Weinstadt

Priester Modestus Ukwandu im Video-Interview

Pfarrer
Modestus Ukwandu (45) ist als Pfarrer innerhalb der Seelsorgeeinheit schwerpunktmäßig für Weinstadt und Remshalden zuständig. © Palmizi / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Schon als Kind wollte Modestus Ukwandu Pfarrer werden. So wie die jungen Männer, die in seinem Heimatort im Südosten Nigerias das Priesterseminar besuchten. „In dieser Region in Nigeria ist der Glaube ganz stark.“ Derzeit arbeitet der 45-Jährige als katholischer Pfarrer in Weinstadt, Remshalden und Kernen – und fühlt sich wohl. „Ich bin sehr zufrieden.“

Im Video: Katholischer Priester Modestus Ukwandu aus Nigeria Predigt nun in den  Seelsorgeeinheiten in Weinstadt, Kernen und Remshalden.

Als Modestus Ukwandu am 13. April 1971 geboren wurde, war der Krieg in Südostnigeria gerade mal etwas mehr als ein Jahr zu Ende. Der Traum des Militärgouverneurs aus der Volksgruppe der Igbo, mit der Republik Biafra unabhängig zu werden, scheiterte.

Brutaler Konflikt

Es war ein brutaler Konflikt, ältere Menschen erzählen laut Modestus Ukwandu noch heute davon. Mit einer Hungerblockade ging die Zentralregierung gegen die Separatisten vor: Rund zwei Millionen Zivilisten starben, die meisten von ihnen waren Kinder.

„Es gibt heute noch den Wunsch nach Unabhängigkeit“, sagt der 45-Jährige. Nigeria, ein Land mit rund 500 Sprachen (da sind die Dialekte noch gar nicht eingerechnet), ist voller Probleme: Es gibt Konflikte zwischen Muslimen und Christen, zwischen einzelnen Volksgruppen, zwischen dem Norden, Südwesten und Südosten – und der Einfluss der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien ist allgegenwärtig.

Bis heute, sagt Modestus Ukwandu, hätten die Menschen in Südostnigeria das Gefühl, dass die Briten stets zu den Mächtigen in Nord- und Südwestnigeria halten. Und von seinem Ölreichtum habe Südostnigeria wenig: Die Einnahmen aus dem Geschäft gingen größtenteils in andere Landesteile, während zugleich die Umwelt verschmutzt werde. „Das Geld ist immer für die anderen.“

Seit 2010 in Deutschland

Modestus Ukwandu lebt zwar seit 2010 in Deutschland, aber der 45-Jährige hält nach wie vor Kontakt zu seiner alten Heimat. Erst jüngst war er für einige Wochen dort und musste einen Temperaturschock verkraften: Während in Beutelsbach im Januar die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt lagen, hatte es in Nigeria 35 Grad.

Und wenn dort nachts der Strom abgestellt wird und dann die Klimageräte nicht mehr laufen, fällt das Einschlafen wegen der Hitze schwer. „Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen“, sagt Modestus Ukwandu. Als er zurückkam, gab es eine gute Nachricht: Der Nigerianer erfuhr von der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dass er nicht nur eine vorübergehende Vertretungskraft ist, sondern in der Seelsorgeeinheit Beutelsbach-Endersbach-Kernen-Remshalden bleiben kann und dort zweiter Pfarrer wird.


Ganz so, wie er es sich gewünscht hat. Seit 1. Dezember arbeitet er ja auch schon in den vier Pfarreien mit ihren acht Kirchen mit, schwerpunktmäßig in Weinstadt und Remshalden. „Es gefällt mir hier in der Gegend – und mir gefallen die Leute.“

Modestus Ukwandu stammt aus einer katholischen Familie. Seine Mutter war Grundschullehrerin, der Vater arbeitete beim Finanzamt. Mittelschicht also. Auf die Bildung ihrer sieben Kinder legten die Eltern großen Wert, sie sind heute Ärzte, Lehrer, Uni-Professoren, Ingenieure und Labormitarbeiter. Und Modestus Ukwandu wurde Pfarrer. Die Weichen dafür stellte die Familie früh: Er besuchte ein katholisches Gymnasium, das sich speziell an Jungen richtet, die Priester werden wollen. Der 45-Jährige wuchs in einem Umfeld auf, in dem man eigentlich sozial isoliert war, wenn man nicht Christ war. „Man fühlt sich dann allein.“

Die katholische Kirche leidet seit langem unter Priestermangel

1999 wurde Modestus Ukwandu zum Priester geweiht und arbeitete rund elf Jahre als Seelsorger in Nigeria, ehe ihn sein Bischof ins Ausland schickte. Der 45-Jährige hätte auch in die USA gehen können, was für ihn viel bequemer gewesen wäre – schließlich ist Englisch in Nigeria Amtssprache.

Doch es verschlug ihn nach Deutschland, wo die Katholische Kirche seit langem unter einem Priestermangel leidet. Modestus Ukwandu freute sich auf das neue Land. „Für mich war es wichtig, eine weitere europäische Sprache zu lernen.“

Er schrieb seine Predigten anfangs auf Englisch

Die erste Zeit in Deutschland war für den Nigerianer hart. Er schrieb seine Predigten anfangs auf Englisch, ließ sie ins Deutsche übersetzen und übte dann den Text mit Hilfe eines Sprachlehrers. Er wollte ihn in der Kirche so gut wie möglich vortragen, alles richtig betonen.

Und wenn ihn dann nach dem Gottesdienst Menschen für sein gutes Deutsch lobten, waren sie erstaunt, warum er plötzlich Schwierigkeiten hatte, dem Gespräch zu folgen – schließlich hatte er doch vorher so schön gepredigt.

„Ich bin sehr zufrieden“

Inzwischen schreibt Modestus Ukwandu alle seine Predigten auf Deutsch und hat auch kein Problem mehr, die Menschen zu verstehen. Wenn er seinen Doktortitel nach der mündlichen Prüfung in der Tasche hat, will er noch eine Weile in Deutschland bleiben – wobei die genaue Dauer letztendlich sein Bischof aus Nigeria bestimmt. Maximal bis Ende 2021 kann er bleiben, dann geht es zurück in sein Heimatland.

Was er dort genau machen wird, entscheidet letztlich der Bischof. Vielleicht wird Modestus Ukwandu als Ausbilder am Priesterseminar arbeiten, vielleicht als Professor an der Uni, vielleicht auch als Seelsorger.

Jetzt freut sich der 45-Jährige freilich erst mal auf seine weitere Zeit als Pfarrer im Remstal, wo es ihm gut gefällt. „Ich bin sehr zufrieden.“

Philosophische Bücher und Spaziergänge

  • „Kritik am afrikanischen Kommunitarismus im Licht des kantischen Reiches des Zwecks“: So lautet der Titel der Dissertation, die Modestus Ukwandu mittlerweile abgeschlossen hat. Nun muss er sich allerdings noch auf die mündliche Prüfung, das sogenannte Rigorosum, vorbereiten. Darum liest er derzeit fast nur philosophische Bücher, die sich vor allem um Immanuel Kant drehen. Und übers Internet tauscht er sich mit Akademikern über das Thema aus, schreibt Essays und lässt diese von anderen rezensieren.
  • Einen Ausgleich findet der 45-Jährige bei Spaziergängen in den Weinstädter Weinbergen. Nicht mehr so viel Zeit findet Modestus Ukwandu im Moment fürs Tennisspielen, eine weitere Leidenschaft. Als er während seines Studiums an der Eberhard-Karls-Universität noch in Ludwigsburg wohnte, war er noch Teil eines Tennisteams.