Weinstadt

So verhalten Sie sich auf zugefrorenen Seen

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Wer jemand retten will, der ins Eis eingebrochen ist, kann zum Beispiel wie die Kinder im Kindergarten Halde einen Ball in einem Netz verwenden. Genauso hilfreich sind Äste, Bretter oder Schlitten. Tabu ist es dagegen, direkt die Hand zu reichen – denn dadurch bringt sich der Helfer selbst in Gefahr. © Ramona Adolf

Warten hilft: Gehen Sie nicht gleich an den ersten kalten Tagen aufs Eis – auch wenn der See schon so schön zugefroren aussieht. Verfolgen Sie aufmerksam, was in den Medien über die Eisdicke berichtet wird. Oder rufen Sie direkt beim jeweiligen Rathaus an. Auf einem See muss das Eis mindestens 15 Zentimeter dick sein, auf fließenden Gewässern wie Bächen sogar 20 Zentimeter.

Gehen Sie nicht allein aufs Eis. Im Notfall ist so immer jemand da, der Ihnen helfen und den Notarzt rufen kann.

Hören Sie ein Knistern und Krachen, wenn Sie auf dem Eis unterwegs sind? Dann gibt es nur noch eins zu tun: Gehen Sie schnell zurück ans Ufer.

Sie sind bereits auf dem Eis und drohen einzubrechen? Dann legen Sie sich flach hin und bewegen Sie sich vorsichtig Richtung Ufer – und zwar auf dem Weg, auf dem Sie hergekommen sind.

Wenn das nichts mehr bringt, sollten Sie um Hilfe rufen. Die Menschen in Ihrer Nähe sollten Ihnen dann beispielsweise eine Leiter, ein Brett, einen Ast oder einen Schlitten reichen, an dem Sie sich festhalten können. Auf diese Weise können Sie aus dem Wasser gezogen werden. Danach gilt: Lassen Sie sich Decken und trockene Kleidung bringen, damit Sie nicht weiter auskühlen, bis der Notarzt kommt. Und trinken Sie auf keinen Fall Alkohol, das entzieht Ihrem Körper nur weitere Wärme.


Damit das Schlittschuhlaufen auf dem See nicht tödlich endet, bietet die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft in Kindergärten Trainings an. Hier lernt der Nachwuchs, welche Regeln es auf dem Eis zu beachten gilt – und was im Notfall zu tun ist. Der Kindergarten Halde hat am Montag an dem kostenfreien Kurs teilgenommen.

„Wer möchte als Erster im Eis einbrechen?“ Lukas Kammerer (19) guckt in die Runde der 20 Kindergartenkinder. Die kleine Melanie meldet sich freiwillig, auch nach der Retterin muss nicht lange gesucht werden. Das übernimmt Ella, die sogleich zeigen muss, was sie vorher gelernt hat – freilich nicht an einem echten See, sondern im Trockenen. Melanie geht in die Mitte des Zimmers, legt sich auf den Boden und ruft um Hilfe. Und Ella zögert nicht lange: Sie wirft Melanie einen Ball zu, der sich in einem Netz befindet, und zieht sie damit zu sich. Mission bestanden.

Leichtsinn kann tödlich enden

Von Lukas Kammerer gibt es dafür Lob. Zuvor hat er den Kindern noch erklärt, dass so ein mit Luft gefüllter Ball in einem Netz eine tolle Sache ist – denn der bleibt immer schön an der Wasseroberfläche. Wobei es natürlich auch genug andere Dinge gibt, mit denen ein Mensch, der ins Eis eingebrochen ist, ans rettende Ufer gezogen werden kann – seien es Rettungsringe, Schlitten, Äste, Leitern oder Bretter. Lukas Kammerer weiß, von was er spricht: Für die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) klärt er Kindergartenkinder darüber auf, welche Risiken es auf gefrorenen Gewässern gibt – und was im Ernstfall zu tun ist. Denn der Ausflug aufs Eis kann tödlich enden. Nach Angaben der DLRG sind allein 2015 in Deutschland 488 Menschen ertrunken, wobei in dieser Zahl natürlich auch die Badeunfälle in der warmen Jahreszeit enthalten sind. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft bietet deshalb im Sommer und Winter kostenfreie Trainings für Kindergärten an, die spielerisch über die Risiken aufklären. Der Kindergarten Halde in Endersbach hat das Angebot wahrgenommen und rund 20 Kinder passend zur Jahreszeit über die Gefahren auf gefrorenen Seen aufklären lassen.

Nie allein an einen zugefrorenen See gehen

Etwa zwei Stunden hat Lukas Kammerer, der bei der DLRG seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert, die Mädchen und Jungs trainiert – unter anderem durch ein Puppentheater, Lieder und praktische Übungen. Der 19-Jährige macht den Kindern klar, dass sie nie allein an einen zugefrorenen See zum Schlittschuhfahren gehen sollten. Freunde sollten mindestens dabei sein, im Idealfall ein Erwachsener. Wenn dann wirklich ein Kind einbricht, dann kann der Erwachsene sofort die 112 wählen. Zugleich kann er versuchen, das Kind mit Hilfe eines Asts, Schlittens oder zu einer Leine zusammengebundener Jacken aus dem kalten Wasser zu retten. „Wenn wir versuchen, es mit der Hand rauszuziehen, dann brechen wir auch ein“, erklärt Lukas Kammerer. Danach ist erst mal Aufwärmen angesagt, idealerweise mit Tee und einer warmen Decke. „Eure Eltern haben alle eine im Auto.“ Die Rettungsdecke gehört nämlich zur Grundausstattung eines Verbandskastens, der in jedem Auto Pflicht ist. Damit die Kinder die Regeln rund ums Verhalten auf gefrorenen Seen nicht so schnell vergessen, gibt ihnen Lukas Kammerer Comics und ein Malbuch mit auf den Weg.

Info

Wollen Sie auch, dass Lukas Kammerer von der DLRG oder einer seiner Kollegen an Ihren Kindergarten kommt? Dann rufen Sie ihn unter 07 11/53 50 25 an oder mailen ihm (bfd@wuerttemberg.dlrg-jugend.de).