Weinstadt

Schreibwarenhändlerin nimmt Bestellungen im Lockdown am Telefon an - Wie läuft das?

Schreibwaren Deeg
Ursula Deeg nimmt Bestellungen derzeit am Telefon entgegen. © ALEXANDRA PALMIZI

Manche Einzelhändlerinnen und Einzelhändler greifen zu kreativen Maßnahmen in Zeiten des Lockdowns. Eine von ihnen ist Ursula Deeg vom Schreibwarengeschäft in Endersbach. Sie nimmt Bestellungen jetzt per Mail oder telefonisch entgegen. Sie versucht, pragmatisch mit der Situation umzugehen, auch wenn sie manche Regeln nur schwer nachvollziehbar findet. Für die großen Betriebe scheinen weniger strenge Regeln zu gelten als für die kleinen Händler.

Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr hat Ursula Deeg ihren Lieferdienst angeboten. Kunden hatten sie auf die Idee gebracht. Sie fragten nach, ob sie über Deeg an neue Tintenpatronen und Schulhefte kommen. Kurzerhand brachte sie die Sachen vorbei. Inzwischen hat sie das Angebot im Ort bekannter gemacht, am Laden hängt auch ein Hinweisschild mit dem Angebot.

Auch vor dem zweiten Lockdown hätten vor allem die älteren Stammkunden, die hier täglich ihre Zeitung kaufen, nach einer Möglichkeit gefragt. Auch ihnen bringt Deeg nun die gewünschten Produkte. Dafür nimmt sie nicht etwa das Auto, sie macht ein Spaziergang durch den Ort und liefert dabei alles aus.

Corona und der Lockdown sorgen für Basteltrend

Über die letzten beiden Tage vor dem Lockdown sagt sie: „Da war die Hölle los“. Es sei noch mal einiges an Geschenkpapier und Bastelartikeln gekauft worden. Die letzte Chance zum klassischen Einkaufen hätten viele nochmals genutzt. Deeg stellt ohnehin fest, dass seit der Pandemie wieder mehr gebastelt wird. Als sie 1999 ihren Laden eröffnete, da habe es einen kleinen Bastelboom gegeben, doch über die Jahre habe das Interesse daran abgenommen. Nun seien die Umsätze in Sachen Bastelbedarf wieder vergleichbar hoch. Die Einnahmen, die Deeg mit den Bestellungen am Telefon macht, sind im Vergleich zum normalen Vorweihnachtsgeschäft viel geringer. Die Kosten für Miete und ihre beiden Aushilfen bleiben aber.

Alleine könnte sie vom Laden nicht leben

Offen sagt die Einzelhändlerin, dass sie in der aktuellen Situation vor allem auf Teile ihres eigenen Gehaltes verzichtet. Den Laden könne sie in solchen Zeiten auch nur deshalb halten, weil sie nicht alleinstehend ist und nicht das ganze Haushaltseinkommen alleine stemmen muss. „Alleine könnte ich von dem Laden nicht leben“, sagt sie.

Vorteile bringe ihr lediglich ihr Sortiment. Denn Hefte, Kugelschreiber und andere Schreibwaren haben kein Ablaufdatum. Auch in einem halben Jahr könne sie die Sachen noch verkaufen. Modehäuser oder Gastronomen hätten da noch mal ganz andere Sorgen. „Mein Geschenkpapier kann ich auch noch nächstes Jahr anbieten“, sagt sie.

Ordnungsamt machte den Laden dicht

Zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr habe sie noch gedacht, dass sie ihr Geschäft offen lassen darf, für den Verkauf von Zeitungen gab es schließlich eine Ausnahme. Doch das Ordnungsamt verbot ihr schließlich den Verkauf. Sie hätte ausschließlich Zeitungen verkaufen dürfen, das hätte sich schlichtweg überhaupt nicht gerechnet. Deeg versteht, dass die Politik nun mit einem Lockdown auf die hohen Corona-Zahlen antwortet. Ärgerlich findet die Einzelhändlerin allerdings, dass die großen Händler, wie beispielsweise Müller, weiterhin geöffnet haben dürfen und dort nicht nur Lebensmittel und wichtige alltägliche Produkte wie Toilettenpapier und Windeln verkaufen dürfen, sondern auch Schreibwaren und Spielzeuge. Da höre ihr Verständnis auf, macht sie deutlich. „Die Regelungen sind nicht klar ersichtlich“, sagt sie.

Während des Gesprächs mit Ursula Deeg meldet sich telefonisch eine Kundin, ein rotes Samtband soll es sein, Deeg will es später vorbeibringen. Neben Endersbach bringt sie auch Waren nach Stetten, Beinstein oder Strümpfelbach. Doch die meisten seien eben Stammkunden aus dem Ort.

Vor vielen Jahren machte Deeg eine kaufmännische Ausbildung bei Hess in Waiblingen, später arbeitete sie als Aushilfe in dem Laden, den sie später übernahm. Damals noch ein kleines Spielwarengeschäft, erzählt Deeg. Als klar war, dass er geschlossen wird, habe sie aus einer Laune heraus entschieden, dass sie ihn übernehmen möchte. „Ein eigener Laden, das war ein Traum von mir“, erzählt sie. Auch wenn sie für ihre Kunden jetzt viel unterwegs ist, im Vergleich zur besonders stressigen Vorweihnachtszeit hat sie nun mehr Freizeit. Wenn sie der ganzen Krise etwas Positives abgewinnen könne, dann, dass es in diesem Jahr besinnlicher zugeht als sonst.

Manche Einzelhändlerinnen und Einzelhändler greifen zu kreativen Maßnahmen in Zeiten des Lockdowns. Eine von ihnen ist Ursula Deeg vom Schreibwarengeschäft in Endersbach. Sie nimmt Bestellungen jetzt per Mail oder telefonisch entgegen. Sie versucht, pragmatisch mit der Situation umzugehen, auch wenn sie manche Regeln nur schwer nachvollziehbar findet. Für die großen Betriebe scheinen weniger strenge Regeln zu gelten als für die kleinen Händler.

Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr

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