Weinstadt

Pokémon Go: Die Jagd ist eröffnet

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Die beiden Studenten Philipp Hartkopf (links) und Julian Schatz sind im Garten der Sinne auf Monsterjagd. © Jansen / ZVW
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Am Granitofon flattert ein Pokémon. © Jansen / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Der Garten der Sinne in Beutelsbach ist neuerdings zum Jugend-Treffpunkt avanciert. Der Grund: Er ist ein wahres Eldorado für Pokémon-Go-Spieler. Gleich fünf sogenannte Lockmodule warten dort auf die Monsterjäger. Das macht es besonders einfach, Pikachu und Co. einzufangen. Zudem gibt’s eine Arena, um die im Handyspiel gekämpft werden kann.

Julian Schatz sitzt auf einer Bank im Garten der Sinne. Konzentriert schaut der 23-Jährige auf sein Handy. Was er da mache? Pokémon Go (siehe Infobox) zocken natürlich. Auf 14 Uhr ist Schatz mit zwei Freunden zum Monsterjagen verabredet, um 16 Uhr kommen drei oder vier weitere aus Ludwigsburg angereist. Letztere allerdings nicht nur wegen der Pokémons. Nach der erfolgreichen Jagd wollen die Jungs gemeinsam Fußball spielen. Dann wendet der Student der Wirtschaftsinformatik sich wieder seinem Handy zu.

Abends wimmelt der Garten von Monsterjägern

So wie Schatz und seine Kumpels machen es in letzter Zeit viele, wie die Betreiberin des Beutelsbacher Erlebnisgartens, Eva Strehl, berichtet. Erst am vergangenen Abend habe eine Bekannte sie angerufen, die mindestens 20 Jugendliche im Garten entdeckt hatte. „Die wollte schon die Polizei rufen“, erzählt Strehl lachend. Aber für sie sei es kein Problem, wenn die jungen Leute zum Spielen herkämen – Hauptsache sie nähmen anschließend ihren Müll wieder mit. „Ich hab hier doch keine Müllabfuhr“, sagt sie achselzuckend.

Derweil sind die beiden angekündigten Freunde eingetroffen. Nun sitzen die Jungs zu dritt auf der Bank mit – natürlich – ihren Handys in der Hand. Der Garten der Sinne sei ein wahres Eldorado für Pokémon-Go-Spieler, berichten sie. „Die Besonderheit hier ist, dass es gleich fünf Poke-Stops auf ziemlich engem Raum gibt“, erklärt Philipp Hartkopf. Wie Julian Schatz ist auch er 23 Jahre alt und Student – allerdings der Gebäude-, Energie- und Umwelttechnik. An diesen Poke-Stops, erläutert er weiter, können Module aktiviert werden, welche die kleinen japanischen Monster anlocken. Dann ist die Jagd eröffnet. „Außerdem gibt’s da hinten bei dem Baumstamm-Modell eine Arena“, ergänzt Schatz. Dort kann man die gefangenen Pokémons gegen andere antreten lassen und im besten Fall die Herrschaft über die Arena übernehmen. Das Spiel scheint Suchtpotenzial zu haben: Obwohl die Jungs erst vor kurzem in das Handyspiel eingestiegen sind, sind sie schon voll im Pokémon-Fieber. „Bis Montag hatten wir noch Prüfungen. Wir haben uns gezwungen, erst danach anzufangen“, erzählt Schatz lachend.

Mit Modulen die Beute anlocken

Was an Pokémon Go so toll ist? Die Erinnerung. „Das war einfach voll unsere Zeit damals, wir haben Pokémon als Zeichentrickserie geguckt und auf dem Gameboy gespielt“, entsinnt sich Hartkopf. „Es ist schön, die Pokémon von früher wiederzuerkennen“, pflichtet ihm Schatz bei. Dass es abends richtig voll wird im Garten der Sinne, können sie bestätigen. Und auch die beiden anderen Jungs, die in der Zwischenzeit mit ihren Handys den Weg in den Garten gefunden haben, stimmen zu: „Abends ist hier richtig was los“, sagen sie, den Blick immer schön aufs Smartphone gerichtet. Das sei eben auch so toll an Pokémon Go, findet Schatz, dass man mit ganz unterschiedlichen Leuten ins Gespräch komme. „Heute Morgen hab ich zum Beispiel ein paar Grundschüler getroffen, die haben mich schon mit einem Grinsen empfangen“, berichtet er.

Oder neulich in der Bahn: Da habe er einen Typen getroffen, der sei ganz sicher schon Mitte 30 gewesen, fügt Hartkopf hinzu. „Es ist schon witzig, weil einfach auch Leute spielen, von denen man es nie gedacht hätte.“

Kaum hat einer der fünf das erste Lockmodul aktiviert, taucht prompt auch schon der nächste Spieler auf. Er wohne gleich um die Ecke, sagt der Mann, der den Altersschnitt der anwesenden Pokémon-Jäger etwas hebt. Einträchtig sitzen die sechs nun auf den Stühlen und Bänken vor dem kleinen Kräuterhäuschen und jagen virtuelle Monster durch den echten Garten.

Und Eva Strehl? Die bleibt gelassen: Ihr sei jeder herzlich willkommen. „Aber toll wäre es, wenn die jungen Leute mir dann auch hin und wieder zur Hand gehen würden“, sinniert sie. Das Unkraut zwischen den Pflastersteinen beispielsweise, das müsste mal wieder gerupft werden. Oder der Rasen gemäht.

Bei den Handy-Zockern stößt sie damit erst mal auf taube Ohren. Doch als sie davon spricht, eventuell eine Leinwand aufzustellen, merkt Julian Schatz auf: Es gebe auch einen Pokémon-Film, den könnte man doch zeigen. Das würde den Garten der Sinne dann wohl endgültig zum Mekka aller Fans der kleinen japanischen Monster machen.

Was ist Pokémon Go?

In dem Smartphone-Spiel geht es darum, möglichst viele der aus Computerspielen und einer Anime-Fernsehserie bekannten Monster einzufangen, zu trainieren und gegeneinander antreten zu lassen.

Mittels GPS positioniert Pokémon Go den Spieler auf einer virtuellen Landkarte. Die App nutzt Objekte und Sehenswürdigkeiten zur Gestaltung der Spielwelt. Der Clou: Da auch die Kamera einbezogen werden kann, können Pokémons in der echten eigenen Umgebung gejagt werden.