Weinstadt

Stadtranderholung in Weinstadt: Wie kommt das eingeschränkte Angebot an?

Stara
In den ersten zwei Tagen ging es erst mal ums Kennenlernen, etwa beim T-Shirt-Färben. © Gabriel Habermann

Singen, Tanzen, Toben – wegen der Corona-Pandemie sind bestimmte Aktivititäten bei dem städtischen Ferienprogramm „Stadtranderholung“ (Stara) dieses Jahr nicht möglich. Zumindest nicht innerhalb der Prinz-Eugen-Halle. Das Angebot ist also zwangsläufig eingeschränkt. Dennoch ist Benjamin Orner mit der aktuellen Situation und damit, dass die Stara überhaupt stattfinden darf, sehr zufrieden. „Bis zum 1. Juli wäre es ganz anders gewesen“, sagt der Leiter des Hauses der Jugendarbeit in Weinstadt, der auch die Stadtranderholung organisiert. Daher ist der 33-Jährige froh über die Lockerungen. Denn sonst wäre die Stara wohl noch viel eingeschränkter gewesen, hätte alles in festen Kleingruppen angeboten werden müssen, Gemeinschaftsaktionen mit allen Teilnehmenden wären nicht möglich gewesen.

Eltern dürfen in die Halle nicht rein

Dennoch gelten auch jetzt bestimmte Regeln: So müssen die 47 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren, die dieses Jahr an dem Programm teilnehmen, beim Betreten der Halle ihre Hände waschen oder desinfizieren. Vor und in der Halle hängen überall Plakate, die auf die Corona-Regeln aufmerksam machen. Hinein dürfen nur Mitarbeiter, Teilnehmer und Lieferanten – sogar den Eltern ist der Zutritt nicht erlaubt. Immerhin: Auf den sonst überall gebotenen Abstand zueinander müssen die Kinder bei der Stara nicht achten. Auch eine Maske müssen sie nicht tragen – außer im Bus, der sie zur Stara bringt.

Singen und lautes Sprechen sind verboten

Was den Kindern bestimmt nicht immer leichtfällt: Singen und sogar lautes Sprechen sind verboten – weil dabei mehr Aerosole freigesetzt werden und damit das Ansteckungsrisiko steigt. Wenn Leiter Benjamin Orner Ansagen an alle machen muss, nutzt er deshalb ein Mikrofon.

Typische Stara-Aktivität, nicht nur in diesem Jahr, ist kreatives Gestalten: So basteln die Kinder eigene Sparschweine oder Spielkarten. Am Montag wurden erst einmal Buttons gebastelt. Auf die Knöpfe zum Anstecken haben die Kinder ihre Namen geschrieben. Am Dienstag geht es mit T-Shirts weiter. Mit der Batik-Technik färben die Teilnehmer die weißen Oberteile ein. Das weiße T-Shirt wird mit Schnüren sehr fest gebunden. Dann legen die Mädchen und Jungen das T-Shirt in heißes Wasser und mischen eine beliebige Farbe hinzu. Jetzt ist geduldiges Warten angesagt: Erst nach einer Stunde dürfen sie das dann bunte Oberteil aus dem Farbwasser rausnehmen.

Geschwister werden in einer Gruppe untergebracht

Doch das Schnüren liegt noch nicht allen. Auch der neunjährige Lenni ist etwas verunsichert. Er fragt den Leiter der Stara, wie er sein T-Shirt zu binden hat. „Was passiert, wenn ich das so mache?“, fragt Lenni und hält sein T-Shirt zusammengeknüllt in der Hand. „Also es wird immer cool“, antwortet Benjamin Orner. „Denn jedes T-Shirt ist ein Einzelstück.“ Lenni ist das erste Mal bei der Stara. Auch seine Geschwister Levin (10) und Lucy (8) sind dabei – sie sind alle in derselben Gruppe. „In der ‘Seesterne’-Gruppe haben wir Geschwisterkinder untergebracht“, erklärt Benjamin Orner.

Motto: Unter Wasser

Darüber hinaus gibt es noch die „Delfine“, „Haie“, „Yellow Water“ und „Algen“ – das Motto „Unter Wasser“ macht sich hier bemerkbar. Damit die Kinder in einer Gruppe sich zunächst untereinander kennenlernen, bleiben sie bei den Aktivitäten in den ersten beiden Tagen unter sich. Ab Mitte der Woche mischen sich die Gruppen, dann stehen etwa auch Fußballspielen, Trommeln, und Hip-Hop-Tanz auf dem Programm. Und eine „Piratenschnitzeljagd“ in den Weinbergen.

Bei sportlichen Angeboten gilt die Corona-Verordnung zu Sportstätten, das heißt: Alles Sportliche soll nach Möglichkeit draußen stattfinden, so die städtische Pressestelle.

Keine Übernachtung

Was ist noch anders bei der diesjährigen Stara? „Das Übernachten ist abgesagt“, sagt Benjamin Orner. Normalerweise haben die Teilnehmer vom vorletzten auf den letzten Tag eine Übernachtungsparty veranstaltet. Das geht diesmal nicht. Auch die abschließende Ausstellung der gebastelten Werke findet dieses Jahr coronabedingt nicht statt.

"Das verursacht leider viel Plastikmüll"

Und bei der Verpflegung müssen ebenfalls Kompromisse gemacht werden: Während in den vorherigen Jahren zwischendurch beispielsweise mal Apfelstücke verteilt wurden, bekommen die Kinder nun einzeln verpackte Nussmischungen. „Das verursacht leider viel Plastikmüll“, sagt Kathrin Müller, die zum elften Mal als Küchenhelferin bei der Stara dabei ist. Und zum Nachtisch gibt es statt Obst häufiger Joghurt oder Kuchen, so die 56-Jährige. Hygiene hat bei dieser Stara Vorrang.

Aus den sonst üblichen drei Mahlzeiten pro Tag ist nun ein Mittagessen geworden, bei dem alle Teilnehmer zusammenkommen. Doch auch dabei sitzen die Kinder nur in ihren Kerngruppen zusammen und dürfen untereinander kein Essen tauschen. „Normalerweise versuche ich, mich einmal an jeden Tisch zu setzen“, sagt Leiter Benjamin Orner. Darauf muss er dieses Jahr verzichten.

Und auch beim Trinken gibt es Regeln: Die Kinder dürfen nicht alleine mit ihrem Glas zum Wasserhahn. Der Betreuer füllt eine Kanne mit Wasser und schenkt den Inhalt in die Gläser der Kinder ein. Denn die Küche dürfen nur Kathrin Müller und die Betreuer betreten. Ob es schon Verstöße gegeben hat? Nein, sagt Orner. „Es klappt unglaublich gut.“ Der stellvertretender Leiter Alexander Pampel hat auch eine Erklärung dafür: „Der Vorteil ist, dass die meisten Kinder schon in der Schule waren.“ Und dort die Corona-Regeln kennengelernt haben.

Singen, Tanzen, Toben – wegen der Corona-Pandemie sind bestimmte Aktivititäten bei dem städtischen Ferienprogramm „Stadtranderholung“ (Stara) dieses Jahr nicht möglich. Zumindest nicht innerhalb der Prinz-Eugen-Halle. Das Angebot ist also zwangsläufig eingeschränkt. Dennoch ist Benjamin Orner mit der aktuellen Situation und damit, dass die Stara überhaupt stattfinden darf, sehr zufrieden. „Bis zum 1. Juli wäre es ganz anders gewesen“, sagt der Leiter des Hauses der Jugendarbeit in Weinstadt,

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