Weinstadt

Senioren am Steuer: 82-Jähriger aus Weinstadt beim Fahr-Fitness-Check

Hans Wrede
Hans-Joachim Wrede (82) hat bei Fahrlehrer Roland Herter (links) einen Fahrsicherheits-Check gemacht. © Gabriel Habermann

Es ist ein Thema, das in Familien immer wieder für Streit sorgt: Ist es sicher, wenn der hochbetagte Elternteil noch regelmäßig mit dem Auto unterwegs ist? Oft machen sich Angehörige Sorgen, gleichzeitig hängen viele alte Menschen sehr an ihrem Führerschein - bedeutet er doch noch ein Stück Unabhängigkeit.

Der ADAC bietet daher seit langem schon Fahr-Fitness-Checks für Senioren an. Ein 82-jähriger Endersbacher hat daran teilgenommen - und unsere Redaktion zu dieser besonderen Fahrstunde eingeladen.

Senior möchte auf das Thema Fahrsicherheit aufmerksam machen

Hans-Joachim Wrede wohnt in Endersbach, der Witwer ist mehr als rüstig und noch viel im weiteren Umkreis mit dem Auto unterwegs. So auf 6500 Kilometer pro Jahr komme er schon, berichtet er. Dem Senior ist die Sicherheit wichtig: Bereits 2013 hat der heute 82-Jährige an einer Fahrsicherheitsschulung des Deutschen Automobilclubs teilgenommen.

Nachdem er einen Artikel über die Fahr-Fitness-Checks gelesen habe, habe er sich dafür entschieden, das auch mal auszuprobieren - und bei dieser Gelegenheit das Thema gleich noch ein bisschen mehr publik zu machen, sagt der Endersbacher. Deshalb hat er die Presse eingeladen.

Der Führerschein ist bei dem Check nicht in Gefahr

Bei diesen Sicherheitschecks kommt ein qualifizierter Fahrlehrer zum „Prüfling“ nach Hause. In Hans-Joachim Wredes Fall ist das Roland Herter, der in Stuttgart eine Fahrschule betreibt. Er bietet die Fahrstunden für Senioren bereits seit etwa zehn Jahren an. Sie richten sich laut ADAC an ältere, noch regelmäßig selbst Auto fahrende Personen: Es gibt die Möglichkeit für ein Vorgespräch mit dem Fahrlehrer, die Fahrt an sich findet dann im eigenen Auto statt.

Etwa eine Dreiviertelstunde lang geht es mit dem Fahrlehrer dann auf den gewohnten Routen umher. Danach gibt es eine mündliche Einschätzung für den Fahrschüler und eine Teilnehmer-Urkunde - der Führerschein ist in keinem Fall in Gefahr, auch eine Meldung an die Behörden ist laut ADAC ausdrücklich ausgeschlossen. Der Check kostet alles in allem um die 95 Euro, ADAC-Mitglieder bekommen ihn etwas günstiger.

"Das ist keine Prüfung": Fahrlehrer schaut nur zu

Hans-Joachim Wrede nutzt sein Auto vor allem, um zum Arzt oder zum Sport zu fahren. „Ich mache sehr viel Sport“, sagt der Senior. Seine Fahrten führen ihn regelmäßig durch Weinstadt, nach Kernen und Waiblingen, aber auch mal in den Kreis Ludwigsburg oder bis nach Schwäbisch Gmünd. Wenn er Verwandte in Norddeutschland besucht, lässt er das Auto inzwischen aber doch lieber stehen. „Mit dem Zug ist es bequemer“, findet der 82-Jährige. Auch bei schlechtem Wetter und Dunkelheit fährt er nicht mehr so gerne Auto.

Mit Fahrlehrer Roland Herter auf dem Beifahrersitz und der Redakteurin auf der Rückbank tritt Hans-Joachim Wrede seinen Fahr-Fitness-Check an. Er hat Routine beim Fahren, das merkt man gleich - zügig geht es los in Richtung Stetten. Der 82-Jährige sucht sich seine Fahrtroute anders als bei einer normalen Fahrstunde selbst aus. Alles findet in ganz entspannter Atmosphäre statt. „Sie müssen sich nicht verstellen, das ist keine Prüfung“, sagt Roland Herter. Er schaut vor allem zu, mahnt hin und wieder, lobt aber auch.

Vor allem Männer machen Fahr-Fitness-Checks

Um die fünf solche Fahrten mit Senioren mache er im Jahr, berichtet der Fahrlehrer. Meistens seien es tatsächlich Männer, erzählt er. Bei der entsprechenden Altersgruppe seien sie meistens diejenigen, die die Fahrten übernehmen. Frauen kommen seiner Erfahrung nach oft dann auf das Angebot zurück, wenn der Mann verstirbt - und sie vielleicht schon seit 30 Jahren nicht mehr selbst gefahren sind.

Oft sei es auch so, dass die Teilnehmer auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder kommen, weil die Bedenken ihren Fahrstil betreffend geäußert hätten oder es sonst Vorfälle gab. Das sei bei ihm nicht so, stellt Hans-Joachim Wrede klar: „Ich habe noch nie einen Unfall gehabt und wurde noch nie von der Polizei kontrolliert.“ Er habe sich nur gedacht: „Mensch, das wolltest du doch eh schon lange machen.“

Der 82-Jährige ist noch gut in Form

Schnell zeigt sich: Vor Autofahrer Wrede müssen andere Verkehrsteilnehmer keine Angst haben. Er fährt aufmerksam, hält genügend Abstand zu den Autos vor sich und fließt mit dem Verkehr mit. Einmal hält er sogar geistesgegenwärtig schon vor einer Kreuzung an, um einem Linienbus Platz zu machen, der sonst nicht ohne Rangieren um die Ecke gekommen wäre.

„Das haben Sie gut gemacht“, lobt der Fahrlehrer. „Das ist das Problem im heutigen Straßenverkehr“, sagt Hans-Joachim Wrede: „Jeder denkt nur an sich.“ Insgesamt läuft die Fahrstunde ziemlich ereignislos ab. Das spiegelt sich auch im Feedback wider, das der 82-Jährige am Ende der Fahrstunde bekommt: „Sie fahren grundsätzlich noch sehr ordentlich Auto“, findet Roland Herter.

Wer es nötig hätte, macht lieber keinen Test 

Einmal war der Endersbacher allerdings schon etwas zu schnell unterwegs und der Fahrlehrer rät ihm, auf die Rechts-vor-links-Regelung innerhalb von Wohngebieten noch stärker zu achten: „Nur hinschauen reicht auch nicht, Sie müssen auch noch anhalten können.“ Auch bei einem Spurwechsel war der Abstand zu einem anderen Auto etwas knapp. Auch hierauf soll der 82-Jährige etwas achten. Insgesamt aber alles im völlig normalen Bereich: „Sie sind kein Hindernis“, findet der Fahrlehrer.

Dass die Teilnehmer bei diesen Sicherheitsprüfungen so gut abschneiden wie der Senior aus Endersbach, sei übrigens fast schon die Regel: „Die, die selber wissen, dass es nicht gut ist, machen das nicht“, glaubt Roland Herter. Denn der Führerschein sei für viele die letzte Bastion. Wenn die Kinder dann sagen, man solle nicht mehr fahren, sei das eine Sache. „Wenn es ein Unabhängiger sagt, hat es schon mehr Gewicht“, glaubt der Fahrlehrer.

Es ist ein Thema, das in Familien immer wieder für Streit sorgt: Ist es sicher, wenn der hochbetagte Elternteil noch regelmäßig mit dem Auto unterwegs ist? Oft machen sich Angehörige Sorgen, gleichzeitig hängen viele alte Menschen sehr an ihrem Führerschein - bedeutet er doch noch ein Stück Unabhängigkeit.

Der ADAC bietet daher seit langem schon Fahr-Fitness-Checks für Senioren an. Ein 82-jähriger Endersbacher hat daran teilgenommen - und unsere Redaktion zu dieser besonderen

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