Weinstadt

Rems-Murr-Löwen: 1860-Fanclub aus Großheppach

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Fußballfans
Die Rems-Murr-Löwen um Charly Schmidinger (Mitte) und Andreas Winter (Zweiter von links) treffen sich in einer privaten Kellerbar. © Benjamin Büttner
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Über die Suche nach einem Fan-Artikel haben sich der Erste und Zweite Vorsitzende kennengelernt. © Benjamin Büttner

Weinstadt-Großheppach. Löwen-Fans, aufgepasst: Seit wenigen Wochen gibt es in Großheppach einen neuen Fanclub für Anhänger des TSV 1860 München. 17 Vereinstreue haben sich bereits zusammengefunden, um ein Zeichen zu setzen: Sie stehen selbst in schwärzesten Zeiten – dem Jahr 2017 mit dem Abstieg von der zweiten Bundes- in die Regionalliga, Ausschreitungen, Rücktritten und einer knapp abgewandten Insolvenz – hinter ihrem Team.

Video: Karl „Charly“ Schmidingers Herz schlägt für Weiß-Blau.

„Löwentreue, Leidensfähigkeit, Emotionen“: Diese drei Attribute haben sich die Rems-Murr-Löwen auf die Fahne geschrieben. Denn bei dem neu gegründeten Fanclub geht’s ums Gefühl. Ums „blaue-weiße Herz“, wie es der Erste Vorsitzende Karl „Charly“ Schmidinger ausdrücken würde.

Dem 47-jährigen Bayern geht es darum, ein Zeichen zu setzen: Rückhalt für den TSV 1860 München und Zusammenhalt unter den Vereinsanhängern auch in schwärzesten Zeiten. Gegenwind für Frust, Resignation und Ausschreitungen, wie sie im Mai beim Abstiegsspiel in München zu sehen waren. Sie wollten „den verlorenen guten Ruf“ wiederherstellen und zeigen: TSV-Fans sind weder Hooligans noch Rassisten, sagt Schmidinger. „Wir sind ein Arbeiterverein und keine Rabauken.“

Für Zusammenhalt, gegen Rowdytum

„Der Mythos Sechzig lebt in seinen Fans“, heißt es deshalb nicht ohne Pathos auf der Homepage. Der Club soll Vereinstreue zusammenbringen, um gemeinsam über Entwicklungen und Spiele zu diskutieren, in Erinnerungen zu schwelgen, Stadionbesuche zu unternehmen und in Kleinfeldturnieren auch mal selbst gegen das Leder zu treten. 17 Mitglieder sind bereits in der Gruppe, vier weitere Löwenherzen spielen schon mit dem Gedanken, beizutreten. Eine stattliche Zahl für die kurze Zeit: Gegründet wurde die Gruppe schließlich erst am 24. Juni von sechs TSV-Fans.

Privatbar in einem Großheppacher Wohnhaus

Sogar einen Stammtreff hat die Gruppe bereits gefunden: eine gemütliche Privatbar in einem Großheppacher Wohnhaus. Dabei kennen sich die Gründer selbst gerade mal seit ein paar Monaten. Kennengelernt haben sie sich passenderweise über einen Fan-Artikel: Schmidinger schrieb in einer Online-Verkaufsgruppe auf Facebook, er suche ein TSV-Bierglas vom UEFA-Cup. Sein altes war kurz zuvor zu Bruch gegangen. Andreas Winter, der inzwischen zum Zweiten Vorsitzenden des Clubs gewählt worden ist, entdeckte die Anfrage und staunte: Da wohnt ja ein anderer Löwen-Fan ganz in der Nähe, mitten im Dunstkreis der VfB-Hochburg Stuttgart.

Er schrieb Schmidinger an, sie kamen ins Gespräch – und machten sich kurz darauf auf die Suche nach weiteren Gleichgesinnten. Winter kannte bereits ein paar Sympathisanten, die wiederum kannten andere, und Annoncen im Internet erledigten den Rest. Der 35-Jährige freut sich nun über die vielen neu gewonnenen Fußball-Kumpels: „Es haben sich schon richtige Freundschaften gebildet.“ Er hofft, dass noch weitere dazustoßen. So 30, 40 Mitglieder wäre eine gute Zahl, findet auch Schmidinger. „Ein Bus voll, halt.“

Ein Bus voll Fans soll es werden

Obwohl es den beiden nicht darum ging, einen großen Verein auf die Beine zu stellen, war es Schmidinger wichtig, die Gruppe als richtigen Fanclub zu organisieren, mit Homepage und offizieller Registrierung bei der Arge. Diese ist ein Dachverband von mehr als 500 Fanvereinen des TSV 1860 München. Die Mitgliedschaft dort hat einige Vorteile, darunter einen ganz praktischen: Fans, die der Arge angehören, werden gegenüber Nicht-Mitgliedern beim Kartenkauf für Spiele bevorzugt.

Gerade Letzteres ist ein unschätzbarer Vorteil für 1860-Anhänger. Da der TSV die Spielzeit 2017/18 in der Regionalliga fristen muss, spielt die Elf nur noch in kleineren Stadien mit maximal 5000 Plätzen, erklärt Schmidinger. Im August zum Beispiel in Schalding bei Passau und in Seligenporten, das südlich von Nürnberg liegt. Da es nur so wenige Plätze gibt, seien die Spiele schnell ausverkauft. Und die Remstal-Löwen wollen natürlich hinfahren und dabei sein – wie es sich eben für echte Fans gehört.