Weinstadt

Stadt will Metzgeräcker kaufen

Stadt will Metzgeräcker kaufen
Sie wollen Gewerbe in den Metzgeräckern ansiedeln (von links): Liegenschaftsamtsleiter Karlheinz Heinisch, Oberbürgermeister Michael Scharmann und Baubürgermeister Thomas Deißler. Das Bild ist vor der Corona-Pandemie im April 2019 entstanden. © ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt-Endersbach. Elf Jahre sind die Pläne für ein CO2-neutrales Gewerbegebiet in den Metzgeräckern alt – nun unternimmt Weinstadt einen neuen Anlauf: Die Stadt wird 2019 mit den Eigentümern wieder Verhandlungen aufnehmen. Erst vor einigen Wochen hatte der Gemeinderat die Verwaltung dazu beauftragt.

Nicht alle Stadträte fanden das Konzept damals gut – aber eine Mehrheit stimmte 2008 für die Idee eines CO2-neutralen Gewerbegebiets in den Metzgeräckern. In aller Konsequenz würde das bedeuten, dass dort am Endersbacher Ortsrand nur Firmen erlaubt wären, die die gleiche Menge an Kohlenstoffdioxid, die sie bei der Nutzung von Öl oder Gas ausstoßen, durch erneuerbare Energien einsparen. Beim jüngsten Ortstermin mit Liegenschaftsamtsleiter Karlheinz Heinisch, OB Michael Scharmann und Baubürgermeister Thomas Deißler zeigte sich indes, dass die Verwaltungsspitze nicht nur auf den CO2-Ausstoß schauen will, sondern auch auf andere Faktoren.

„Speditionen sind da nicht im Fokus“

So soll es den Firmen zum Beispiel angerechnet werden, wenn sie ihre Mitarbeiter darin unterstützen, mit E-Bike oder über ein Carsharing-Fahrzeug zur Arbeit zu pendeln. Möglich wäre auch, dass ein Betrieb die Abwärme des Nachbarunternehmens nutzt, um zu heizen. Umgekehrt wollen Scharmann, Deißler und Heinisch aber nicht verlangen, dass alle Firmen nun Passivhäuser errichten müssen. Die Marschroute lautet eher, dass es ein Gewerbegebiet werden soll, in dem möglichst wenig CO2 verbraucht wird. Das Etikett „CO2-neutral“ soll schließlich die Ansiedlung von Firmen auch nicht erschweren.

Wichtig ist den Entscheidungsträgern vor allem, dass Firmen nach Weinstadt kommen, die nicht viel Verkehr mit sich bringen. „Speditionen sind da nicht im Fokus“, stellt Deißler klar. Ebenso wenig Recyclingbetriebe und Firmen mit großen Lagerflächen, ergänzt Heinisch. Zu laut darf es nicht werden, auch mit Rücksicht auf das Wohngebäude, das in der Mitte des 5,8 Hektar großen Areals steht.

Die Gärtnerei, die sich dort einmal befand, ist längst stillgelegt und könnte zurückgebaut werden. Sie ist nicht zu verwechseln mit Begonien Hayler: Dieser Betrieb liegt auf der anderen Seite der Straße und in Nachbarschaft des künftigen Wohngebiets Halde V.

Alle Eigentümer sollen den gleichen Quadratmeterpreis erhalten

Funktionieren kann der Plan nur, wenn die Eigentümer der Grundstücke in den Metzgeräckern mitziehen. 2013 fanden zuletzt Verhandlungen statt, nun will es die Stadt erneut versuchen. „Damals hatten wir natürlich einen Preis in den Raum gestellt. Der muss heute noch mal überdacht werden“, sagt Amtsleiter Heinisch. Klar ist: Es soll wieder das 2013 beschlossene Weinstädter Aufkaufmodell greifen. Alle Eigentümer sollen den gleichen Quadratmeterpreis geboten bekommen.

Wenn die Stadt dann wirklich alle Grundstücke hätte, würde ein Bebauungsplanverfahren laut Baubürgermeister Deißler rund zwei Jahre dauern. Für die Erschließung rechnet er mit drei Jahren.


Auch in Planung: Gewerbegebiet Kreuzäcker

Neben den Metzgeräckern in Endersbach gibt es in Weinstadt noch ein weiteres Gebiet, in dem die Stadt Gewerbe ansiedeln will: die Kreuzäcker am Großheppacher Ortsrand (Richtung Grunbach). Hier, sagt Baubürgermeister Thomas Deißler, sei die Zahl der Eigentümer sehr überschaubar. „Da hängt es an einer Person, die generell nichts verkaufen will.“

Der Gemeinderat hat die Stadt indes auf Antrag der Freien Wähler jüngst beauftragt, nicht nur in Sachen Metzgeräcker, sondern auch bei den Kreuzäckern wieder die Verhandlungen aufzunehmen – und zwar noch in diesem Jahr. Genau das will die Stadt laut Baubürgermeister Thomas Deißler auch machen. Übrigens: Alle vier Fraktionen haben den Antrag unterstützt.