Weinstadt

Remstalkellerei hält an Zentralkelter fest

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Traubenannahme in der Kelter in Endersbach. © Bernhardt / ZVW
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Die neuen Etiketten der Rebsortenlinie mit den markanten Buchstaben und der Weinhöfe der Remstalkellerei.

Weinstadt. Das klare Ja der Großheppacher Genossen hat Claus Mannschreck Auftrieb gegeben. Die Remstalkellerei hält an den Plänen für eine Zentralkelter fest, sagt deren Vorstandsvorsitzender. Nun steht die Entscheidung der Ortsgenossenschaft Kleinheppach an. Sollten sich Kleinheppach der Zentralkelter anschließen, „kann man auch noch einmal mit Schnait reden“, sagt Claus Mannschreck.

Das Nein der Ortsgenossenschaft Schnait zur Zentralkelter Anfang des Jahres war ein weiterer Rückschlag. Schließlich ist Schnait mit 180 Hektar die größte Ortsgenossenschaft der Remstalkellerei. Die Pläne für eine Zentralkelter standen auf der Kippe. Nur 60 statt der erforderlichen 75 Prozent der Schnaiter Mitglieder hatten für die Zentralkelter gestimmt, obwohl sich die Verwaltung wie auch die großen Betriebe für die Zentralkelter aussprachen, sagt Claus Mannschreck. Ausschlaggebend für die Entscheidung war wohl die Angst vieler Mitglieder, was mit der Kelter geschieht. Sie prägt das Ortsbild des Weinstädter Teilorts. Inzwischen stehe fest, dass das Gebäude erhalten bleibt.

Es ist ein holpriger Weg zu einer Zentralkelter im Remstal. Statt dass sämtliche sieben Keltern geschlossen und durch eine einzige Zentralkelter ersetzt werden, wird es aber auch in Zukunft einen Flickenteppich bei der Mosterfassung geben. Denn bei den Plänen für eine Zentralkelter ist Grunbach ebenso außen vor wie Korb und Winnenden (zusammen 60 Hektar) sowie Stetten (50 Hektar). Definitiv an der Weingärtner Remstal eG, dem Projektträger der Zentralkelter, beteiligen sich derzeit lediglich Großheppach, Endersbach/Beutelsbach und Strümpfelbach. Sie machen mit rund 230 Hektar rund die Hälfte der Gesamtfläche der Remstalkellerei (500 Hektar) aus. Komme Kleinheppach (50 Hektar) hinzu, wo aus Sicht von Mannschreck die Zeichen auf ein Ja stünden, würde im Neubau der Zentralkelter zwischen dem Beutelsbacher Ostrand und dem „Käppele“ voraussichtlich der Wein von 280 Hektar erfasst.

„Es wäre gut, wenn alle dabei wären ...“

Das Remstal benötige nur eine einzige Kelter, sagt Claus Mannschreck und betont: „Es wäre gut, wenn alle dabei wären ...“ Denn je größer die Kelter ist und je mehr Most zentral erfasst werde, desto günstiger fällt die betriebswirtschaftliche Kalkulation aus. Und die Remstalkellerei hat ein Kostenproblem. Das schlägt sich nicht zuletzt in den Auszahlungspreisen für die Wengerter nieder. Sie liegen unter dem Durchschnitt der Weingärtnergenossenschaften in Württemberg. Von einst über 600 Hektar schrumpfte in den vergangenen Jahren die Fläche der Remstalkellerei auf heute rund 500 Hektar. Viele Mitglieder kehrten der Genossenschaft den Rücken, vermarkten ihre Weine nun selbst oder beliefern andere Weingüter.

Mitglied bei der Weingärtner Remstal eG können nicht nur die Ortsgenossenschaften werden, sondern auch einzelne Betriebe, sagt Mannschreck. Vor allem die großen Betriebe der Remstalkellerei drängen auf eine zentrale Kelter, sagt Claus Mannschreck, der selbst rund acht Hektar bewirtschaftet. Er verspricht sich von der Zentralkelter nicht nur bessere Zahlen in der Bilanz, sondern vor allem bessere Weine. Sie ermögliche beispielsweise frühere Öffnungszeiten für die Anlieferung, was den Vollerwerbswengertern entgegenkomme. Auch mit dem Vollernter gelesene Trauben müssten möglichst schnell in die Presse, nennt Mannschreck ein anderes Beispiel, weshalb es sinnvoll wäre, die Keltern nicht erst nachmittags zu öffnen – mit der Folge, dass die Traktoren sich vor der Kelter stauen. In einer Zentralkelter könnten zudem Qualitäten besser koordiniert werden. „Wir haben noch viel Luft nach oben“, sagt Mannschreck. Er verweist gleichwohl stolz auf die Auszeichnungen, die die Remstalkellerei in jüngster Zeit einheimste. Die 1000 Wengerter hätten so viele tolle Anlagen, schwärmt Mannschreck. Man müsse bloß gezielt die besten Rebsorten aus den allerbesten Lagen holen. Viel hervorragendes Traubengut gehe heute leider noch unter.

Längere Anfahrtswege zur Zentralkelter sollen kein Problem sein

Die kleine Ernte 2017 aufgrund der Frühjahrsfröste hat Mannschreck obendrein gezeigt, dass längere Anfahrtswege zur Zentralkelter kein Problem sind. Aufgrund der kleinen Mengen haben im vergangenen Jahr einige Keltern gar nicht geöffnet und die Mitglieder wurden auf die Keltern in der Nachbarschaft verwiesen.

Sieben Millionen Euro sollte die Zentralkelter kosten. „Wir haben bewusst solide gerechnet“, sagt Mannschreck und lässt durchblicken, dass der Bau der neuen Kelter umso günstiger wird, je weniger Mengen angenommen werden. Zudem zeige es sich, dass Anlagen und Maschinen aus den Ortskeltern in der Zentralkelter wieder aufgebaut werden können. Zum Beispiel Edelstahl-Abtropftanks und Pressen aus Kleinheppach. „Wir werden aus den Keltern herausholen, was geht.“

Der Bauantrag könnte Ende 2018 gestellt werden

Ende 2018 soll der Bauantrag gestellt werden – je nachdem, wie viele Ortsgenossenschaften und Betriebe sich letztendlich der Zentralkelter anschließen. Die Pläne liegen in der Schublade. Gebaut ist die Kelter schnell. Für die Betonplatte und den Industriebau werden nicht mehr als ein halbes Jahr gebraucht. Die Weinernte 2019 könnte also schon in der Zentralkelter erfasst werden. Ob auch ohne Winnenden, Korb und Stetten gebaut werde? Mannschreck sagt: Ja! Er beziffert die notwendige Fläche auf 300 Hektar. Die werde erreicht, wenn zehn größere Betriebe sich der Zentralkelter anschließen. Sein Ziel sei und bleibe aber, alle mitzunehmen. Getreu dem Raiffeisen-Motto: einer für alle, alle für einen.



Die Zentralkelter ist nicht das einzige Projekt, das Claus Mannschreck in seinem ersten Jahr beschäftigt. Ein weiteres ist die Sortimentsbereinigung unter dem Motto „Neues Programm. Neues Design. Neuer Geschmack“. Der neue Vorstandsvorsitzende der Remstalkellerei ist Vertriebsmann durch und durch. Die neuen Etiketten der Rebsorten-Linie („Markant. Jung. Sortentypisch.“) fallen ins Auge. Die Großbuchstaben sind im Weinregal ein Hingucker – und müssen es sein. Denn immer mehr Weine werden im Supermarkt gekauft.

Erst auf den zweiten Blick fällt der Etikettenschwindel beim Trollinger auf. Das T ist nicht gedruckt – sondern ausgestanzt. Der Durchblick soll helfen, den Trollinger als internationalen Rosé zu etablieren. Im vergangenen Jahr sei bei der Rebsorten-Linie die Marke von einer halben Million verkaufter Flaschen geknackt worden. Die Rebsorten-Linie ist mit 23 Sorten die „cash cow“ im Sortiment.

Sortiment soll auf 100 verringert werden

Die neue Wengerter-Linie soll ein Manko ausmerzen, das jede Genossenschaft hat: Es fehlen markante Köpfe, mit denen die Selbstvermarkter punkten. Künftig setzt die Remstalkellerei ebenfalls 13 Köpfe ins Zentrum. Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Lenz und Christian Frank machen mit einem Weißburgunder und einem Pinot Meunier Rosé den Auftakt. Die 13 Weinhöfe machen den Strukturwandel hin zu größeren Betrieben deutlich. Sie bewirtschaften 170 der über 500 Hektar Rebfläche der Genossenschaft. Hobby- und Nebenerwerbswengerter sind auf dem Rückzug.

Der Teufel lag bei den Etiketten für die Weinhöfe im Detail. Die beiden ersten Weine waren zwar fertig, doch die Etiketten mit den skizzierten Porträts ließen sich nicht so einfach drucken wie erhofft.

Das ausufernde Sortiment der Remstalkellerei mit 170 Weinen soll auf 100 verringert werden, sagt Claus Mannschreck. Basis sind sechs Segmente: Sekt und Secco („Prickend. Aktiv. Verführerisch.“), die High-End-Serie („Kraftvoll. Erlesen. Herausragend.“), die Wengerter-Linie („Lebendig. Klar. Persönlich.“) und die Rebsorten-Linie sowie die Ein-Liter-Flasche („Traditionell. Viertelestauglich. Ehrlich.“) und die Lagen-Weine („Klassisch. Erdig. Charaktervoll.“). Hoffnungen setzt Mannschreck auf ein neues Weinrecht, das es endlich ermöglicht, das „Remstal“ zu vermarkten und einen „Remstal-Trollinger“ zu schaffen.

Die Remstalkellerei

Die Remstalkellerei zählt mit einer Rebfläche von rund 530 Hektar zu den großen Weingärtnergenossenschaften in Württemberg. Von den 1200 Mitgliedern sind jedoch nur noch 700 Wengerter mit eigener Fläche aktiv. Der Vorstandsvorsitzende Claus Mannschreck sieht vor dem Hintergrund der Zentralkelter Reformbedarf.