Weinstadt

Rätseln bei den Stadtwerken in Weinstadt: Wie konnte sich ein Drittel der Belegschaft mit Corona infizieren?

Energiezentrale III
Stadtwerke-Chef Thomas Meier (Archivfoto) begibt sich auf Ursachenforschung. © Gabriel Habermann

Die Zahl der positiv auf das neuartige Coronavirus getesteten Stadtwerke-Mitarbeiter in Weinstadt ist auf elf gestiegen. Damit sind rund ein Drittel der 32-köpfigen Belegschaft infiziert. Weitere sechs Personen befinden sich als Kontaktpersonen in Quarantäne. Darunter ist auch Betriebsleiter Thomas Meier, den der Ausbruch vor ein großes Rätsel stellt. Ein Erklärungsversuch: Aerosole. Oberbürgermeister Michael Scharmann kündigt derweil aus dem Home-Office strengere Regeln an.

Viel habe sich für ihn nicht geändert, seit er von zuhause aus arbeiten muss, sagt Oberbürgermeister Michael Scharmann am Telefon: „Es folgt Videokonferenz nach Videokonferenz. Heute Morgen hatten wir schon eine Zweckverbandssitzung und eine Krisenstabsitzung, das hätte so oder so digital stattgefunden. Persönliche Termine habe ich eh so gut wie keine mehr. Und meine Post bekomme ich jetzt eben hierher geliefert.“

Sowohl ein erster Schnelltest als auch ein Labortest des Oberbürgermeisters auf das Coronavirus waren negativ. In Quarantäne ist Scharmann noch eine Woche lang. Er gilt als Kontaktperson ersten Grades, weil er in der Gemeinderatssitzung vergangenen Donnerstag rund zehn Minuten lang neben dem Amtsleiter aus dem Bauamt gesessen hat, der später Symptome zeigte und positiv auf Corona getestet wurde. „Es war mir wichtig, gleich einen Test zu machen, um weitere Infektionen zu verhindern“, sagt Scharmann, der natürlich erleichtert ist, sich nicht angesteckt zu haben. Näher als eineinhalb Meter sei er dem Infizierten nicht gekommen – Stichwort: Mindestabstand. Scharmann schließt daraus, dass die Regeln zum Infektionsschutz greifen.

Ein Drittel der Belegschaft ist infiziert

Denselben Schluss zu ziehen, das lässt die Situation für Stadtwerke-Chef Thomas Meier leider nicht zu. Nach Stand vom Donnerstagmittag sind bei dem städtischen Eigenbetrieb elf der 32 Angestellten mit dem Coronavirus infiziert. Sechs weitere haben sich als Kontaktpersonen ersten Grades in häusliche Quarantäne begeben. Die Vermutung liegt nahe, dass sich auch der Amtsleiter aus dem Baudezernat bei einer Besprechung mit den Stadtwerken angesteckt hat. Betriebsleiter Thomas Meier selbst arbeitet als Kontaktperson seit Montag im Home-Office, sein Coronatest ist allerdings negativ ausgefallen.

„Uns allen geht’s so, dass wir total erschrocken und betroffen sind“, sagt Thomas Meier im Telefongespräch mit unserer Zeitung. Den Ausbruch kann er sich nicht erklären. Denn in seinem Betrieb hätten schon seit dem Frühjahr „weitreichende Maßnahmen“ zum Infektionsschutz gegolten, beteuert Meier. „Seit Oktober war bei uns im Gebäude Maskenpflicht. Überall, außer am eigenen Arbeitsplatz: im Lager, in der Werkstatt, auf der Toilette. Wir haben unsere Leute regelmäßig in Sachen Hygiene unterwiesen, das Ganze mehrfach aufgefrischt und verschärft.“

Ursachenforschung bei den Stadtwerken – eine Detektivarbeit

Bereits im März seien bauliche Maßnahmen getroffen, Trennwände eingesetzt, morgens und abends alle Türklinken und die Toiletten desinfiziert worden. Die Monteure hätten zeitversetzt in zwei Gruppen gearbeitet, auch die Pausen seien entzerrt worden, „damit ja keine Begegnungen im Gebäude stattfinden“. Auch die Verwaltungsangestellten hätten „so wenig wie möglich Kontakt untereinander gehabt“. Und doch hätten sich am Montag neun Personen mit Covid-19-Symptomen krankgemeldet. Immerhin: Schwere Verläufe gebe es bislang glücklicherweise nicht.

Jetzt läuft die Ursachenforschung gemeinsam mit dem Gesundheitsamt – eine echte Detektivarbeit. „Wir sind gerade dabei, ein Kontaktprofil zu erstellen mit allen Mitarbeitern, die betroffen oder vorsorglich in Quarantäne sind: Wie viel Schnittmenge gab’s? Wo hat das stattgefunden?“

Private Treffen? Ausgeschlossen

Mutmaßlich sei die Infektion am Mittwoch, 25. November passiert, sagt Thomas Meier. Am Donnerstag und Freitag seien die infizierten Kollegen nämlich überwiegend gar nicht im Haus gewesen. Außerdem habe am Mittwoch die Besprechung mit den beiden Kollegen aus dem Baudezernat stattgefunden, von denen einer später positiv getestet worden sei. An dieser Besprechung hätten insgesamt aber nur vier Kollegen teilgenommen, berichtet Thomas Meier, darunter er selbst, „mit Maske und Abstand“. „Und vor dem Termin hatte ich diesen Raum noch mal komplett durchgelüftet.“

Wie sich trotzdem mehr als ein Drittel der gesamten Belegschaft mit dem Virus infizieren konnte, ist dem Betriebsleiter ein Rätsel. Private Treffen untereinander? Ausgeschlossen, meint Meier. Derzeit gebe es nur eine realistische Vermutung: Aerosole, kleinste Schwebeteilchen in der Luft, könnten eine Rolle gespielt haben. Und zwar in einem Raum, in dem sich die Betroffenen nicht gleichzeitig, sondern jeweils kurz nacheinander aufgehalten haben könnten.

Unterstützung durch die Stadtwerke Waiblingen

Handlungsfähig seien die Stadtwerke trotz allem, auch dank der Unterstützung aus der Region, sagt Thomas Meier: Sollte es zum Beispiel zu einem großen Wasserrohrbruch kommen, würden Monteure der Landeswasserversorgung und der Stadtwerke Waiblingen aushelfen.

Oberbürgermeister Michael Scharmann ist an der Aufklärung des Corona-Krisenfalls in Weinstadt sehr gelegen. Schließlich ist mit ihm und seinem Stellvertreter Thomas Deißler die ganze Verwaltungsspitze in Quarantäne. Hinzu kommen insgesamt fünf Amtsleiter und noch weitere Mitarbeiter. „Das A und O ist, zu sehen: Wo kam's her?“, sagt Scharmann. Für die Zukunft hat er schon erste Schlüsse gezogen: Um ein solches Debakel zu vermeiden, soll es in der Verwaltung keine Besprechungen ohne Masken mehr geben. Und auch im Gemeinderat, dessen Sitzung am 10. Dezember abgesagt wurde, die aber am 17. Dezember mit einer verschlankten Tagesordnung nachgeholt werden soll, wird die Maske am Sitzplatz wieder Pflicht sein.

Unter anderem soll dann in der Jahnhalle der Haushalt der Stadt Weinstadt eingebracht werden. Michael Scharmann feilt jetzt in den eigenen vier Wänden an seiner Rede. Er trägt's mit Fassung: „Meine Tochter ist im Kindergarten, mein Sohn in der Schule, meine Frau ist Lehrerin, ich bin OB – die Wahrscheinlichkeit, dass das mal zuschlägt, war hoch.“

Die Zahl der positiv auf das neuartige Coronavirus getesteten Stadtwerke-Mitarbeiter in Weinstadt ist auf elf gestiegen. Damit sind rund ein Drittel der 32-köpfigen Belegschaft infiziert. Weitere sechs Personen befinden sich als Kontaktpersonen in Quarantäne. Darunter ist auch Betriebsleiter Thomas Meier, den der Ausbruch vor ein großes Rätsel stellt. Ein Erklärungsversuch: Aerosole. Oberbürgermeister Michael Scharmann kündigt derweil aus dem Home-Office strengere Regeln an.

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