Weinstadt

Straßenbeleuchtung: Dunkle Nächte keine Lösung für Weinstadt

Straßenbeleuchtung
Auch historische Laternen wie hier in Strümpfelbach werden auf sparsame LEDs umgerüstet. © Benjamin Büttner

Im zweiten Anlauf hat im Weinstädter Gemeinderat zum Thema mögliche Abschaltung der Straßenbeleuchtung doch noch eine sachliche und zielführende Diskussion stattfinden können.

Das Thema polarisiert - und wirft technische Fragen auf

Diese verlief zwar nicht so, wie die GOL-Fraktion als Antragsteller sich das vielleicht erhofft hatte - aber die Stadtverwaltung konnte dabei mit interessanten Informationen zur Technik hinter der nächtlichen Beleuchtung aufwarten, die schnell klarmachten: Eine örtlich begrenzte Abschaltung wäre in Weinstadt ohne weiteres gar nicht möglich.

„Es ist ein Thema, das sehr polarisiert“, leitet Oberbürgermeister Michael Scharmann die Beratung ein. GOL und Baubürgermeister Thomas Deißler waren wegen ihrer grundlegend verschiedenen Sichtweisen aneinandergeraten, als die Fraktion den Antrag Ende November in einer öffentlichen Sitzung gestellt hatte. Deißler unterstellte dem GOL-Fraktionsvorsitzenden eine „unmenschliche Sichtweise“, die Fraktion konterte mit einem offenen Brief, in dem sie den persönlichen Angriff anklagte.

Situation in Schorndorf nicht mit der von Weinstadt vergleichbar

„Ich bin ja eher der Sicherheitsdenker“, erklärt Thomas Deißler jetzt seine ablehnende Haltung gegen den Vorschlag. Straßenbeleuchtung überall gebe es noch gar nicht so lange, wolle man sich jetzt wieder - und sei es nur für einige Stunden spät in der Nacht - von dieser Errungenschaft der letzten hundert Jahre verabschieden, „dann wird es für alle Verkehrsteilnehmer gefährlicher, dann ist es nicht mehr so einfach mit dem sicheren Heimweg, der uns allen so wichtig ist“.

Der Vergleich mit Schorndorf, wo die Straßenbeleuchtung in den Anliegerstraßen bereits ab Mitternacht abgeschaltet wird, hinke ebenfalls: Dort sei dieser Schritt als eine von vielen recht drastischen Sparmaßnahmen zu sehen, die die Schorndorfer Stadtverwaltung ergreifen müsse, um trotz sehr hoher Schuldenlage überhaupt einen genehmigungsfähigen Haushalt aufgestellt zu bekommen, ordnet der Erste Bürgermeister ein. „Das ist eine ganz andere Situation als bei uns.“

Wäre die Stadt für nächtliche Stürze verantwortlich?

Einmal ganz davon abgesehen, dass es seiner Meinung nach jetzt auch auf emotionaler Ebene ein ganz falscher Impuls an die Weinstädter wäre, mitten in der Krisenzeit nachts auch noch das Licht auszuknipsen, sprächen auch rechtliche wie technische Details gegen die Maßnahme: Zunächst müsse die Stadt dann eine Gefahrenanalyse starten, die sei aufwendig und koste Geld.

Thomas Deißler legt außerdem im Gegensatz zur antragstellenden Fraktion die in Baden-Württemberg geltende Beleuchtungspflicht recht eng aus: Seiner Meinung nach reiche der Energiespargedanke eben nicht aus, um als Kommune eventuelle nächtliche Stürze von Fußgängern auf Gehwegen verantworten zu müssen.

Man müsse da auch einen Perspektivenwechsel machen und an Gastronomen, Zeitungsausträger, Rettungsdienste, Angestellte im Schichtdienst oder Mitarbeiter von Pflegeberufen denken, die aus beruflichen Gründen zu diesen Uhrzeiten unterwegs sein müssen. Auch für parkende Autos zum Beispiel in den Wohngebieten wäre eine Abschaltung demnach ein Problem: „Dann darf man das Auto da nur noch abstellen, wenn das Standlicht an ist.“

Beleuchtung ist in feste Schaltkreise unterteilt

Doch selbst solche Überlegungen funktionieren nur in der Theorie, denn von rein technischer Seite wäre eine teilweise Abschaltung, bei der Hauptstraßen, Fußgängerüberwege und andere Gefahrenstellen ja nach Vorschrift trotzdem beleuchtet bleiben müssten, in Weinstadt kaum machbar. Das hat mit den einzelnen Schaltkreisen zu tun, in denen sich die Straßenlampen befinden, erläutert Markus Baumeister, Leiter des Tiefbauamts.

Als diese eingerichtet worden seien, habe keiner an eine mögliche Verdunklung gedacht. „In jedem Schaltkreis ist es anders“ - das könne auch bedeuten, dass bei einem Zebrastreifen die Beleuchtung auf den beiden Straßenseiten nicht zusammenhängt: „Die linke Lampe ist im Schaltkreis A und die rechte ist im Schaltkreis B“, beschreibt Baumeister das Problem.

Abschaltung der Straßenbeleuchtung findet in Weinstadt keine Mehrheit

Die Stadträte stimmten schließlich mit einer großen Mehrheit gegen den Antrag der GOL, die partielle Abschaltung der Straßenbeleuchtung zu erproben. „Rational ist die Sache klar“, sagte Julian Künkele (SPD): Wenn’s darum gehe, Energie zu sparen, sei das eine effektive Maßnahme und grundsätzlich zu befürworten - aber die emotionale Seite sei eben auch da und dürfe nicht vernachlässigt werden: Und da müsse seine Fraktion das Sicherheitsempfinden der Bürger höher gewichten.

Dagegen ließ Künkele auch das Argument des GOL-Fraktionsvorsitzenden Manfred Siglinger nicht gelten, dass Studien zufolge Beleuchtung nicht für weniger Kriminalität oder gar mehr Sicherheit in einer Straße sorge. Auch Volker Gaupp (CDU) stufte das Sicherheitsempfinden der Anwohner als besonders wichtig ein - und verwies auf die Tatsache, dass Weinstadt ohnehin gerade auf LED umrüstet.

Ab 21.30 Uhr zurückgefahrene Straßenbeleuchtung

Tatsächlich sollen bis Ende Januar schon 63 Prozent der Laternen auf LED umgestellt sein, informiert Markus Baumeister. Das sei bereits ein deutlich höherer Prozentsatz als in den meisten anderen Kommunen im Kreis.

Außerdem habe die Stadt die halbnächtige Schaltung der Straßenbeleuchtung bereits auf 21.30 Uhr bis Sonnenaufgang ausgeweitet: Dabei geht bei Lampen mit zwei Leuchteinheiten eine Birne aus, bei anderen wird die Leistung zum Beispiel von 70 Watt auf 50 Watt heruntergefahren. Die Stadtverwaltung kündigte an, weitere Energiesparpotenziale dieser Art bei der Beleuchtung zu überprüfen.

Im zweiten Anlauf hat im Weinstädter Gemeinderat zum Thema mögliche Abschaltung der Straßenbeleuchtung doch noch eine sachliche und zielführende Diskussion stattfinden können.

Das Thema polarisiert - und wirft technische Fragen auf

Diese verlief zwar nicht so, wie die GOL-Fraktion als Antragsteller sich das vielleicht erhofft hatte - aber die Stadtverwaltung konnte dabei mit interessanten Informationen zur Technik hinter der nächtlichen Beleuchtung aufwarten, die schnell

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