Weinstadt

Slams gegen Sucht

PoetrySlamer
Philipp Stengel (links) und Valentin Roth, Elftklässler am Weinstädter Remstal-Gymnasium, haben den Poetry-Slam im Beutelsbacher Jugendhaus gewonnen. Titel ihres Textes: In vollen Zügen. © Benjamin Büttner / ZVW

Weinstadt. Sie haben mit ihrem Text zum Thema Sucht die Jury am stärksten beeindruckt: Philipp Stengel und Valentin Roth haben am Montagabend den Poetry-Slam im Beutelsbacher Jugendhaus gewonnen – und dafür 200 Euro Preisgeld erhalten. Zweiter wurde Lam Le, der dritte Platz ging an Lena Baumann, Chrysi Blank und Jessica Thiel.

Video: " Poerty Slam - kann süchtig machen" Wettbewerb in Weinstadt

„Aufstehen, nicht ohne können, auf die Straße gehen, nicht ohne wollen, andere sehen, unerträglich. Ein Leben ohne? Nicht mal dran denken. Was ist es, woran sie ihre Gedanken verschwenden, die sie meinen mich durch den Alltag zu lenken. Wenn der Moment stillsteht und alles um das eine geht, das mich bewegt. Wie konnte es so weit kommen?“ Philipp Stengel und Valentin Roth tragen ihren Text abwechselnd vor, geschrieben haben ihn die beiden Elftklässler aus dem Literatur- und Theaterkurs des Remstal-Gymnasiums selbst. Sie arbeiten mit Pausen und rhetorischen Stilmitteln, betonen sinnvoll und beweisen auch Humor. Etwa gleich zu Beginn, als sie sich selbst kurz vorstellen und sagen, dass sie zwischen 16 und 18 Jahre alt sind und überraschenderweise auch aus dem Literatur- und Theaterkurs des Gymnasiums stammen, so wie 80 Prozent der Teilnehmer beim Poetry-Slam des Stadtjugendreferats. Bei der Jury hat der Text mit dem Titel „In vollen Zügen“ jedenfalls am meisten Eindruck hinterlassen. Lohn der Mühen für die beiden Sieger: immerhin 200 Euro Preisgeld.

Vierköpfige Jury hat aus fünf Beiträgen die besten drei gekürt

Lam Le wurde beim Poetry-Slam im Beutelsbacher Jugendhaus mit seinem Text „Joints, Pipe, Blunts und Bong“ Zweiter und erhielt 100 Euro, Lena Baumann, Chrysi Blank und Jessica Thiel teilen sich als Drittplatzierte 50 Euro. Ihr Text trug den Titel „Endlich Wochenende“. Ebenfalls mitgemacht hatten noch Lejla Pipic, Elena Romail und Sara Mostad („Adrenalin“) sowie Felix Bauhardt und Theodoros Cassapidis („Ohne Titel“). Bewertet wurden die Beiträge von einer vierköpfigen Jury. Zu ihr gehörten Sebastian Striebich (28) und Bernd Klopfer (34), Redakteure beim Zeitungsverlag Waiblingen, Michelle Hellerich (14, Schüler-Multiplikatorin fürs Thema Sucht am Remstal-Gymnasium) sowie Ingo Klopfer (52), der 2001 die „Get Shorties“-Lesebühne gegründet hat. Hier lesen im Großraum Stuttgart regelmäßig Autoren Kurzgeschichten vor, seit 2003 gibt es auch einen Verlag, der jährlich neue Bücher mit den Werken herausgibt. Für die musikalische Unterhaltung zwischendurch sorgte der Stuttgarter Florijan van der Holz, der auf seiner Gitarre eigene Songs spielte, etwa von seiner neuen EP „Mehr als Papier“ (http://florijan-van-der-holz.de).

Allzu viele Regeln gab es bei dem Poetry-Slam für die Teilnehmer nicht. Susanne Kemmer, seit kurzem Schulsozialarbeiterin am Bildungszentrum, stellte sie zu Beginn dem Publikum im Jugendhaus noch mal kurz vor. Maximal acht Minuten durfte ein Beitrag lang sein, bis zu drei Personen durften ihn vortragen und der Text sollte sich kritisch mit dem Thema Sucht auseinandersetzen. Die Drittplatzierten Lena Baumann, Chrysi Blank und Jessica Thiel taten dies zum Beispiel dadurch, indem sie in ihren Text den schleichenden Weg in die Alkoholsucht darstellten. „Ich muss mal hier raus, er sagt, ich trink' zu viel! So ’n Quatsch! Ein Wodka schadet nie. Oder zwei. Oder drei.“

Der Zweitplatzierte Lam Le, der als Einziger allein auftrat, beschäftigte sich mit dem Thema Drogenmissbrauch, ohne zu beschönigen, aber auch mit einer Portion Humor und originellen Formulierungen. „Das Blut in meinem Magen staut sich auf, um herauszusprudeln aus mir hinaus. Kotze, Blut, Pilze, Gras und Wein – schön ist das nicht, ich könnte schreien.“ Dazu stellte sich Lam Le seinem Publikum mit einer dicken Portion Selbstironie vor und vermittelte den Eindruck, sich auf der Bühne richtig wohlzufühlen. Der nächste Poetry-Slam im Jugendhaus ist übrigens schon in Planung – und zwar fürs nächste Jahr.

Fünf verschiedene Beiträge waren im Rennen.