belastet die Städte und Kommunen seit Jahren“, schreibt die Pressestelle der Stadt Weinstadt. Dass die Lage aber jetzt im Moment besonders akut ist, habe auch mit den für diese Jahreszeit normalen Krankheitswellen mit Erkältungen, grippalen Infekten, aber auch einigen Corona-Infektionen zu tun.

Es gibt schon mehr Ausbildungsplätze, aber zu wenig Interessenten

Doch selbst wenn alle wieder gesund sind, ist das Problem noch lange nicht gelöst. Es gebe einfach zu wenig junge Menschen in der Erzieher-Ausbildung, gleichzeitig gingen aktuell nach und nach die geburtenstarken Jahrgänge und damit auch viele Erzieher in Rente. „So trifft uns an dieser Stelle auch der demografische Wandel“, so die Stadt. Ähnliche Entwicklungen seien auch in anderen Branchen zu beobachten, wie etwa in der IT, bei den Lehrern oder im Maschinenbau.

Um dem Personalmangel vorzubeugen, habe die Stadt Weinstadt bereits in der Vergangenheit ihre Ausbildungskapazitäten erhöht. „Doch können wir seit einiger Zeit unsere Plätze nicht voll belegen, weil es nicht genügend Interessenten gibt.“ Da bleibt nur: weiterhin nach neuen, fertig ausgebildeten Fachkräften suchen. Doch die Konkurrenz mit anderen Kommunen ist groß: Schließlich suchen alle händeringend nach Kita-Personal - wer den Jobbeschreibungen entspricht, kann sich seine Stelle praktisch frei aussuchen.

Banner-Kampagne soll Bewerber aufmerksam machen

Um Bewerber für sich zu gewinnen, wirbt die Stadt Weinstadt zurzeit unter anderem mit Bannern mit dem Motto „Kita-Life-Balance“ und verspricht ein gutes Betriebsklima. „Zudem gibt es für alle Beschäftigten bei der Stadt bestimmte Vorteile wie ein Gesundheitsmanagement, Betriebssport, vergünstigte Sportangebote, 50 Prozent Ermäßigung beim VVS-Abo, Jobrad oder auch Fortbildungen - um nur einige Vorteile zu benennen“, informiert die Pressestelle.

Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, habe sich in Weinstadt außerdem ein Arbeitskreis gegründet. Einige Vorschläge seien bereits umgesetzt worden. „Für andere benötigen wir noch Zeit“, so die Pressestelle. Klar sei jedoch: „Unsere Erzieherinnen und Erzieher sind hoch motiviert und leistungsbereit“ – dafür wolle sich die Stadt an dieser Stelle als Arbeitgeber auch bei den Erziehern für deren Einsatz in dieser schwierigen Zeit bedanken.

Kita-Eltern in Weinstadt haben Anfang Februar ein Schreiben erhalten, gezeichnet von Ulrich Spangenberg, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales.

Darin ist von einem akuten und weitreichenden Personalmangel an den Kitas die Rede – ein Mangel, der gerade so gravierend ist, dass die Stadt damit rechnet, dass es in den verschiedenen Einrichtungen kurzfristig zu Einschränkungen bei der Betreuung kommen kann. Und Eltern ihre Kinder dann wohl oder übel zeitweise selbst betreuen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper