Weinstadt

Rebsorte „Sankt Laurent“ : Darum baut die Wengerter-Familie Kuhnle aus Strümpfelbach diesen Wein noch immer aus

St. Laurent Wein
Die Württembergische Weinkönigin Tamara Elbl lässt sich mit Werner Kuhnle und Daniel Kuhnle in den Weinstädter Weinbergen einen „St. Laurent“ schmecken. © Gabriel Habermann

Weinkenner wissen, wovon bei einem „St. Laurent“ die Rede ist, sonderlich populär ist er im Remstal aber nicht (mehr). Ein Text des Weinstädter Stadtarchivars über die Rebsorte, der auch im Zeitungsverlag Waiblingen erschienen ist, hat jetzt die Wengerter-Familie Kuhnle auf den Plan gerufen, die den Rotwein noch ausbaut. Sie und die Württembergische Weinkönigin klären auf über einen Wein, der andernorts noch in aller Munde ist.

Den Ausschlag gegeben hat ein Beitrag des Stadtarchivars

Der Weinstädter Museumsleiter und Archivar Dr. Bernd Breyvogel hatte in seinem „Kulturtipp“ jüngst eine Weinflasche mit einem „Sankt Laurent“, Jahrgang 1961, vorgestellt. Bei dieser Flasche aus der „Schatzkammer der Remstalkellerei“ handle es sich um ein Unikat, da die einst auch in Württemberg weitverbreitete Traube der Burgunderfamilie im Remstal längst Geschichte sei.

In Deutschland werde sie nur noch in der Pfalz und in Rheinhessen in nennenswertem Umfang angebaut. Dem widersprechen die Kuhnles aus Strümpfelbach insoweit, als sie selbst, wie auch das „Collegium Wirtemberg“, den Sankt Laurent nach wie vor in ihrem Sortiment führen.

Beim Sankt Laurent handelt es sich um eine blauschwarze Rotweintraube

Werner, Margret und Daniel Kuhnle (der neben seinen Weinperleren sogar ein eigenes Bier mit dem Schwabenrapper MC Bruddaal auf den Markt gebracht hat) haben nach Lektüre des Zeitungsartikels sogar extra zu einem Pressegespräch in ihr Weingut eingeladen. Zur „Verstärkung“ ist auch Tamara Elbl, die amtierende Württembergische Weinkönigin aus dem hohenlohischen Untersteinbach, dabei, für die Rebsorte eine Lanze zu brechen.

Beim Sankt Laurent, auch Saint Laurent oder Laurenzitraube, referierte Tamara Elbl, die gerade ein duales Studium in Weinsberg absolviert, handle es sich um eine blauschwarze Rotweintraube. Die Rebe gehöre zur Burgunderfamilie, genauer gesagt, es handle sich bei ihr um eine natürliche Kreuzung zwischen Burgunder und einer unbekannten Rebsorte. Die Rebe wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Weinbaupionier Johann Philipp Bronner nach Deutschland eingeführt. Von dort aus verbreitete sie sich nach Österreich, Ungarn, Böhmen und Mähren.

Die Rebe verlange nach tiefgründigen, kalkhaltigen, mittelschweren und nicht zu nährstoffreichen Böden. Einst auch in Deutschland weit verbreitet, sei sie in den fünfziger Jahren fast vollständig verschwunden. Ihren Namen verdanke die Traube vermutlich dem heiligen Laurent, einem Märtyrer, dem der 10. August gewidmet sei. Um diesen Tag herum liege die Essreife der ersten Beeren dieses frühen Weins. Die frühreife Traube sei mittelgroß, länglich und dichtbeerig, mit kleinen, hartschaligen, schwarzblau gefärbten, mittelgroßen ovalen Beeren.

Plötzlich war die Rebe nicht mehr gefragt

„Damals, in der Zeit des Wirtschaftswunders“, ergänzt Werner Kuhnle, „wurden die Wiener Schnitzel riesig, und der Durst vor allem nach Weißwein konnte kaum gestillt werden.“ Mit ihren eher kleinen Beeren, dem mittelmäßigen Ertrag und ihrer Anfälligkeit für Maifröste und in deren Gefolge fürs „Verrieseln“ – die unbefruchteten Beeren fallen ab oder sie bleiben winzig – sei die Sankt-Laurent-Rebe nicht mehr gefragt gewesen und aus den Weingärten nach und nach verschwunden.

Mit der Renaissance des Rotweins in den achtziger Jahren, als die Nachfrage nach Rotweinsorten auf bis zu achtzig Prozent anstieg, sei sie zu neuen Ehren gekommen. Allein mit den Württemberger Klassikern Portugieser und Trollinger habe man die weltweite Nachfrage nach roten „Edelweinsorten“ nicht befriedigen können. Also habe man sich auf die Suche nach Alternativen gemacht, in Frankreich, Italien, in der Schweiz und in Österreich. Damals habe die große Stunde der Burgunderweine geschlagen.

Aus Sankt Laurent und Lemberger ist der Zweigelt entstanden

Im niederösterreichischen Stift Klosterneuburg wurde der Sankt Laurent erstmals 1860 dokumentiert, berichtet die Weinkönigin. Dort züchtete 1922 der spätere Direktor der Bundesversuchsanstalt für Wein- und Obstbau, Friedrich Zweigelt, aus Sankt Laurent und Lemberger die rote Rebsorte Zweigelt, die in Österreich am häufigsten angebaute Rotweinrebe. Als diese ihren Siegeszug antrat, habe man auch den Sankt Laurent wieder entdeckt. Weltweit würden ungefähr 3500 Hektar mit dieser Rebsorte angebaut, in Deutschland circa 650 Hektar, davon jeweils circa 300 Hektar in der Pfalz und in Rheinhessen - im Vergleich dazu 1300 Hektar in der Tschechischen Republik, 1000 in der Slowakei und knapp 800 in Österreich, vor allem im Weinbaugebiet Neusiedlersee.

Vier Parzellen Sankt Laurent in der Schnaiter Burghalde

Die vier Parzellen in der Schnaiter Burghalde, also in der Lage Sonnenberg, würden ungefähr 1600 Liter Sankt Laurent bringen, so Daniel Kuhnle. Er werde als Maischegärung ausgebaut, was bedeute, dass der Traubenmost nicht erhitzt werde, sondern circa zehn Tage in der Maische gäre, um den Häuten den roten Farbstoff zu entziehen. Dies trage auch zu dem charakteristischen Geschmack, dem rustikal-gerbigen Wesen, des Sankt Laurents bei. Es handle sich um einen Wein für Kenner und Liebhaber, einen idealen Begleiter zu Wild, deftigen Braten oder herzhaftem Vesper.

Der Ausbau des Weins ist eine Liebhaberei von Werner Kuhnle

Der Ausbau dieses Weins müsse fast schon als Hobby verstanden werden und stelle eine Liebhaberei seines Vaters dar. Der mit seinem Bouquet begeisternde 2018er bringe es auf 12 Volumenprozent Alkohol, 5,2 Gramm Säure und 6,2 Gramm Restzucker, der 2019er, bei ebenfalls 12 Volumenprozent Alkohol, auf 5,0 Gramm Säure und 7,3 Gramm Restzucker. Es handle sich demnach um trockene Qualitätsweine, die nicht zu sehr beschwerten.

Dank dieser Vorzüge, schließt Werner Kuhnle das Gespräch, sei der Sankt Laurent in Österreich und in der Tschechischen Republik zu Recht in aller Munde. Und auch im Remstal ist er noch nicht ganz vergessen.

Weinkenner wissen, wovon bei einem „St. Laurent“ die Rede ist, sonderlich populär ist er im Remstal aber nicht (mehr). Ein Text des Weinstädter Stadtarchivars über die Rebsorte, der auch im Zeitungsverlag Waiblingen erschienen ist, hat jetzt die Wengerter-Familie Kuhnle auf den Plan gerufen, die den Rotwein noch ausbaut. Sie und die Württembergische Weinkönigin klären auf über einen Wein, der andernorts noch in aller Munde ist.

Den Ausschlag gegeben hat ein Beitrag des

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