Weinstadt

Stadtwerke wollen eigenen Strom: Doch schon bald Solarparks für Weinstadt?

Solar Energie
Solaranlage auf einem Dach in Endersbach: Bald soll es in Weinstadt auch Solarparks geben. © Benjamin Büttner

Krieg in Europa, steigende Energiepreise in allen Bereichen, Hamsterkäufe bei lagerbaren Heizstoffen wie Pellets und Holz - es ist ein doch ziemlich banges Gefühl, mit dem man der kommenden kalten Jahreszeit entgegenblickt.

Trotzdem sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Meier: „Es sind wirklich spannende Zeiten.“ Spannend, weil die Krise auch viele Chancen biete. Chancen, bei den erneuerbaren Energien endlich voranzukommen. Denn die seien die einzige Lösung des Energieproblems, das in Zukunft noch ganz andere Dimensionen annehmen werde, ist er überzeugt.

Abwärme von der Kläranlage, neuer Pufferspeicher

Ziel sei es zum einen, die Fernwärme möglichst schnell auf erneuerbare Energie umzustellen, sagt Thomas Meier. Eine große Rolle spiele dabei die Abwärme der Kläranlage, die hierfür schon bald genutzt werden soll. Außerdem möchten die Stadtwerke ihre Möglichkeiten zur Holzfeuerung vergrößern. Ein weiterer wichtiger Schritt soll der Bau eines „riesigen Pufferspeichers“ werden: „Faktor 20 von dem, was heute da ist“, erläutert der Betriebsleiter.

Aber auch über das hinaus sieht er viele Möglichkeiten zum Ausbau: Weinstadt habe Potenzial, vor allem in Sachen Solar, sagt Thomas Meier: „Wir müssen den Ausbau der Erneuerbaren in massiven, großen Schritten vorantreiben.“ Aktuell läuft bei der Stadt ein Flächensuchlauf für Bereiche, in denen ein Solarpark errichtet werden kann. Aber unabhängig davon seien bereits zwei Flächen ganz konkret im Gespräch, die dafür infrage kommen würden.

Kann im Steinbruch Beutelstein ein Solarpark entstehen?

Zum einen sei das der Steinbruch Beutelstein in Endersbach: Hier werde gerade mit den zuständigen Ämtern und Behörden beim Landratsamt und dem Regierungspräsidium Stuttgart schon abgeklärt, ob die Fläche für einen Solarpark infrage komme. Die Frage sei vor allem, ob man dort überhaupt einen genehmigungsfähigen Photovoltaikpark anlegen könnte - oder ob das die vielen Restriktionen, die es für sämtliche Flächen in und um Weinstadt gebe, schlicht unmöglich machen, so Thomas Meier.

Denn die Haltung der Politik zu solchen Vorhaben im Bereich der erneuerbaren Energien sei immer die gleiche: „Wir brauchen das gestern, aber die Rechtslage gibt es nicht her.“

"Route du Soleil": Wann wird die B 29 mit PV bestückt?

Außerdem sei seit kurzem auch eine Waldwiese im Schnaiter Gewann Vogtshau in der Diskussion. Hier finde demnächst ein Begehungstermin statt. Die Stadtwerke Weinstadt hoffen, dass sich vielleicht schon in naher Zukunft zwei Solarparks auf Freiflächen umsetzen lassen.

Auf längere Sicht gibt es noch ein anderes Projekt, in das der städtische Eigenbetrieb große Hoffnung setzt: die schwäbische „Route du Soleil“ entlang der B 29. Den Impuls für das großflächige Anbringen von Solarpaneelen entlang der Remstal-Bundesstraße im Rems-Murr- wie auch Ostalbkreis hat im Frühjahr das Klimabündnis Weinstadt gegeben, die Idee ist aber schon viel älter: Schon dem verstorbenen SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer schwebte so eine grüne Ader durch das Remstal vor.

Energiekrise als Anreiz für den Ausbau

Auch bei den beiden Landräten stößt diese Idee, auf rund 60 Kilometern von Essingen bis Fellbach Photovoltaikanlagen aufzubauen, auf Zustimmung. Schon im Mai haben sich die Stadtwerke Weinstadt mit den Stadtwerken in Schorndorf und Gmünd zusammengetan, um an einer Umsetzung der Schwäbischen „Route du Soleil“ zu arbeiten.

Trotzdem werde es noch eine ganze Weile dauern, bis man hier mit einem spruchreifen Ergebnis rechnen könne, so Thomas Meier. Dennoch glaubt er, dass die aktuelle Energiekrise auch hier als Beschleuniger wirken könne: Das Interesse von Kommunen wie auch Privatpersonen an regional erzeugtem Strom sei so groß wie noch nie. „Das ist auch immer eine Chance für den politischen Willen, solche Projekte schneller auf die Straße zu bekommen.“

Erzeugte Energie muss auch gespeichert werden 

Viel zu lange habe die Politik immer nur versucht, es allen recht zu machen. Das müsse man sich jetzt dringend abgewöhnen, glaubt der Betriebsleiter. Langfristig könnte es Weinstadt gelingen, durch das Erzeugen von erneuerbaren Energien unabhängiger von den Strompreisen der Börse zu werden, glaubt Meier.

Irgendwann könnten die Solaranlagen in Weinstadt oder auch die entlang der B 29 auch dazu genutzt werden, eigenen Wasserstoff zu produzieren und so Energie auch zu speichern. Damit oder auch mit Biogas könnten dann irgendwann auch die Blockheizkraftwerke betrieben werden, die jetzt noch abhängig vom Erdgas sind.

Krieg in Europa, steigende Energiepreise in allen Bereichen, Hamsterkäufe bei lagerbaren Heizstoffen wie Pellets und Holz - es ist ein doch ziemlich banges Gefühl, mit dem man der kommenden kalten Jahreszeit entgegenblickt.

Trotzdem sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Meier: „Es sind wirklich spannende Zeiten.“ Spannend, weil die Krise auch viele Chancen biete. Chancen, bei den erneuerbaren Energien endlich voranzukommen. Denn die seien die einzige Lösung des Energieproblems, das

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