Weinstadt

Rätsel um Drohne über Weinstadt: Polizei bittet Sichtungen zu melden

Drohne
Drohnenflüge über Wohngebieten sind nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erlaubt. © Benjamin Büttner

Von einigen Häusern im Wohngebiet Halde I in Endersbach hat man einen wirklich schönen Panoramablick über die Endersbacher Ortsmitte. Diese Aussicht von seinem Balkon hat auch ein Endersbacher bei der Arbeit im Home-Office gerade genossen, als ihm das Flugobjekt vor rund zwei Monaten zum ersten Mal aufgefallen ist: Plötzlich surrte eine Drohne in großer Höhe direkt über ihn hinweg. Seitdem hat er die Drohne immer wieder beobachtet. Woher sie kommt oder wer sie fliegt, scheint aber niemand zu wissen.

Sie tauche immer in der Nähe des Kirchturms auf, fliege dann mehrere Kilometer über den Ort hinweg und verschwinde irgendwo in Richtung Hochhaus „Schwarzer Peter“ und S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein. Und komme dann irgendwann wieder zurück. „Es sind immer so 15 Sekunden, die man die Drohne auch sirren hört“, berichtet der Weinstädter. Er habe schon mehrfach versucht, der Drohne mit dem Fahrrad zu folgen und herauszufinden, wo sie landet. Bisher allerdings ohne Erfolg. „Die ist viel zu schnell“, sagt der Mann, der gerne anonym bleiben möchte.

Drohne hat typische Flugzeiten

Auch könne er nicht sehen, wo die Drohne aufsteige. „Die ist dann immer schon in der Luft, so in etwa 80 Metern Höhe.“ Seit etwa acht Wochen beobachtet er das Flugobjekt fast täglich, manchmal fliege es dreimal am Tag über seinen Garten. Auch die Nachbarn zwei Häuser weiter haben die Flugzeiten genau im Blick: Typische Uhrzeiten seien vormittags zwischen 10 und 11 Uhr und dann wieder nachmittags ab 14 Uhr. Aber auch abends in der Dämmerung sei die Drohne schon vorbeigekommen, bunt beleuchtet.

Das unbekannte Flugobjekt verunsichert den Endersbacher. Nicht nur, weil man nicht sehen kann, ob vielleicht eine Kamera an der Drohne befestigt ist. Er mache sich auch Sorgen, was passiere, wenn das Ding einmal über dem Wohngebiet abstürze. Beim Fall aus so einer großen Höhe würde das Objekt unter Umständen einen großen Schaden anrichten können, wenn es auf ein Haus, ein Auto oder gar eine Person fällt.

Seine Beobachtung hat der Mann bereits der Polizei und auch der Stadtverwaltung gemeldet. Doch niemand scheint zu wissen, wem diese Drohne gehört oder wieso sie ständig zwischen der Endersbacher Ortsmitte und dem „Schwarzen Peter“ hin und her pendelt.

Was Drohnenpiloten alles beachten müssen

Auch eine Anfrage beim Referat für Luftverkehr und Luftsicherheit, das beim Regierungspräsidium in Stuttgart angesiedelt ist, bringt keine neuen Erkenntnisse. Hier müsste der Drohnenpilot seine Flüge eigentlich anmelden – sofern die Flüge in eine betriebsgenehmigungspflichtige Kategorie fallen. Was für Drohnenpiloten wo erlaubt oder verboten ist, lässt sich laut Regierungspräsidium nämlich gar nicht so leicht sagen: Flüge in der sogenannten „offenen“ Kategorie müssen Piloten gar nicht anmelden. Das gilt aber laut der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 über die Vorschriften und Verfahren für den Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge nur, wenn die Drohne leichter als 250 Gramm ist, als Spielzeug eingestuft wird, nicht höher als 120 Meter fliegt, kein Gefahrgut transportiert und nicht über Menschenmengen fliegt.

„Erfolgt der Betrieb allerdings außerhalb direkter Sicht, liegt die ,spezielle‘ Kategorie vor und es ist eine Betriebsgenehmigung erforderlich“, so das Regierungspräsidium Stuttgart. Beim Drohnenflug über Wohngebieten gelten allerdings noch einmal härtere Regeln. Diese sind laut Paragraf 21h Absatz 3 Nummer 7 der Luftverkehrsordnung (LuftVO) als sogenannte „geografische Gebiete“ eingestuft (wie zum Beispiel auch Flugplätze, Bahnanlagen oder Industrieanlagen).

Auch mit Sondererlaubnis: Flüge über Wohngebieten nicht uneingeschränkt erlaubt

Hier muss ein Drohnenpilot eigentlich die Erlaubnis der Grundstücksbesitzer einholen oder sie zumindest – wenn ein „berechtigter Betriebszweck“ vorliegt, sich die Überfliegung der Häuser nicht umgehen lässt und die Flughöhe mehr als 100 Meter beträgt – generell über die Flüge informieren. Hier besteht zwar ebenfalls laut LuftVO eine Ausnahme für Drohnen, die leichter sind als 250 Gramm: Die dürfen dann aber keinerlei „Ausrüstung zu optischen und akustischen Aufzeichnungen und Übertragungen sowie zur Aufzeichnung und zur Übertragung von Funksignalen Dritter“ mit sich führen - also auch keine Kameras oder Mikrofone.

Es sei allerdings auch möglich, dass der Fernpilot über eine Allgemeinerlaubnis für geografische Gebiete verfüge und mit dieser auch über Weinstadt fliegen dürfe, merkt das Regierungspräsidium an. Doch selbst dann wäre der Einsatz der Drohne über dem Wohngebiet laut des Antragsformulars für diese Sondererlaubnis, das von den Luftfahrtbehörden der Länder verfasst wurde, nur an „maximal vier Tagen im Kalenderjahr für jeweils 30 Minuten“ und unter Berücksichtigung „weiterer Nebenbestimmungen“ zulässig.

Polizei bittet, Drohnenflüge auch zu melden

Was es nun wirklich mit der Drohne über Endersbach auf sich hat, bleibt wohl vorerst ein Rätsel. Just an dem Tag, als sich auch unsere Redaktion auf die Lauer gelegt hat, um das Flugobjekt zu sichten, fliegt die Drohne nicht.

Der Endersbacher hofft, dass sich das Mysterium um das unbemannte Flugobjekt noch klärt. Damit das passieren kann, müssten Weinstädter die Drohnenflüge aber auch unmittelbar melden, bittet die Pressestelle des Polizeipräsidiums Aalen. Nur dann habe die Polizei unter Umständen die Möglichkeit, entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten. Das gilt übrigens nicht nur für diese spezielle Drohne: „Insbesondere, wenn ein Bürger den Verdacht hat, dass es sich um einen rechtswidrigen Betrieb handeln könnte, bietet es sich an, mit dem Ordnungsamt oder der Polizei Kontakt aufzunehmen“, so das Regierungspräsidium Stuttgart. „Oftmals melden Fernpiloten ihre Flüge dort vorher an.“

Von einigen Häusern im Wohngebiet Halde I in Endersbach hat man einen wirklich schönen Panoramablick über die Endersbacher Ortsmitte. Diese Aussicht von seinem Balkon hat auch ein Endersbacher bei der Arbeit im Home-Office gerade genossen, als ihm das Flugobjekt vor rund zwei Monaten zum ersten Mal aufgefallen ist: Plötzlich surrte eine Drohne in großer Höhe direkt über ihn hinweg. Seitdem hat er die Drohne immer wieder beobachtet. Woher sie kommt oder wer sie fliegt, scheint aber niemand zu

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper