Weinstadt

Prozess um Unfallflucht: 82-Jährige aus Weinstadt rammt Auto und fährt weiter

Bagatellunfall
Die Angeklagte hat am anderen Auto einen Schaden in Höhe von rund 1500 Euro verursacht (Symbolfoto). © Gabriel Habermann

Zwei Monate lang darf eine 82-jährige Weinstädterin kein Fahrzeug im Straßenverkehr führen. Dazu muss sie eine Geldstrafe von insgesamt 875 Euro bezahlen, die Kosten des Verfahrens und ihre eigenen Auslagen.

So lautete die Strafe, die wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort, sprich Fahrerflucht, im Waiblinger Amtsgericht gegen sie verhängt wurde. Und damit sei sie mehr als gut bedient, waren sich die Richterin, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger einig. Es hätte weitaus schlimmer kommen können, bis zu der Aberkennung der Fähigkeit, überhaupt weiter ein Kraftfahrzeug zu führen.

Mehrere Augenzeugen haben Zusammenstoß gesehen

Die Dame war im vergangenen November in Waiblingen unterwegs zu ihrem Arzt. Beim Versuch, einzuparken, kam ihr ein bereits abgestellter Pkw in die Quere, der durch die Kollision einen Schaden in Höhe von rund 1500 Euro davontrug. Sie habe den Zusammenstoß überhaupt nicht bemerkt und sich deshalb vom Unfallort entfernt, rechtfertigte die Angeklagte ihr Verhalten zunächst bei der Polizei.

Die hatte keine Probleme gehabt, sie ausfindig zu machen, da der Zusammenstoß nicht unbemerkt geblieben, sondern von Augenzeugen beobachtet worden war. Im Gerichtssaal räumte sie nun ein, dass es einen ordentlichen Ruckler gegeben habe. Sie sei ausgestiegen und habe sich beide Autos genau angeschaut und keine Schäden entdecken können. Sie sei ein gewissenhafter Mensch und habe sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen.

Sie will den Schaden nicht gesehen haben 

Seit 50 Jahren habe sie ihren Führerschein, und es habe niemals Probleme gegeben. Zudem könne sie sich überhaupt nicht erklären, wie es geschehen konnte, dass sie die Beschädigungen nicht bemerkt habe. Aber es sei Spätnachmittag gewesen und schon dunkel geworden. Niemals, versicherte sie der Richterin aufgelöst, hätte sie wegen eines derartigen Unfalls riskiert, ihren Führerschein zu verlieren. Sie könne sich ihr Verhalten von damals selbst nicht verzeihen.

Schließlich sei sie auf das Auto angewiesen, um überhaupt am Leben teilnehmen zu können, führte die Rentnerin aus. Und das habe es nicht immer gut mit ihr gemeint. Sie sei seit mehreren Jahrzehnten geschieden und lebe allein in ihrem Haushalt in Schnait. Zu ihrem erwachsenen Kind, das auch im Rems-Murr-Kreis lebt, habe sie nur sehr sporadisch Kontakt. Nach der Scheidung habe sie sich bemühen müssen, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Aus diesem Grund sei es ihr auch nie richtig gelungen, als Zugezogene zu den Schnaitern enge soziale Kontakte aufzubauen.

Angeklagte gibt an, aufs Auto angewiesen zu sein 

Daher stehe sie nun im Alter allein da und könne niemanden um Hilfe bitten. Da es im Ort selbst kaum Läden gebe, müsse sie das Auto benutzen, denn von ihrer Wohnung sei es zu weit bis zur nächsten Bushaltestelle. Mit gepackten Einkaufstaschen sei es überhaupt unmöglich, die Strecke zu Fuß zurückzulegen. Für die regelmäßigen Arztbesuche sei sie ebenfalls auf ihren fahrbaren Untersatz angewiesen.

Es gebe in Schnait ja auch keine S-Bahn-Haltestelle. Sie würde aus dem Ort gern wegziehen, aber das sei unmöglich angesichts der augenblicklichen Mietpreise. Jetzt bezahle sie von ihren 900 Euro Rente fünfhundert für Miete und Nebenkosten - und das sei schon überaus günstig.

Ursprünglich wäre es ein fünfmonatiges Fahrverbot gewesen

Auf ihren Hinweis, dass der Schaden, den sie an dem abgestellten Fahrzeug verursacht habe, doch mittlerweile von der Versicherung vollständig beglichen worden sei, antwortete die Richterin, aber nur, weil Zeugen vorhanden gewesen seien und sie als Unfallverursacherin ausfindig gemacht werden konnte. Andernfalls wäre die Fahrzeughalterin auf den doch recht beachtlichen Kosten sitzengeblieben.

Die Angeklagte hatte ursprünglich einen Strafbefehl über 875 Euro und ein fünfmonatiges Fahrverbot erhalten. Dagegen hatte sie über ihren Rechtsanwalt form- und fristgerecht Widerspruch eingelegt, so dass es Mitte April zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Waiblingen kam.

Richterin hat kein Verständnis für die Unfallflucht

Sie sehe wohl, dass die Angeklagte ihr Verhalten bereue und wie sehr sie das Verfahren psychisch belastete, begründete Richterin Figen Basoglu-Waselzada ihre Entscheidung, aber der Schaden sei nun einmal entstanden. Die Angeklagte habe den Zusammenstoß bemerkt und sei einfach weggegangen, und dies sei unverständlich.

Auch wenn man die besondere Härte berücksichtige, die ein zweimonatiges Fahrverbot für die Rentnerin darstelle, sei diese Strafe durchaus tat- und schuldangemessen, so die Richterin abschließend.

Zwei Monate lang darf eine 82-jährige Weinstädterin kein Fahrzeug im Straßenverkehr führen. Dazu muss sie eine Geldstrafe von insgesamt 875 Euro bezahlen, die Kosten des Verfahrens und ihre eigenen Auslagen.

So lautete die Strafe, die wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort, sprich Fahrerflucht, im Waiblinger Amtsgericht gegen sie verhängt wurde. Und damit sei sie mehr als gut bedient, waren sich die Richterin, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger einig. Es

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper