Weinstadt

SG Weinstadt plant Sportzentrum

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Die SG Weinstadt plant für 6,5 Millionen Euro ein Sportzentrum. © ZVW/Danny Galm
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Die Eröffnung ist für Herbst 2020 vorgesehen.
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Sportvereinszentrum
Markus Lachenwitzer erläuterte beim Infoabend die Argumente für ein Sportzentrum. © Benjamin Büttner
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Sportvereinszentrum
Der Verein hat eine Infobroschüre aufgelegt. © Benjamin Büttner

Weinstadt. Die SG Weinstadt möchte bauen. Bauplan und Wirtschaftlichkeitsberechnung für ihr neues Sportvereinszentrum liegen auf dem Tisch, der Verkauf der Vereinsheime in Beutelsbach und Großheppach scheint in trockenen Tüchern, der Pachtvertrag für das Grundstück wurde vom Gemeinderat beschlossen, mit den Banken steht man in Verhandlung – es fehlt einzig noch die Zustimmung der Mitglieder.

Die Zustimmung möchte sich der Vereinsvorstand am 19. Oktober auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einholen. Deren Vorbereitung diente eine Infoveranstaltung, die am vergangenen Freitag in der Jahnhalle stattfand.

Kaum dass 2014 die SG Weinstadt gegründet wurde, begannen auch schon die Planungen für den Bau eines Sportvereinszentrums, referierte Markus Lachenwitzer vom Württembergischen Landessportbund. Das Sportvereinszentrum in der Benzach zwischen Stadion und Schulzentrum stelle eine Antwort darauf dar, dass die Gesellschaft immer älter werde und die Arbeitswelt mehr zeitliche Flexibilität verlange.

25- bis 60-Jährige kehren Vereinen den Rücken

Die ständig wachsende Gruppe der Senioren wende sich dem Sport zu, die Fünfundzwanzig- bis Sechzigjährigen aber würden den Vereinen den Rücken kehren; diese verlören mit den Mitgliedern sowohl ihr „Angebotsmonopol“ als auch ihre Identität und ihre finanziellen Spielräume.

Das geplante Sportvereinszentrum stelle sich dem entgegen: Es biete von 6.30 bis 22 Uhr ein breitgefächertes und flexibles Angebot in den Bereichen Gesundheits-, Wellness-, Reha- und Bewegungssport, mit Gymnastikraum, Bewegungslandschaft oder Sauna. Dies alles unter einem Dach mit den Büroräumen der Geschäftsstelle der SG und einer zentralen Begegnungsstätte.

Ziel sei es, so die federführende Architektin Daniela Knapp von „a + b freie Architekten“, einen „sozialen und räumlichen Mittelpunkt für den jungen Verein“ zu schaffen, in einem 50 Meter langen, 24 Meter breiten und zehn Meter hohen, zweistöckigen Gebäude. Im Erdgeschoss sind ein 325 Quadratmeter großer, mit Geräten ausgestatteter Trainingsraum, Umkleide- und Sanitärräume für Kinder, die Begegnungsstätte, Räumlichkeiten für die Vereinsgeschäftsstelle und eine 300 Quadratmeter große, über beide Stockwerke reichende Bewegungslandschaft vorgesehen. Im Obergeschoß sollen Umkleide- und Sanitärräume, eine Sauna sowie Kurs- und Gymnastikräume untergebracht werden.

Das geplante Sportvereinszentrum beruhe auf einem „generationenübergreifenden Konzept mit familienfreundlicher Ausrichtung“, versicherte Jutta Rühle, die Leiterin der Turnerabteilung. Vor allem bei der Bewegungslandschaft handle es sich „um etwas, was es hier bisher noch gar nicht gibt“. Sie sei nicht einfach nur ein Indoor-Spielplatz für Kinder, sondern biete auch für Erwachsene ideale Trainingsmöglichkeiten.

Vorgesehen sind Trainings-, Kurs- und Begegnungsräume plus Sauna

Es gebe allein 90 Turnvereine im Landkreis; bei ihnen handle es sich um potenzielle Interessenten, die sich in die Bewegungslandschaft einmieten könnten – neben den Weinstädter Schulen, die auf der Grundlage eines Gemeinderatsbeschlusses vom 26. Oktober 2017 für jährlich 37 Wochen an 20 Wochenstunden die Bewegungslandschaft und an 15 Wochenstunden die Gymnastikräume nutzen werden.

Laut Finanzvorstand Alexander Haga beliefe sich das Gesamtinvestitionsvolumen für den Verein auf 6,475 Millionen Euro. Davon würde die SG an Eigenmitteln 900 000 Euro aufbringen, die Zuschüsse des Württembergischen Landessportbundes beliefen sich auf 398 000 Euro, 100 000 erhoffe man sich aus Spenden, die restlichen 5,077 Millionen müssten über Bankkredite aufgebracht werden. Man erwarte im dritten Betriebsjahr aus den Reihen der 4000 Vereinsmitglieder tausend zahlende Nutzer für das Zentrum, so dass man vom vierten Betriebsjahr an Gewinne einfahren und mit der Schuldentilgung beginnen könne.

In der abschließenden, äußerst lebhaften Fragerunde mit Vorsitzendem Klaus Silbernagel schälte sich heraus, dass neben den Weinstädter Schulen als Nutzer des neuen Zentrums die SG-Vereinsmitglieder angesprochen werden sollen, die über ihren Mitgliedsbeitrag hinaus eine monatliche Gebühr von aktuell angepeilten 50 Euro bezahlen, „für ein zusätzliches Angebot, das attraktiver ist als alles, was bisher in den Weinstädter Sporthallen geschah“, so Alexander Haga. Ein erhoffter Nebeneffekt bestehe darin, „die knappen Hallen für den Ballsport freizumachen.“

Ihm liege die Zukunft der Weinstädter Vereine und des Sports sehr am Herzen, rechtfertigte Oberbürgermeister Michael Scharmann seine und die städtische Unterstützung für das Bauprojekt. Ohne das geplante Zentrum werde das vielschichtige Sportangebot auf Dauer nicht zu halten sein.

Mit den zu erwartenden Einnahmen schaffe sich die SG Weinstadt den nötigen finanziellen Spielraum, um qualitativ hochwertiges Personal zu erhalten und aktiv auf die Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren. Da die Hallenkapazität in Weinstadt angespannt sei, werde die Stadt ein zuverlässiger Mieter sein.

Auf die spontan aus dem Saal in die Runde geworfene Frage von Volker Unger („Und was ist mit einer Schwimmhalle?“) musste der OB allerdings passen: Es sei offen, ob und was überhaupt je gebaut werden könne.


Eröffnung 2020

Vorausgesetzt, die Mitglieder stimmen zu, sollen die Bauarbeiten für das Sportvereinszentrum im Sommer 2019 beginnen. Die Eröffnung ist für Herbst 2020 vorgesehen, „wenn die Sportler aus dem Freien zurück unter die Hallendächer drängen“, so SG-Vorsitzender Klaus Silbernagel.