Weinstadt

So werden Sie zum Gedächtniskünstler

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Markus Hofmann Gedächtnistrainer Gedächtnis Wetten Dass_0
Gute Stichworte zu finden, ist der Schlüssel für Gedächtnisstützen, sagt Markus Hofmann – und empfiehlt, Spickzettel zu schreiben. © Palmizi/ZVW
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Gedächtnis
Bewegungen helfen, sich Infos einzuprägen. © Alexandra Palmizi

Weinstadt. Bundespräsidenten, Hauptstädte, Jahreszahlen; Telefonnummern, fachliche Informationen und Einkaufslisten: Schüler und Erwachsene müssen sich im Alltag viel merken. Vieles vergessen sie jedoch. Das muss nicht sein, sagt Gedächtnistrainer und Autor Markus Hofmann, bekannt aus der TV-Sendung „Wetten, dass“. Alles, was Sie brauchen, ist ein bisschen Fantasie; die Bereitschaft, zu wiederholen; und einhundert „mentale Briefkästen“.

Mentale Briefkästen sind Punkte, an denen Informationen abgelegt werden. Zehn davon können allein am Körper angebracht werden: die Eins an den Zehen, dann folgen die Knie, Oberschenkel, Hinterbacken, Hüfte, Brust, Schultern, Kehle, Stirn und Haare. Mit diesen Stellen werden der Reihe nach Vorstellungen der Dinge verbunden, die sich einprägen sollen. Je übertriebener, absurder, schmerzlicher, lustiger, gruseliger oder auch erotischer die Bilder, desto besser bleiben sie im Gedächtnis haften.

Ein Einkaufszettel sähe dann vielleicht so aus: „Auf die Zehen ist mir ein Hammer gefallen, an dem ein Apfel wächst; am Knie habe ich ein Euter, aus dem immer um zwölf Uhr mittags Apfelsaft spritzt; meine Oberschenkel schrubbt ein Gartenzwerg im Tütü mit einem Küchenschwamm“, und so weiter. Wenn die Bilder noch mit Bewegungen oder Geräuschen verbunden werden, prägen sie sich noch besser ein.

Vorstellungen "merk-würdig" machen

Das ist die erste Übung, die Markus Hofmann Oberstuflern des Remstal-Gymnasiums am Montag gezeigt hat: Vorstellungen „merk-würdig“ zu machen, besonders und einprägsam. „Ich möchte euch die besten Techniken der Gedächtnisweltmeister zeigen“, kündigte er an – und überraschte die Schüler mit fantasievollen Merkhilfen.

Eingeladen wurde der Gedächtnistrainer vom Elternbeirat der Schule. Einen „Gedächtnistag“ organisierten die Räte: Vormittags hat Hofmann Schülern Lerntechniken gezeigt; am Abend konnten Erwachsene ihn in der Jahnhalle erleben. Dem einen oder anderen ist der 42-Jährige von der ZDF-Sendung „Wetten, dass“ bekannt. 2005 trat er dort als Trainer einer Elfjährigen auf. Die Wette: Nach vier Stunden Üben würde das Mädchen einhundert schottische Clans am Muster ihrer Kilts erkennen. Sie gewann.

Jeder kann sein Gedächtnis so schnell und intensiv schulen wie das junge Mädchen, daran lässt der 42-Jährige keinen Zweifel. Alles, was es braucht, sind einhundert mentale Briefkästen. Die ersten zehn am Körper; die nächsten zehn zum Beispiel im Bade-, Schlaf- oder Arbeitszimmer, im Auto oder auf dem Weg zur Arbeit. Wer diese Orte im Geiste im Uhrzeigersinn oder geradeaus abgehen kann, kann sie mit verschiedenen Stichworten verknüpfen.

Im Tornetz hängen Nixen

In der Sporthalle zum Beispiel lässt er US-Präsidenten ab Eisenhower aufzählen. Bild Nummer eins: mit einem Eisen auf eine Tafel zu hauen (Eisenhower). Bild vier: Im Tornetz hängen Nixen (Nixon). Bild sieben: Im Geräteraum regnet es. (Reagan). Und so weiter.

Auch Jahreszahlen oder Telefonnummern können mit Bildern im Kopf bleiben. Zuerst werden diese in Zweier-Paare aufgeteilt und den Räumen zugeordnet. Nehmen wir zum Beispiel den 4. November 2008: den Tag, an dem Barack Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten gewählt wurde. Für 04 (also vier) stünden dann am Körper beispielsweise die „vier Buchstaben“, aka der Hintern. Ort 11 wäre die Tafel in der Sporthalle, 20 das Rednerpult in der Sporthalle. 08 ´läge am Körper: die Kehle.

Mit Worten spielen und Geschichten erfinden

Um diese mentalen Briefkästen wird nun eine Geschichte gesponnen: zum Beispiel eine von Obama, dem die Hose vom Hintern rutscht, als er einen Hamster auf die Tafel malt. Peinlich berührt rafft er seine Hosen und versteckt sich hinterm Rednerpult, während es ihm vor Schreck die Kehle zuschnürt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – Hauptsache, die Glieder der Geschichte greifen so gut ineinander, dass einzelne nicht unbemerkt unter den Tisch fallen können.

Alle Räume und Orte können mehrfach belegt werden. Allerdings: Damit die Informationen ins Langzeitgedächtnis übergehen, müssen sie wiederholt werden. Erst nach vierzig Minuten; dann nach einem Tag; dann über die nächsten zwei, drei Tage hinweg; noch einmal nach einem Monat; und schließlich nach einem halben Jahr. Grund genug, sich eine Geschichte auszudenken, die noch lange unterhält. Hofmann hat das geschafft: Die Schüler hören ihm zu, lachen, machen mit – und vielleicht werden manche vor der nächsten Prüfung nicht Panik schieben, sondern Geschichten spinnen.


Hörbuch-Aktion

Unsere Leser können Markus Hofmanns Trainings-Hörbuch „Das merk ich mir“ kostenlos herunterladen.


Markus Hofmann

Markus Hofmann, Jahrgang 1975, war vor seiner Laufbahn als Gedächtnistrainer im Bankwesen tätig: erst im Bereich von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, später im Werbe- und Kommunikationswesen.

Zum Gedächtnistrainer und Grundlagenreferenten ist Hofmann nicht zuletzt durch sein Studium geworden. In der Schule sei er „ein fauler Hund“ gewesen, sagt er von sich selbst. Doch als er für Fächer wie Betriebs- und Volkswirtschaftslehre oder Rechnungswesen pauken musste, begann er, sein Gedächtnis zu schulen. Er zeigte Kommilitonen seine Tricks. „Da ist dann eins zum anderen gekommen.“

Seine Kniffe gibt er als sogenannter „Keynote Speaker“ (Grundlagenreferent) in Vorträgen weiter. An 130 Tagen im Jahr stehe er vor Publikum, berichtet er: bei Fortbildungen für Verkaufsmitarbeiter, bei Kundenveranstaltungen von Firmen, bei Kongressen, Symposien und Messen. Zehn der Tage seien für Schulen reserviert.

Auch Sachbücher, Aufsätze und Trainings-CDs zum Thema Gedächtnistraining und Gehirn hat Hofmann verfasst. Besonders stolz ist er auf den Titel „Hirn in Hochform“, seinen Angaben nach ein Bestseller: Mehr als 50 000 Exemplare seien verkauft worden.

Ausgezeichnet wurde er unter anderem als Certified Speaking Professional (zertifizierter Berufsredner), im Fachmagazin „Training“ als Top-Speaker der Jahre 2014 und 2017 sowie mit dem Deutschen Weiterbildungspreis 2014.