Weinstadt

Präsenzunterricht trotz Corona-Mutationen: Rektorin Henriette Baumann ist besorgt

SilcherschuleTest
Rektorin Henriette Baumann lässt sich testen. Corona-Schnelltests werden in der Silcherschule zweimal die Woche angeboten. © Gaby Schneider

Von Montag an werden wieder ganze Grundschulklassen nach Stundenplan in Präsenz unterrichtet, fast so, als sei die Pandemie vorbei. Nur Sportunterricht fällt flach. Auch die fünften und sechsten Klassen kehren an ihre Schulen zurück. Die wenigsten Eltern werden ihre Kinder zu Hause behalten, auch wenn das erlaubt ist. Sind die Schulen darauf überhaupt vorbereitet? Oder droht wegen der Virusvarianten ein Corona-Chaos mit vielen Infektionen und noch mehr Quarantäne-Anordnungen?

Henriette Baumann, Rektorin der Silcherschule, ist jedenfalls angespannt. Bislang waren die Klassenzimmer nur halbvoll, die Schüler kamen wochenweise im Wechsel. Und jetzt? „In einem Klassenzimmer sitzen mindestens 20 Haushalte drin“, sagt sie. Alle ihre Kollegen in Weinstadt seien gleichermaßen in Sorge: „Was uns alle umtreibt, sind diese Mutationen und die Vorgabe vom Gesundheitsamt, dass bei einem Mutationsfall nicht nur die Kontaktperson 1, sondern ihre ganze Familie gleich mit in Quarantäne muss.“

Ganze Klassen plus Familien in Quarantäne? Kein unrealistisches Szenario

Masken- und Abstandsgebote gibt es in der Grundschule nicht. Folgendes Szenario ist nicht unrealistisch: Ein Kind infiziert sich mit einer Virusmutation und steckt weitere Kinder an; die ganze Klasse ist entweder infiziert oder wird (nach Prüfung des Einzelfalls) als Kontaktperson 1 eingestuft. In diesem Fall müssten auch die Familien sämtlicher Kinder dieser Klasse für zwei Wochen in Quarantäne.

Zum Glück seien die meisten Lehrer im Kollegium bereits einmal geimpft worden und ließen sich regelmäßig vor Ort testen, sagt Henriette Baumann. Auch sie selbst bekam am Freitagmorgen in der Schule ein Stäbchen in die Nase. Die Spiess’sche Apotheke organisiert die Schnelltests für Lehrerinnen an mehreren Schulen in Weinstadt. Das gibt etwas Sicherheit und hilft, schnell zu reagieren, verjagt aber längst nicht alle Zweifel. Baumann: „Ich habe Sorge, dass wir in kürzester Zeit wieder in eine Schließung reinkommen.“

Einige Kinder werden weiterhin per Fernunterricht beschult

Manche Eltern wollen das Quarantäne-Risiko nicht eingehen und behalten ihre Kinder zu Hause. Das ist gestattet, es gibt vorerst keine Präsenzpflicht. Stattdessen müssen diese Mädchen und Jungen per Fernunterricht mit Lernstoff versorgt werden. Das ist für die Lehrer eine zusätzliche Belastung.

Die meisten Schülerinnen und Schüler werden jedoch vor Ort beschult. Das gilt auch für die fünften und sechsten Klassen an den weiterführenden Schulen. Dort gibt es mitunter Schnelltests auch für Schüler und andere Sicherheitsmaßnahmen: Am Remstal-Gymnasium zum Beispiel wird jede Klasse auf zwei Zimmer verteilt.

Corona-Budget wird für CO2-Ampeln und Raumluftreinigung eingesetzt

Doch wie sieht es mit technischen Hilfsmitteln oder baulichen Maßnahmen an den Weinstädter Schulen aus? Die Stadtverwaltung teilt unserer Redaktion auf Anfrage mit, bereits vor Wochen mit allen Schulleiterinnen und Schulleitern Gespräche geführt zu haben, um das „Corona-Budget Schule“ sinnvoll und verordnungskonform zu verwenden.

Einige Schulen wollen aus den Fördergeldern CO2-Ampeln finanzieren, um die Luftqualität im Raum zu kontrollieren, andere darüber hinaus auch auf Raumluftreinigungsgeräte setzen. Laut Henriette Baumann werden die finanziellen Mittel „sehr bewusst und gut dosiert“ eingesetzt – manches sei schon da, anderes in der Beschaffung. Nach wie vor gilt in puncto Luftqualität aber vor allem: Lüften, Lüften, Lüften. Das fällt bei den aktuellen Temperaturen leichter als im tiefsten Winter.

In der Schülerbetreuung ist eine Durchmischung der Schüler unvermeidbar

Und nach der Schule? Bei der Schülerbetreuung durch die Stadt kann, anders als am Vormittag in der Schule, „von der strikten Gruppen- und auch Jahrgangstrennung abgewichen werden“, wie die Stadt Weinstadt mitteilt. Diese aufrechtzuerhalten wäre aus Gründen der Raum- und Personalkapazitäten auch gar nicht möglich. „Durch Anordnung von Mehrarbeit und Einsatz von Vertretungskräften wird dem soweit wie möglich entgegengewirkt. Aber es wird dennoch zu einer stärkeren Durchmischung in den Schülerbetreuungen kommen als zu den Unterrichtszeiten – das ist unvermeidbar“, heißt es aus dem Rathaus.

Die Zahl der Kontakte wird sich also in der kommenden Woche deutlich steigern, und das in einer Zeit, in der Virusmutationen auf dem Vormarsch sind. Auch bei der Stadtverwaltung gilt das Prinzip Hoffnung: „Wir freuen uns, dass die Kinder bis Klassenstufe 6 nun wieder ein Stückchen näher an einen üblichen Schulalltag herankommen, und hoffen, dass dieser für die Kinder so wichtige Öffnungsschritt aus dem Blickwinkel der gesamtpandemischen Betrachtung verantwortbar ist.“

Im Ordnungsamt bereiten sich die Mitarbeiter auf mehr Arbeit vor 

Das Ordnungsamt bereitet sich nichtsdestoweniger auf noch mehr Arbeit vor. Zwar seien die Hygienevorgaben (Masken ab Klasse 5, Stoßlüften, bestmöglicher Abstand) eindeutig, „allerdings kann auch wegen des vermehrten Vorkommens von Mutationen nicht vorhergesehen werden, inwieweit sich das Virus durch die Öffnung der Schulen vermehrt ausbreiten wird“, schreibt die Stadtverwaltung.

Für viele Verantwortliche fühlt es sich an wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Lässt sich das Virus durch die vielen Tests vielleicht ausbremsen? Oder wird durch die Schulöffnung die dritte Welle unterfüttert, die der RKI-Chef bereits ausgemacht hat? Henriette Baumann und ihre Kolleginnen und Kollegen geben ihr Bestes, lassen sich regelmäßig testen, reißen die Fenster auf und hoffen, dass das Virus den Weinstädter Familien nicht am Ende das Osterfest verhagelt.

Von Montag an werden wieder ganze Grundschulklassen nach Stundenplan in Präsenz unterrichtet, fast so, als sei die Pandemie vorbei. Nur Sportunterricht fällt flach. Auch die fünften und sechsten Klassen kehren an ihre Schulen zurück. Die wenigsten Eltern werden ihre Kinder zu Hause behalten, auch wenn das erlaubt ist. Sind die Schulen darauf überhaupt vorbereitet? Oder droht wegen der Virusvarianten ein Corona-Chaos mit vielen Infektionen und noch mehr

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