Weinstadt

Strobl: „Insgesamt sind wir gut aufgestellt“

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Innenminister Thomas Strobl zur Sicherheitslage im Land: „Insgesamt gut aufgestellt“. © Palmizi / ZVW

Remshalden. Was brauchen Unternehmen, damit sie erfolgreich arbeiten können? Gut ausgebildete Mitarbeiter, Geld für Investitionen, ein politisches Klima, das ihren Geschäften wohlgesonnen ist und – Sicherheit. „Sicherheit als Standortfaktor“ stand über der Veranstaltung der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Baden-Württemberg in Remshalden.

Daniel Hackenjos, MIT-Landesvorsitzende, begrüßte im „Flightodrom“ von Claus Paal außer dem Geschäftsführer der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft, Stefan Karl Schotzko, auch Innenminister Thomas Strobl. Stefan Karl Schotzko eröffnete den Abend mit dem schlichten Satz: „Sicherheit ist sicherlich ein heißes Thema.“

Zusammenspiel zwischen privaten Sicherheitsunternehmen und staatlichen Behörden

Und das nicht erst in unserer Zeit. Gegründet wurde die Allianz 1968 als Landesstelle für Betriebssicherheit. Zwar war das noch nicht, wie Schotzko anmerkte, die „Hochzeit des RAF-Terrors“, aber immerhin waren die scheinbar ruhigen Zeiten im Wirtschaftswunderland vorbei.

Die Allianz gibt es heute in der ganzen Republik und sie versteht sich als Berater und Unterstützer der Wirtschaft in Sachen Sicherheit und als Schnittstelle zu den staatlichen Sicherheitsbehörden.

„Betriebliche Sicherheit als Basis für erfolgreiches Wirtschaften wird oft unterschätzt“, meint Schotzko, der in seinen Ausführungen das Zusammenspiel zwischen privaten Sicherheitsunternehmen und staatlichen Behörden als Garant für die Sicherheit nicht nur in Unternehmen betonte.

„Sind ein Spiegel unserer Gesellschaft“

In vielen Gegenden seien, so Schotzko, mehr Revierfahrer privater Sicherheitsunternehmen nachts auf der Straße als Polizisten, „sie tragen wesentlich zur Sicherheit bei“. Dabei ist die Sicherheit in Unternehmen beileibe nicht nur von außen bedroht, meint Schotzko. Die Menschen, die in den Betrieben arbeiten, „sind ein Spiegel unserer Gesellschaft“, demzufolge gäbe es auch unter den Mitarbeitern solche, die die Moral und Ordnung gefährden.

Glaubt man den Zahlen, die Schotzko nannte, sieht es wahrlich düster aus: 25 Prozent der Belegschaft seien im Schnitt „grundehrlich“, 25 Prozent „diebische Elstern“ und die restlichen 50 Prozent „latent unterwegs“. Was bedeute, wenn sich die Gelegenheit zur Tat ergibt, dann verlassen auch sie den Pfad der Tugend.

Korruption und Bestechung

So wird Kopierpapier in rauen Mengen in den Betrieben geklaut, die Mitarbeiter schummeln bei der Zeiterfassung, Korruption und Bestechung sind Probleme, mit denen sich auch der schwäbische Unternehmer rumschlagen müsse. „Es sind 75 Prozent Falsche an Bord, wenn die merken, dass man sie laufen lässt, dann sage ich: Gute Nacht Betrieb.“

Ein großes Aufgabenfeld für die privaten Sicherheitsmenschen, denn die „polizeiliche hoheitliche Gewalt hört fast immer am Werktor auf“. Die Bedrohung für die Sicherheit liegt also nicht nur darin, dass Betriebe von außen angegangen werden, Computer gehackt werden oder eingebrochen wird.

Mitarbeiter können im Betrieb ein Sicherheitsrisiko sein und sind dabei aber ebenso, etwa auf Auslandsaufenthalten, selbst Risiken ausgesetzt. Die Allianz bietet ihren Mitgliedern deshalb auch Unterstützung bei Auslandsreisen an, kümmert sich um die Sicherheit der Mitarbeiter vor Ort, hilft im Krisen- und Katastrophenfall und gibt schon im Vorfeld Einschätzungen ab, wie die Sicherheit im jeweiligen Land zu bewerten ist.

Thomas Strobl: „Wohlstand und Sicherheit für alle“

Thomas Strobl, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, kam gerne nach Remshalden und dankte den Veranstaltern von der Mittelstandsvereinigung für ihr Engagement: „Keine andere Partei hat eine vergleichbare Organisation“, lobte der Minister die Lobbyarbeit.

Strobl war am Wochenende in Berlin, wo er mit am neuen Regierungsprogramm gearbeitet hat, mit dem die CDU in den kommenden Wahlkampf gehen will. Und als hätte man es in Remshalden bei der Veranstaltungsplanung gewusst, steht über dem neuen Programm der CDU das Motto: „Wohlstand und Sicherheit für alle“.

Wirtschaftlich stehe man in Baden-Württemberg bestens da, erklärte der Minister, und auch was die Sicherheit angehe, habe sich, seit die CDU wieder in der Regierung dabei ist, einiges getan.

Nachweislich „gewalteskalierende Wirkung“ der „Body-Cam“

„Insgesamt sind wir gut aufgestellt“, lobte der Minister und wünscht sich baden-württembergische Verhältnisse in der ganzen Republik. Im Ländle beschäftigt man im Vergleich zu den übrigen Bundesländern die wenigsten Polizistinnen und Polizisten und habe dennoch die niedrigste Kriminalitätsrate.

Das liege vor allem an der guten Ausrüstung: So habe man die sogenannte „Body-Cam“ eingeführt, die nachweislich eine „gewalteskalierende Wirkung“ habe, und man hat im Land der Autobauer auch „ordentliche Autos“, um den Verbrechern hinterherzukommen.

Onlinedurchsuchung und präventive Vorratsdatenspeicherung

Im Moment arbeite die Regierung an Änderungen am Polizeigesetz, die, da lobte der Schwarze seinen grünen Koalitionspartner, „so mit keiner anderen Partei bisher durchzusetzen waren“.

Wichtig sei es zukünftig, noch stärker den präventiven Bereich zu stärken, wozu seiner Meinung nach auch so umstrittene Themen wie die Onlinedurchsuchung oder die präventive Vorratsdatenspeicherung gehören.

Innenminister Thomas Strobl zur Sicherheitslage im Land: „Insgesamt gut aufgestellt“. Bilder: Palmizi