Weinstadt

Schule und Corona: Weinstadt will Luftfilter für "schlecht lüftbare" Klassenzimmer

Robert-Schumann-Grundschule Wiesbaden
Raumluftfilter im Klassenzimmer: Der Nutzen ist umstritten. © DPA/Arne Dedert

Alle Welt spricht in der Debatte um Schulunterricht in der Corona-Pandemie über Raumluftfilter. Politiker fordern eine Ausstattung aller Klassenzimmer. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigt Millionen an Fördergeldern an, lässt das konkrete Programm aber bislang vermissen. Zudem ist der Nutzen der Geräte höchst umstritten. In Weinstadt warnt Oberbürgermeister Michael Scharmann vor zu hohen Erwartungen und schlägt vor, Filter für „schlecht lüftbare Räume“ zu beschaffen.

20 solcher Räume seien der Verwaltung schulübergreifend gemeldet worden, sagt Scharmann in der Jahnhalle, wo am Donnerstagabend die letzte Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause stattgefunden hat. Insgesamt gebe es in Weinstadt circa 170 Klassenräume. „Da der Effekt von mobilen Raumluftfiltern bei Räumen, die gut gelüftet werden können, marginal sein wird, schlagen wir im ersten Schritt vor, zunächst Beschaffungen für schlecht belüftbare Räume zu tätigen“, so der OB. „In Ergänzung schlagen wir vor, CO2-Ampeln für alle Räume zu beschaffen.“

Diese seien unabhängig von der Pandemie sinnvoll – ausreichend Sauerstoff im Raum sei wichtig beim Lernen. Diese Ampeln sind schon für circa 100 Euro pro Stück zu haben und zeigen an, wann gelüftet werden muss.

OB Scharmann: Kretschmann hat "hohe Erwartungshaltung aufgebaut"

Mobile Raumluftfilter sind deutlich teurer, der Preis kann in die Tausende gehen. Es gebe aber, erklärt OB Scharmann, noch nicht einmal eine offizielle Empfehlung, welche Geräte überhaupt nutzbar und förderfähig seien, geschweige denn ein konkretes Förderprogramm, noch lägen gesicherte Erkenntnisse über den Nutzen der mobilen Filteranlagen vor.

„Mit der Aussage von Ministerpräsident Kretschmann, dass ein Förderprogramm für mobile Raumluftfilter und CO2-Ampeln veröffentlicht werden soll, wurde wieder einmal eine sehr hohe Erwartungshaltung aufgebaut, die vermutlich – zumindest teilweise – enttäuscht werden muss“, ärgert sich der Rathauschef.

Diesen Ärger teilt Henriette Baumann, geschäftsführende Schulleiterin der Grundschulen in Weinstadt. Sie hat den Eindruck, die Politik verabreiche den besorgten Eltern mit der vermeintlich einfachen Lösung „eine Beruhigungspille“. Ausbaden darf es die Basis. Sprich: der OB, der Erwartungen dämpfen muss und die Rektorin, die sich fragt, was ihr ein Gerät bringen soll, das Masken und Stoßlüften offenbar nicht ersetzt und Quarantäneanordnungen nicht verhindert. Ihre Meinung: „Wir haben keine veränderte Situation. Keine Verbesserung.“

Die Schulen rühren ihr Budget für die umstrittenen Filter ungern an 

Die Schulleiterin sagt das auch unter dem Vorzeichen, dass die Schulen sich die Filter vom jährlichen Schulbudget absparen müssen. Nach aktuellem Stand würde das Land die Hälfte zahlen, die Stadt auf Vorschlag Scharmanns ein weiteres Viertel und die Schulen selbst den Rest. Bei einer Filteranlage für 4000 Euro – dieses Rechenbeispiel stammt von OB Scharmann – blieben also rund 1000 Euro an der Schule hängen. Bei dem begrenzten Nutzen der Geräte, von dem aktuell ausgegangen wird, ist das den Schulleiterinnen zu viel Geld.

OB Scharmann geht davon aus, dass sich das Förderprogramm des Landes auf die Räume konzentrieren wird, die sich besonders schlecht belüften lassen. Damit würde auch einem Pilotprojekt der Universität Stuttgart Rechnung getragen, die Luftfilter nicht generell empfiehlt, sondern nur „bei ungenügender Fensteröffnungsfläche“.

Zur Beschaffung gibt es gegebenenfalls eine Sondersitzung

Die Verwaltung will jetzt mit den Herstellern entsprechender Geräte sprechen und die genauen Förderrichtlinien abwarten. Je nachdem, wie teuer die Filter werden, wird der Gemeinderat informiert – und muss eventuell in einer Sondersitzung im Sommer über die Beschaffung entscheiden.

Alle Welt spricht in der Debatte um Schulunterricht in der Corona-Pandemie über Raumluftfilter. Politiker fordern eine Ausstattung aller Klassenzimmer. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigt Millionen an Fördergeldern an, lässt das konkrete Programm aber bislang vermissen. Zudem ist der Nutzen der Geräte höchst umstritten. In Weinstadt warnt Oberbürgermeister Michael Scharmann vor zu hohen Erwartungen und schlägt vor, Filter für „schlecht lüftbare Räume“ zu beschaffen.

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