Weinstadt

Polizisten in Weinstadt angegriffen und bedroht: Mann muss für elf Monate ins Gefängnis

Amtsgericht zu
Am Amtsgericht Waiblingen wurde zum wiederholten Male ein Vorfall verhandelt, der sich an der Flüchtlingsunterkunft in Großheppach zugetragen hat. © Benjamin Büttner

Ein 36-Jähriger, der in der Flüchtlingsunterkunft am Heuweg in Großheppach randaliert, sich dann mit zwei Polizisten geprügelt und diese auf der Fahrt zum Revier auch noch aufs Übelste bedroht und beleidigt hat, ist am Amtsgericht Waiblingen zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt worden. Über seinen Verteidiger hat der Mann die Vorwürfe zwar weitestgehend eingeräumt, sieht sich aber in der Sache selbst als Opfer. Zu Prozessbeginn saß der Mann bereits in Haft.

Vom Security ermahnt und ausgerastet

Der Vorfall, der jetzt am Amtsgericht verhandelt wurde, hat sich am 15. September 2020 in den späten Abendstunden ereignet. Ein Sicherheitsmann hatte die Polizei verständigt, nachdem der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft ein Glas aus dem Fenster geworfen hatte. Das war seine Reaktion auf eine Ermahnung der Security gewesen, sich ruhiger zu verhalten und nicht mehr herumzubrüllen. Später war es dann zu der körperlichen Auseinandersetzung mit den beiden Polizeibeamten gekommen.

Im Polizeibericht vom September 2020 wird der Angeklagte als „alkoholisiert“, „äußerst aggressiv“ und „nicht zu beruhigen“ beschrieben. Ein Polizist sei bei dem Einsatz leicht verletzt worden, heißt es darin. Von einer Verletzung des Angeklagten steht hingegen nichts im Bericht. Vor Gericht sind jetzt die Details ans Licht gekommen: Der Beamte hatte sich beim Kampf ein paar Schrammen zugezogen, der renitente Mann aus Nigeria eine blutige Lippe. Diese Verletzung rührte wohl von einem Faustschlag des Polizisten her, wie der Beamte im Zeugenstand selbst aussagte.

Schon beim Eintritt in den Gerichtssaal gibt es Stress

Doch von vorn: Schon beim Betreten des Gerichtssaals hat der Angeklagte den nächsten Streit – und zwar mit dem Waiblinger Wachtmeister, der ihn aus der Zelle zur Verhandlung führt. Der Gefesselte sträubt sich und wehrt sich sogar gegen den Versuch des Wachtmeisters, ihm die Handschellen abzunehmen – was der Justizbeamte schließlich achselzuckend akzeptiert.

Immer wieder muss der aufgebrachte 36-Jährige während der folgenden Verhandlung ermahnt werden, nicht dazwischenzureden. Richterin Thümmel wird dabei sogar von der Dolmetscherin unterstützt, die alles ins Englische übersetzt. „Listen!“, zischt sie einmal scharf - „Hören Sie zu!“

Was den Mann so aufbringt: Er sei selbst das Opfer in diesem Fall. Die Polizisten hätten ihn angegriffen und geschlagen, nicht andersherum, betont er mehrfach.

Ob er die Beamten beleidigt hat? Das sei "nicht auszuschließen"

Immerhin: Die Vorwürfe aus der Anklageschrift räumt er über seinen Verteidiger weitestgehend ein. Er sei betrunken gewesen und habe sich gewehrt, als die Polizisten ihn in Gewahrsam nehmen wollten. Es könne gut sein, dass er während der körperlichen Auseinandersetzung nach den Beamten getreten habe, wenn auch nicht gezielt. Es sei „nicht auszuschließen“, dass er die Beleidigungen und Bedrohungen aus der Anklage tatsächlich ausgesprochen habe. Er könne sich daran nicht erinnern.

Im Gegensatz zu den Beamten, die vor Gericht als Zeugen aussagen und detaillierte Angaben machen (wie einer der beiden erst wenige Tage zuvor in diesem Fall). „Wir haben sehr lange mit ihm geredet“, sagt einer der Beamten – doch das sei vergebens gewesen. Weil der betrunkene Mann (1,5 Promille) immer wieder gedroht habe, sich den Securitymann im Heuweg später vorzuknöpfen, hätten die Polizisten ihm schließlich mitgeteilt, dass er in Gewahrsam genommen würde. Als der Mann nicht freiwillig folgen wollte, sei es schließlich zum Gerangel gekommen.

Der Polizist hat dem Mann einen Faustschlag verpasst

Sein Kollege habe den Mann am Bein gepackt und zu Fall gebracht, berichtet einer der Beamten. Der Betrunkene habe Schotter gegriffen und nach dem Kollegen geworfen. Außerdem habe er gezielt in Richtung dessen Gesicht getreten. Der andere Polizeibeamte berichtet, er habe dem Mann daraufhin einen Faustschlag verpasst.

Als der 36-Jährige gefesselt und aus der Lippe blutend in den Streifenwagen geschafft worden war, seien sie aufs Übelste beleidigt und bedroht worden, berichten die Polizisten übereinstimmend. „Er hat gedroht, dass er uns die Kehlen durchschneidet. Das war schon unangenehm“, sagt einer der Polizisten.

Auf dem Revier in Waiblingen habe sich der Angeklagte beruhigt und die Nacht in einer Zelle verbracht. Am nächsten Morgen sei er auf freien Fuß gesetzt worden.

In Deutschland schon mehrere Vorstrafen gesammelt

Diese Freiheit hat der mehrfach Vorbestrafte mittlerweile verspielt. Seit er nach Deutschland gekommen ist, sammelt er Geld- und Haftstrafen wegen Betrugs, versuchter Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, sexueller Belästigung ... Seit Mitte April sitzt er wieder in Untersuchungshaft – und wird nach Richterin Thümmels jüngstem Urteil so schnell nicht freikommen.

Die Richterin sprach ihn des tätlichen Angriffs auf die Beamten, versuchter vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung schuldig. In ihr Urteil fließt auch eine Verurteilung aus dem vergangenen November wegen gefährlicher Körperverletzung mit ein. Der Mann muss nun elf Monate verbüßen.

Ein 36-Jähriger, der in der Flüchtlingsunterkunft am Heuweg in Großheppach randaliert, sich dann mit zwei Polizisten geprügelt und diese auf der Fahrt zum Revier auch noch aufs Übelste bedroht und beleidigt hat, ist am Amtsgericht Waiblingen zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt worden. Über seinen Verteidiger hat der Mann die Vorwürfe zwar weitestgehend eingeräumt, sieht sich aber in der Sache selbst als Opfer. Zu Prozessbeginn saß der Mann bereits in Haft.

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