Weinstadt

Stillstand bei Ex-Mineralbad in Endersbach: Cabrio-Ruine bleibt auch 2021 stehen

Luftbild Cabrio Schwimmbad, Weinstadt-Endersbach, 30.12.2020.
Ein trauriger Anblick, nicht nur aus der Vogelperspektive: Das ehemalige Mineralbad Cabrio ist seit Jahren sich selbst überlassen. © Benjamin Beytekin

Wo früher einmal Schwimmer ihre Bahnen gezogen haben, könnten sie heute höchstens knöcheltief durch ein trübes Süppchen waten. Das „Cabrio“, einst Hallenbad und Freibad in einem, ist seit über einem Jahrzehnt am Verfallen. Immerhin brachte kürzlich eine Rockband Stimmung in die Ruine – mit einem Musikvideodreh, von dem die Stadtspitze nichts gewusst haben will. Wie es weitergeht? Ungewiss.

Denn anders als beim verwilderten Bleistift-Areal in Beutelsbach, das dem Cabrio im Wettstreit um den traurigsten Flecken in Weinstadt mittlerweile Konkurrenz macht, über das aber wenigstens verhandelt wird, ist eine Lösung des Problems in Endersbach nicht absehbar: Beim ehemaligen Mineralbad - ein Neubau an dieser Stelle wurde 2010 per Bürgerentscheid gekippt - tut sich nichts, seit sich der Abbruch 2017 als viel teurer herausgestellt hat als gedacht.

Sicher ist nur: Ein Hallenbad wird es hier nicht wieder geben

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt die Stadtverwaltung mit, die Lage sei „unverändert“. Es gebe „keine Planungen bei der Verwaltung und auch nicht in Beratungen der Gremien, sei es öffentlich oder nichtöffentlich“. Aktuell sei die Stadtentwicklung mit anderen Sachverhalten beschäftigt. „Daher kann gegenwärtig auch keine Angabe über eine künftige Grundstücksnutzung gemacht werden. Bis auf weiteres wird die Fläche für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.“

Was danach geschieht, steht in den Sternen. Nur eines ist sicher, seit der Gemeinderat sich im Herbst für einen Hallenbadneubau am Bildungszentrum ausgesprochen hat: Ein Bad wird es an der Strümpfelbacher Straße nicht mehr geben.

Dafür leben noch mindestens bis Ende dieses Jahres Geflüchtete in den Containern am Haldenbach, eher länger. Im September 2020 hatte der Gemeinderat die Verwaltung damit beauftragt, den entsprechenden Mietvertrag über das Grundstück mit dem Landkreis Rems-Murr bis 31. Dezember 2021 zu verlängern – inklusive einer Option auf ein Mietverhältnis bis Ende 2022. Die Fläche in Richtung Strümpfelbach zwischen Cabrio-Gebäude und Flüchtlingscamp verwildert ungenutzt.

Eine Metalband lässt die Fetzen fliegen

Apropos wild: Im Innern des früheren Mineralbads hat kürzlich eine lokale Metalband die Fetzen fliegen lassen. Am Rande des verlassenen Beckens performten die Musiker der Gruppe „Anga“ ihren Song „Stop these Tears from falling“ (zu Deutsch etwa: Halte diese Tränen auf). Natürlich in kompletter Montur, mit Schlagzeug, E-Gitarre, Bass und Mikrofon. Eine Nebelmaschine und grelle Scheinwerfer verliehen dem Ambiente mit den zerbrochenen Fenstern und der von Algen befallenen Brühe im Becken den letzten Schliff. 

Aber gilt für das Cabrio nicht eigentlich „Betreten verboten“? Doch, eigentlich schon. Ein Schild weist draußen auf die Unfallgefahr hin. Die Rocker haben aber nichts Unerlaubtes getan: Sie durften mit einer Genehmigung des Liegenschaftsamts in der Ruine drehen.

Dessen Leiter Karlheinz Heinisch könnte sich dafür einen Rüffel eingehandelt haben: „Die Dreharbeiten im Cabriogebäude wurden vom Liegenschaftsamt gestattet, waren jedoch nicht mit der Verwaltungsspitze abgestimmt“, teilt der Weinstädter Pressesprecher und OB-Referent Holger Niederberger auf Anfrage unserer Zeitung mit. Immerhin: Das Cabrio war nach vielen Jahren mal wieder für etwas gut – und den Weinstädtern bietet sich dank „Anga“ ein exklusiver Blick ins Innere.

Ob es das Thema 2021 überhaupt auf die politische Agenda schafft?

Auf lange Sicht soll das Gelände freilich wieder konstant sinnvoll genutzt werden. Erst wenn man sich darüber im Klaren ist, werden die Abbrucharbeiten geplant. Dass es das Thema in diesem Jahr überhaupt auf die kommunalpolitische Agenda schafft, ist allerdings unwahrscheinlich.

Isolde Schurrer, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Gemeinderat, verweist auf die heikle Finanzsituation: „Wir haben einfach zu wenig Geld und es gibt zu vieles, was größere Priorität hat.“ Dabei denkt Schurrer unter anderem an die Schulerweiterungen, die Beutelsbacher Ortsmitte oder die Neugestaltung der Einkaufsstraße.

Ihr Kollege Manfred Siglinger von der OGL fordert dennoch: „Es muss jetzt weitergehen mit den Überlegungen“. Er könnte sich im Hinblick auf den steigenden Bedarf an Pflegeplätzen auf dem Cabrio-Gelände zum Beispiel ein Quartier für Demenzkranke vorstellen – in direkter Nachbarschaft des Otto-Mühlschlegel-Hauses.

Nicht "abreißen, damit es abgerissen ist"

Synergieeffekte mit Altenpflege und betreutem Wohnen hält auch Ulrich Witzlinger für möglich. Der CDU-Fraktionschef warnt allerdings vor Spekulationen ohne saubere Planungsgrundlage. In Anbetracht anderer Aufgaben für die Stadt ist seine Befürchtung, dass beim Cabrio bis auf weiteres alles bleibt, wie es ist. „Auch wenn ich verstehe, dass so eine Ruine eine Belastung darstellt“, er empfinde das selbst genauso.

Aber, sagt auch Julian Künkele, der SPD-Fraktionschef: „Abreißen, damit es abgerissen ist“, das sei nicht zielführend. Jetzt, da die Entscheidung für ein Weinstädter Hallenbad am Bildungszentrum gefallen sei, sollte jedoch so bald wie möglich die Planung starten.

Wo früher einmal Schwimmer ihre Bahnen gezogen haben, könnten sie heute höchstens knöcheltief durch ein trübes Süppchen waten. Das „Cabrio“, einst Hallenbad und Freibad in einem, ist seit über einem Jahrzehnt am Verfallen. Immerhin brachte kürzlich eine Rockband Stimmung in die Ruine – mit einem Musikvideodreh, von dem die Stadtspitze nichts gewusst haben will. Wie es weitergeht? Ungewiss.

Denn anders als beim verwilderten Bleistift-Areal in Beutelsbach, das dem Cabrio im Wettstreit

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