Weinstadt

Prozess am Landgericht Stuttgart: Asylbewerber aus Weinstadt drohen Psychiatrie und Abschiebung

Kaputte scheibe
Das Auto eines Security-Mannes im Heuweg war Schrott nach dem Ausraster eines Betrunkenen (Symbolfoto). © Adobestock/Animaflora PicsStock

Vor dem Stuttgarter Landgericht ist der Prozess gegen den Asylbewerber angelaufen, der vor der Unterkunft im Großheppacher Heuweg das Auto eines Security-Mitarbeiters mit Stühlen demoliert hat und mit einem Stuhl auf diesen einschlagen wollte. Der zur Tatzeit am Abend des 30. September vergangenen Jahres betrunkene, 46 Jahre alte Pakistani zeigte sich vor Gericht geständig. Im Oktober soll er eigentlich aus Deutschland ausreisen.

Sachbeschädigung, versuchte gefährliche Körperverletzung und Beleidigung lautet die Anklage gegen den verheirateten Vater dreier Töchter, dessen Familie in Pakistan lebt. Vor dem Landgericht steht er nun, weil eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht kommt und das Amtsgericht Waiblingen den Fall Ende Mai deshalb an die große Strafkammer verwiesen hat.

1,8 Promille Alkohol im Blut – er will sich an nichts mehr erinnern

Der Angeklagte, ein 2015 nach Deutschland geflüchteter ehemaliger Goldschmied und Islamlehrer, hatte der Religion längst abgeschworen und eigenen Angaben nach viel Wodka getrunken, als es zur Auseinandersetzung mit dem arabischstämmigen Security-Mann aus Schorndorf kam. Er habe sich darüber aufgeregt, erzählte der Angeschuldigte, dass die Security nichts gegen den Drogenhandel in der Asylbewerber- und Obdachlosenunterkunft unternommen hat, in der rund 70 Männer leben. Was dann passiert ist, hätten ihm hinterher andere erzählt, sagte der Angeklagte, denn er habe sich aufgrund seines Rausches (etwa 1,8 Promille) an nichts mehr erinnern können.

Der 30-jährige Security-Mann hatte als Zeuge vor Gericht noch besser im Gedächtnis, dass der Angeklagte abends gegen 20.30 Uhr „Scheiß Security“ schreiend gegen seine Bürotüre geschlagen hat. "Ich habe die Tür geöffnet, aber der wollte mich schlagen“, schilderte der Zeuge, wie er die Tür wieder zumachte und die Polizei anrief. Die Polizei sei aber nicht gekommen, und auf einmal hätten Leute gerufen: „Dein Auto, dein Auto!“

Mit Stühlen das Auto des Security-Mannes demoliert

Als der Sicherheitsmitarbeiter zu seinem demolierten Wagen lief, versuchte der Angeklagte, mit einem der Stühle mit Metallrahmen auch auf ihn einzuschlagen. Doch er konnte zurückweichen und blieb unverletzt. „Als die Polizei kam, hat er sich einfach umfallen lassen“, beschrieb der Geschädigte den Weg des zerstörungswütigen Krawallmachers zu einer Nacht in der Gewahrsamszelle.

Allein 2018 war der Angeklagte siebenmal in der Psychiatrie

„Er war wirklich wild wie ein Verrückter und bereit, jeden zu schlagen, der ihm in die Quere kommt“, schilderte der Security-Mann dem Vorsitzenden Richter der neunten großen Kammer, Rainer Gless, seinen Eindruck. „Der hat geschimpft und auf den Islam geflucht, dabei ist er selber Moslem.“ 750 Euro vom mit 3500 Euro angegebenen Gesamtschaden hat der Security-Mitarbeiter mittlerweile für sein demoliertes Auto vom Angeklagten überwiesen bekommen. Für die Zahlung hat Verteidigerin Saskia Hölscher gesorgt. Ihr Mandant wurde als Asylbewerber abgelehnt und soll im Oktober aus Deutschland ausreisen. Bis dahin ist die Abschiebung ausgesetzt.

Da der Pakistani schon öfter in der Psychiatrie war – alleine im Jahr 2018 siebenmal – und nach Meinung des in den Prozess einbezogenen Gutachters vom Zentrum für Psychiatrie Winnenden, Dr. Ulrich Lutz, an Wahnvorstellungen leidet, steht bei dem Prozess eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum.

Vor der Abschiebung sicher ist der Mann auch in der Psychiatrie nicht

Damit würde die Abschiebung nach Pakistan schwieriger, aber gefeit vor ihr ist der Krawallmacher auch dort nicht. Er sagt, in Pakistan sei sein Leben in Gefahr. Er sei 2014 von der Muttahida-Qaumi-Bewegung (MQM) entführt und verletzt worden. Er habe viel Geld bezahlen müssen, um wieder freizukommen.

Wahnvorstellungen? Angeklagter argumentiert mit Angst vor Rückkehr

Seine Wahnvorstellungen – in der Verhandlung am Amtsgericht war der Gutachter zum Schluss gelangt, der Mann leide an einer „schizoaffektiven Störung, am besten als manisch zu bezeichnen“ – erklärt der 46-Jährige damit, dass er Angst vor der Rückkehr nach Pakistan hat, weil er nicht mehr zum Islam gehört. Dass er krank ist, sieht er bislang nicht ein. Die Verhandlung wird in den kommenden Tagen fortgesetzt, ein Urteil wird am Freitag erwartet.

Vor dem Stuttgarter Landgericht ist der Prozess gegen den Asylbewerber angelaufen, der vor der Unterkunft im Großheppacher Heuweg das Auto eines Security-Mitarbeiters mit Stühlen demoliert hat und mit einem Stuhl auf diesen einschlagen wollte. Der zur Tatzeit am Abend des 30. September vergangenen Jahres betrunkene, 46 Jahre alte Pakistani zeigte sich vor Gericht geständig. Im Oktober soll er eigentlich aus Deutschland ausreisen.

Sachbeschädigung, versuchte gefährliche

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