Weinstadt

Remsufer Open Air in Weinstadt: 900 Fans feiern das „Lumpenpack“

Remsufer Openair
Bissig und energiegeladen: Das „Lumpenpack“ in Aktion. © Benjamin Büttner

Das zweite Remsufer Open Air: Auf dem Programm steht die Pop-Comedy-Band „Lumpenpack“ – und sie bringt eine große Fangemeinde mit. Dagmar Heerdt, stellvertretende Leiterin des Kulturamtes in Weinstadt, ist sehr zufrieden. 900 Karten wurden im Vorfeld für diesen Abend verkauft. „Einige Gäste sind am Freitag und am Samstag bei uns, wir haben auch Besucher aus Holland“, sagt sie. Denn am Freitag spielten die Dare Devils, eine erfolgreiche Coverband aus den Niederlanden. Am Sonntag steht dann der Star-Geiger Nigel Kennedy auf der Bühne. „Das ist ein anderes Publikum“, sagt Heerdt. „Da kommen die Gäste auch von weiter her, es ist einer der wenigen Auftritte des Künstlers in Deutschland.“

Die Mühlwiesen an der Rems zwischen Großheppach und Beutelsbach sind für die Remstal-Gartenschau 2019 neu gestaltet worden. Wie ein Stück natürliche Flusslandschaft wirkt die Rems hier, inklusive einer kleinen Insel. Unter einer Eiche wurden Stände zur Verpflegung eingerichtet. An der Kasse arbeiten ehrenamtliche Helfer, die bester Laune sind. Schnell und freundlich verteilen sie die leuchtend gelben Armbänder. „Wenn die Kasse geschlossen hat, bleibe ich auf jeden Fall bis zum Ende“, sagt Brigitte Hirsch. Sie freut sich auf die Musik.

Der Rasenplatz vor der Bühne bevölkert sich schnell. Lotte und Max (beide 35) sind aus der Nähe von Karlsruhe angereist. Sie kennen das Lumpenpack seit etwa drei Jahren. „Es wirkt alles sehr professionell hier“, loben sie. „Hier ist es überschaubar und harmlos“, sagt Lotte, „Auf ein Konzert mit 20.000 Menschen zu gehen wäre bei der Pandemie schwierig gewesen.“ Was sie am Lumpenpack schätzen? „Die Texte. Man merkt, dass sie aus der Poetry-Slam-Szene kommen. Die Lieder kann man viermal hören und immer noch etwas entdecken.“

Ein Festival mit familiärer Dimension

Fabian und Juli Schüler aus Ostfildern (beide 32) haben Mila mitgebracht, die wahrscheinlich jüngste Teilnehmerin des Konzertes. Gerade mal sechs Monate ist sie alt und wirkt in ihrem Tragetuch genauso entspannt wie die anderen Gäste. „Wir kommen auf jeden Fall noch mal her“, sagen die Eltern. Auch sie sind Fans des Lumpenpacks und freuen sich auf die vielschichtigen Texte. Gleich neben der Festwiese befindet sich ein großzügiger Spielplatz. Für Mila ist das noch nichts, aber es sind auch einige ältere Kinder hier. Maya (9) ist mit ihrem Vater Benjamin (44) hier. Sie kommen aus Stuttgart. „Es ist gemütlich hier“, sagt Benjamin. Vorher waren sie schon auf dem Kesselfestival in Stuttgart und planen noch ein Konzert der Toten Hosen. Thomas (40) und Dörte (43) kommen aus Beinstein, also „um die Ecke“. Sie genießen die familiäre Dimension des Festivals. Dörte hätte sich allerdings bei den Verpflegungsständen wiederverwendbares Geschirr gewünscht.

Der Rekordhalter hat schon 82 Auftritte gesehen

Direkt vor der Bühne versammelt sich der Lumpenclub, der Fanclub der Band. 300 Mitglieder hat er. Sie schätzen das familiäre Umfeld, die meisten waren schon auf mehr als 20 Konzerten dabei. Aus ganz Deutschland reisen sie an. Patrick ist mit 82 Konzerten der Rekordhalter. Hinter der Bühne erzählt Anke Witgenfeld, Mitarbeiterin im Weinstädter Kulturamt, von der Band und deren Tourleben. Mehr als 20 Termine waren es im Frühjahr. „Hier in Weinstadt haben wir eine wunderbare Location“, sagt sie zufrieden. Das Lumpenpack begann 2012 mit Max Kennel und Jonas Frömming als Duo. Die beiden kommen aus der Poetry-Slam-Szene. Sie leben in Stuttgart und wohnten dort in einer WG. Ein Bandmythos erzählt, dass die Idee zu dem Projekt 2012 in einem dänischen Ferienhaus geboren wurde.

Der Konzertabend beginnt mit Tristan Brusch, Liedermacher aus Berlin. Sein Auftritt ist puristisch, nur Gitarre und Gesang. „Ich werde euch jetzt deprimieren, damit das Lumpenpack euch wieder aufbauen kann“, begrüßt er die Gäste sehr bescheiden. Er singt morbid-melancholische Geschichten. Um enttäuschte Liebe geht es dabei vor allem. Brusch berührt mit starken Wortbildern. „Zwei Fliegen an der Scheibe reiben sich Beine. Zwei Blicke, die sich meiden. Der Rest ist Schweigen“ singt er in „Der Rest“, dem Titelsong seines neuen Albums. Ein bisschen gehen die zarten Songs unter, schließlich ist der Platz bevölkert von erwartungsfrohen Lumpenpack-Fans.

Um 20 Uhr kommen sie und beginnen ihr energiegeladenes Konzert mit einem Konfetti-Regen. Die Musik erinnert stark an die „Ärzte“. Die Texte sind gewunden und bildreich. An Energie und Witz mangelt es nicht - etwa wenn sie im Song „Heilpraktiker“ den gleichnamigen Berufsstand aufs Korn nehmen. Trotzdem: Manches wirkt bemüht: Es fällt schwer, dem Text zu folgen. Einige flache Klischees werden bedient und musikalisch scheint das Ganze eher die „Ärzte“ in der Light-Version zu sein. Immerhin steht die Band auf der richtigen Seite, engagiert sich in ihren Liedern gegen rechts und den Klimawandel. Die Stimmung ist super. Ein gelungener, wunderbar entspannter Festivalabend.

Das zweite Remsufer Open Air: Auf dem Programm steht die Pop-Comedy-Band „Lumpenpack“ – und sie bringt eine große Fangemeinde mit. Dagmar Heerdt, stellvertretende Leiterin des Kulturamtes in Weinstadt, ist sehr zufrieden. 900 Karten wurden im Vorfeld für diesen Abend verkauft. „Einige Gäste sind am Freitag und am Samstag bei uns, wir haben auch Besucher aus Holland“, sagt sie. Denn am Freitag spielten die Dare Devils, eine erfolgreiche Coverband aus den Niederlanden. Am Sonntag steht dann

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