Weinstadt

Schulen und Kitas in Weinstadt: Die aktuelle Corona-Lage und warum manche Eltern sauer auf die Stadt sind

Corona test Praxis
Ein positiver Test – zum Beispiel bei einem Lehrer, einer Erzieherin oder einem Schulkind – kann weitreichende Folgen haben. Derzeit sind aber nicht mehr ganz so viele Schulklassen und Kita-Gruppen in Quarantäne wie noch Anfang November (Symbolfoto). © Benjamin Büttner

Nein, die totale Entspannung ist nicht eingetreten in Weinstadt, weder bei den Eltern von Schul- und Kleinkindern noch bei der Stadt Weinstadt. Doch gerade an den Schulen und Kitas hat sich der Umgang mit der Corona-Krise besser eingespielt. Und es sind derzeit kaum Klassen oder Gruppen in Quarantäne. Und anders als in Winnenden, wo der Oberbürgermeister sich über „gedankenlose“ Eltern empört hat, gibt es in Weinstadt keine öffentliche Schelte wegen nicht eingehaltener Regeln zum Infektionsschutz.

Die Eltern in Weinstadt handeln offenbar nicht „gedankenlos“

Der Winnender OB hatte in einem Gespräch mit dem Zeitungsverlag Waiblingen unter anderem gesagt: „Wir stellen fest, dass Eltern, die bei sich Symptome festgestellt, aber vielleicht noch kein Testergebnis erhalten haben, dennoch ihre Kinder, vor allem jüngere Kinder, in die jeweiligen Einrichtungen bringen, Krippe, Kindergarten, Grundschule, Ganztagsschule. Ich finde das unglaublich.“ Doch wie ist die Lage ein paar Kilometer weiter? Haben die Weinstädter dasselbe Problem? Zwar wolle der hiesige OB Michael Scharmann die Aussagen seines Amtskollegen nicht kommentieren, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung aus dem Rathaus, davon aber einmal abgesehen: „Es ist uns in Weinstadt kein solcher Fall bekannt“, sagt Pressesprecher Holger Niederberger. Oder andersherum: Die Eltern in Weinstadt halten sich offenbar an die Regeln, handeln nicht etwa gedankenlos, sondern bedacht.

Insgesamt hat sich die Lage an den Schulen und Kitas etwas entspannt, zumindest, wenn man die aktuelle Quarantäne-Situation vergleicht mit der ersten November-Woche. Als unsere Zeitung zuletzt ausführlich über die angespannte Lage für Weinstädter Eltern berichtet hat, am Freitag, 6. November, befanden sich insgesamt acht Kita-Gruppen und fünf Schulklassen in ganz Weinstadt in Quarantäne. Am Dienstag dieser Woche waren es nach Angaben aus dem Ordnungsamt noch drei Kita-Gruppen – wobei die Kinder aus der Schulstraße an diesem Mittwoch wieder in die Einrichtung zurückkehren dürfen und die beiden Gruppen, die im Trappeler zu Hause bleiben müssen, hoffentlich am Donnerstag – wenn im besten Fall bis morgen der Corona-Test eines Kindes negativ ausgefallen ist.

An der Grundschule in Beutelsbach feiert eine dritte Klasse am Mittwoch ihr Comeback vor Ort, eine weitere muss bis kommenden Montag warten, weil die Quarantäne für die Kinder erst am Samstag endet. Während bei den weiterführenden Schulen die Erich-Kästner-Schule und das Remstalgymnasium derzeit nicht von Corona-Fällen betroffen sind, kehren an der Reinhold-Nägele-Realschule an diesem Mittwoch eine siebte Klasse und am Donnerstag eine sechste und eine achte Klasse zurück.

An den Schulen läuft es jetzt „runder als zu Beginn“

Und auch an der zwischenzeitlich arg gebeutelten Silcherschule in Endersbach kehrt an diesem Mittwoch die einzige Schulklasse aus dem „Fernunterricht“ zurück. Die Lage habe sich auch deshalb etwas entspannt, weil die Kooperation mit den Eltern immer besser funktioniere, sagt Silcherschulleiterin Henriette Baumann im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es läuft etwas runder als zu Beginn“, so die Pädagogin, außerdem seien die Mütter und Väter nun sensibilisiert für die Lage. Eltern behalten ihre Kinder immer wieder vorsorglich zu Hause, bis ein Verdacht ausgeräumt ist. Die Erkenntnis, „dass der Fernunterricht funktioniert“, spiele dabei sicher eine wichtige Rolle.

Anfang nächster Woche könnten also, vorausgesetzt, es kommt nicht zu neuen Infektionen und weiteren Quarantäne-Anordnungen, theoretisch alle Klassen und Kita-Gruppen in ganz Weinstadt wieder in den Einrichtungen vor Ort betreut werden.

Das sei doch schön, sagt Maximilian von Gaisberg, der Vorsitzende des Weinstädter Gesamtelternbeirats – von „Entspannung“ könne bei vielen Eltern allerdings nach wie vor nicht die Rede sein. Der Hauptgrund: die verkürzten Öffnungszeiten in den Einrichtungen seit Mitte Oktober. „Eingeschränkte personelle Möglichkeiten, ein hoher Krankenstand und die Tatsache, dass einige Mitarbeiterinnen einer Hochrisikogruppe zugehören“ hatten nach Angaben aus dem Rathaus zu dem Schritt geführt, dass die Kitas eine Stunde später öffnen und eine Stunde früher schließen.

"Die Eltern fühlen sich von der Stadt allein gelassen"

„Die Eltern fühlen sich gerade von der Stadt völlig allein gelassen“, sagt der zweifache Familienvater. Er und seine Frau gehören selbst zu denjenigen, die jetzt für zehn Stunden Betreuung am Tag zahlen, aber nur acht Stunden bekommen. „Wir legen viel Geld auf den Tisch für Leistungen, die nicht erbracht werden“, sagt von Gaisberg. Für die Betreuung ihrer Tochter (4) und ihres Sohnes (3) zahlen die Großheppacher ohne Verpflegung 912 Euro im Monat, hätten sie von vornherein nur acht Stunden Betreuung gebucht, wären es nur 653 Euro. Eine anteilige Erstattung der Kosten erfolgt laut Gemeinderatsbeschluss aber erst, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg 25 Prozent der Betreuungszeit, also zweieinhalb Stunden am Tag, wegfallen. „Und bei uns sind es ja nur 20 Prozent“, sagt von Gaisberg.

„Viele gehen so langsam auf dem Zahnfleisch“

„Mein Glück ist: Ich bin selbstständig, da geht das. Ich kenne aber auch Eltern, die schichten. Die sehen sich nur noch, wenn sie die Kinder übergeben. Viele gehen so langsam auf dem Zahnfleisch“, sagt der Beiratsvorsitzende. Der Zorn der Eltern richte sich vor allem gegen den Gemeinderat, der offenbar keinen Grund dafür sehe, an dem Beschluss aus dem Sommer zu rütteln.

Nein, die totale Entspannung ist nicht eingetreten in Weinstadt, weder bei den Eltern von Schul- und Kleinkindern noch bei der Stadt Weinstadt. Doch gerade an den Schulen und Kitas hat sich der Umgang mit der Corona-Krise besser eingespielt. Und es sind derzeit kaum Klassen oder Gruppen in Quarantäne. Und anders als in Winnenden, wo der Oberbürgermeister sich über „gedankenlose“ Eltern empört hat, gibt es in Weinstadt keine öffentliche Schelte wegen nicht eingehaltener Regeln zum

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