Weinstadt

Pfusch am Bau? Wasserschäden sorgen für Ärger bei der Stadt Weinstadt

Weinstadt-Benzach Kinderhaus-Baustelle Benzach Noch liegt die Baustelle fürs Kinderhaus Benzach im Kostenrahmen. Trotzdem gab es
Eine defekte Wasserleitung ist Stein des Anstoßes am Kinderhaus Benzach. Hier ein Foto von der Baustelle im Frühjahr 2013. © Gabriel Habermann

Der Weinstädter stellvertretende Hochbauamtsleiter Daniel Bohn machte am Donnerstagabend (11.6.) in der Jahnhalle keinen Hehl aus seinem Ärger: „Für mich ist das fast vorsätzlich“, schimpfte er über zwei Wasserschäden. Diese sind in jüngster Zeit an der Friedrich-Schiller-Schule und am Kinderhaus Benzach aufgetreten. In beiden Fällen ist der Schaden auf schlechte Arbeit der zuständigen Baufirmen zurückzuführen, wie Bohn im Technischen Ausschuss sagte.

Bei der Friedrich-Schillerschule in Großheppach sei der Wasserschaden an der Fassade des erst 2018 eingeweihten Neubaus „durch mangelhafte Gewerksausführung im Flachdachbereich“ entstanden, heißt es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Die Schadenssumme: Rund 25 000 Euro. Daniel Bohn drückte es am Donnerstagabend so aus: „Es war der Flachdachabdichter, der gemurkst hat.“

Die Stadt geht in Vorleistung, das letzte Wort ist nicht gesprochen

Doch so „bedauerlich“ der Schaden an der neuen Grundschule sei – er ist noch ganz knapp innerhalb der Gewährleistungszeit aufgetreten. Heißt: Die Stadt wird bei der Behebung zwar in Vorleistung gehen, aber letztlich zahlt die Versicherung des Flachdachbauers zumindest einen Teil des Schadens. Und mit dem Flachdachabdichter selbst ist auch das letzte Wort noch nicht gesprochen, wie Bohn andeutete.

„Das falsche Material verbaut“

Komplizierter liegt die Sache im Fall eines Wasserschadens am Kinderhaus Benzach. Hier ist ein Schaden an einer Wasserleitung aufgetreten, offenbar, weil die beauftragte Firma ungeeignetes Material verbaut hat. Die Stadtverwaltung hatte zunächst eine Schadenssumme von 30 000 Euro befürchtet, sich aber mittlerweile auf rund 14 000 Euro nach unten korrigiert. Das schmälert aber offenbar kaum den Ärger des stellvertretenden Hochbauamtsleiters. „Für mich ist das fast vorsätzlich“, schimpfte Daniel Bohn, „da wurde falsches Material eingebaut.“

Lohnt sich ein Rechtsstreit überhaupt?

Die Gewährleistungszeit sei in diesem Fall verstrichen, die Abnahme, bei der nichts Verdächtiges bemerkt wurde, bereits vor sieben Jahren erfolgt. Die Stadt überlege jetzt, die Sache „rechlich klären“ zu lassen, die Chancen, sei ihm aus dem Bauamt mitgeteilt worden, so Bohn, lägen allerdings „bei unter 50 Prozent, dass sich das lohnt“. 14 000 Euro seien zwar viel Geld, doch auch ein Rechtsstreit könne teuer werden. Es könnte also darauf hinauslaufen, dass die Stadt den Pfusch zähneknirschend selbst behebt.

Gegen Wasserschäden seien in Weinstadt nur die „großen Gebäude“ versichert, sagte Bohn auf eine Anfrage von CDU-Stadtrat Samuel Herbrich. Das veranlasste Oberbürgermeister Michael Scharmann laut darüber nachzudenken, ob es den Versicherungsschutz nicht auszuweiten gelte.

Auf die Frage Frieder Dippons (CDU), welche Firma in Benzach gepfuscht habe, antwortete Bohn in öffentlicher Sitzung: „Das sag' ich Ihnen jetzt nicht. Aber er schafft nicht mehr für uns.“

Weitere Wasserschäden und Reparaturen an Grundschule und Stiftsbad in Beutelsbach

Die beiden Wasserschäden waren am Donnerstagabend in der ersten reinen Präsenzsitzung ohne Onlineschaltung seit einem halben Jahr eines Weinstädter Gremiums auf den Tisch gekommen. Und zwar unter dem Tagesordnungspunkt „Gebäudemanagement – Bericht über Planabweichungen bei den Aufwendungen für die Gebäudeunterhaltung im 1. Halbjahr 2021“.

Bohn berichtete darunter außerdem von einem weiteren Wasserschaden an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule, an der ein „undichtes Eckventil“ rund 41 000 Euro Schaden verursacht hat.

Die weitere Liste der überplanmäßigen Ausgaben:

  • Abbruch des Kernzeit-Pavillons an der Friedrich-Schiller-Schule (20 000 Euro)
  • Erneuerung eines Gasbrenners am Stiftsbad beziehungsweise der Grundschule Beutelsbach (18 000 Euro)
  • Ebenfalls an der Grundschule Beutelsbach: Reparatur einer kaputten Fußbodenheizung und Austausch von Öltanks gegen Gasbrenner sowie Ertüchtigung korrodierter Stützen bei der Pausenhofüberdachung (30 000 Euro)
  • Große Sporthalle: Wasserschaden durch korrodierte, innenliegende Rinne (15 000 Euro)

Rund 100 000 Euro für den Stiftskeller

Die größte Summe wird allerdings für den Stiftskeller fällig: Schätzungsweise 100 000 Euro kostet die Ertüchtigung der Lüftungsanlage, ohne die der Keller laut Stadtverwaltung – insbesondere in Corona-Zeiten – gar nicht mehr nutzbar ist. Hier hofft die Stadt allerdings auf eine Förderquote von bis zu 80 Prozent.

Die überplanmäßigen Mittel, so Bohn, seien noch durch das Gesamtbudget für die rund 100 städtischen Nichtwohngebäuden gedeckt, die vom Hochbauamt bewirtschaftet werden. Es sind für das Gebäudemanagement im Jahr 2021 inklusive Bauhofleistungen und Digitalisierung der Schulen rund 2,4 Millionen Euro im Haushalt eingestellt. Der stellvertretende Hochbauamtsleiter: „Jetzt darf aber nichts Großes mehr kommen!“

Der Weinstädter stellvertretende Hochbauamtsleiter Daniel Bohn machte am Donnerstagabend (11.6.) in der Jahnhalle keinen Hehl aus seinem Ärger: „Für mich ist das fast vorsätzlich“, schimpfte er über zwei Wasserschäden. Diese sind in jüngster Zeit an der Friedrich-Schiller-Schule und am Kinderhaus Benzach aufgetreten. In beiden Fällen ist der Schaden auf schlechte Arbeit der zuständigen Baufirmen zurückzuführen, wie Bohn im Technischen Ausschuss sagte.

Bei der Friedrich-Schillerschule

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