Weinstadt

Ukraine-Geflüchtete: Gilt ihre Impfung? Impfarzt aus Weinstadt klärt auf

Manuel Kristen Impfen
Manuel Kristen in seiner Impfambulanz in Endersbach: Auch jetzt noch um die 40 Impfungen pro Tag. © Benjamin Büttner

Anfang Januar hat der aus Endersbach stammende Oberarzt Manuel Kristen im Industriegebiet Endersbach nahe der B 29 eine Impfambulanz eröffnet. Seine Idee damals: ein Impfangebot im Ort zu schaffen mit Impfterminen gerade in den Abendstunden und am Wochenende, ohne lange Wartezeiten in geeigneten Räumlichkeiten.

Ein Vierteljahr später ist der 36-Jährige hier immer noch jeden Tag am Impfen – auch, wenn viele andere Impfstützpunkte im Kreis inzwischen verschwunden sind. Gerade die Thematik der Ukraine-Geflüchteten hat ihn in letzter Zeit beschäftigt.

Viele Impfstoffe zunächst gar nicht anerkannt

Viele Menschen in der Ukraine sind nämlich mit Corona-Impfstoffen aus China oder aus Russland, die in der EU nicht zugelassen sind, geimpft. Zunächst hieß es nämlich vonseiten der Bundesregierung noch, dass nur Impfungen mit in der EU zugelassenen Impfstoffen als solche anerkannt werden: „Nach derzeitiger Rechtslage werden in Deutschland als Impfnachweis für die Einreise und die Zwecke der Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung grundsätzlich nur Impfungen mit in der EU-zugelassenen Impfstoffen anerkannt“, so das Bundesministerium für Gesundheit noch Mitte März.

„Personen, die im Ausland bereits mit nicht in der EU zugelassenen Covid-19-Impfstoffen geimpft wurden, benötigen gemäß aktueller Rechtslage und unter Berücksichtigung der altersentsprechenden Impfempfehlungen eine erneute Impfserie mit einem von der Europäischen Kommission zugelassenen Impfstoff, um in der EU den Status als Geimpfte zu erlangen.“

Neuer Beschluss der Stiko: Vier Impfstoffe als Grundimmunisierung anerkannt

Das hätte für viele ukrainische Geflüchtete bedeutet, dass sie sich trotz meistens bereits vorhandener doppelter Impfung noch einmal vollständig mit einem anderen Impfstoff impfen und boostern lassen hätten müssen, um in Deutschland als immunisiert zu gelten, erklärt Manuel Kristen. Hierzu gibt es jetzt aber Neuigkeiten: „Wer mit Sputnik V oder einem Impfstoff aus China doppelt geimpft ist, gilt teilweise als grundimmunisiert“, sagt der Impfarzt.

Dazu gibt es auch einen Beschluss der Ständigen Impfkommission (Stiko), der im Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 31. März nachzulesen ist. Diese „Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung“ erkennt eine zweifache Impfung mit den nicht in Deutschland zugelassenen Impfstoffen Covaxin (Bharat Biotech), Covilo (Sinopharm), Coronavac (Sinovac) oder Sputnik V (Gamelaya) als Grundimmunisierung an.

Weniger Bürokratie bei der medizinischen Versorgung

Aufbauend empfiehlt die Stiko eine Booster-Impfung mit Biontech oder Moderna. Wer allerdings bislang nur eine Impfdosis oder noch einen anderen, nicht EU-zugelassenen Impfstoff erhalten hat, fängt in Deutschland mit der Immunisierung weiterhin von null an.

Der Oberarzt ist erleichtert, dass die Stiko und das Robert-Koch-Institut den Geflüchteten hier ein Stück entgegenkommen. Insgesamt laufe in der medizinischen Versorgung beim jetzigen Flüchtlingsstrom vieles besser als noch vor sieben Jahren. „Es gilt, dass Ukrainer geimpft werden sollen und geimpft werden dürfen“, erklärt er. Das sei auch ohne weitere bürokratische Hürden möglich. Das sei leider alles andere als selbstverständlich. „Jetzt macht man es einmal richtig“, findet Kristen und hofft, dass dieses Vorgehen im medizinischen Bereich vielleicht auch für Fluchtereignisse in der Zukunft beibehalten werden kann.

Sprachbarrieren selten ein Problem

Bei sich in der Impfpraxis hat der Oberarzt Infomaterial auf Ukrainisch und Arabisch in ausreichender Anzahl ausgedruckt auf Lager. Das RKI stelle aber ohnehin auf seiner Internetseite Material in allen gängigen Sprachen bereit. Insgesamt stelle die Sprachbarriere in der Impfambulanz selten eine Hürde dar. „Die Leute kommen meistens mit einem Dolmetscher.“ Und wenn Englischkenntnisse da seien, sei es ohnehin kein Problem.

Bisher sind bei ihm in der Praxis Stand Donnerstagabend, 7. April, erst zwei Geflüchtete aus der Ukraine geimpft worden: Für die beiden habe die deutsche Gastfamilie einen Termin ausgemacht, sagt Manuel Kristen. Insgesamt sei seit kurzem aber wieder mehr los bei ihm in der Praxis: Das liege aber vielleicht auch daran, dass einige Impfstützpunkte im Kreis in letzter Zeit zugemacht hätten, weil das Interesse an den Impfungen nicht mehr so groß sei, glaubt der 36-Jährige.

Manuel Kristen lobt den Rems-Murr-Kreis

Er möchte die Stellung in Endersbach fürs Erste weiterhin halten. Die Praxis laufe weiterhin gut. „Wir bekommen Hilfe von allen Seiten“, freut sich Manuel Kristen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Team der Cosan-App, über die die Terminvergabe auch in der Impfambulanz zum großen Teil abläuft, funktioniere hervorragend.

Er, der bei seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in einer Klinik in Stuttgart angestellt und selbst wohnhaft in Ludwigsburg ist, habe das in anderen Landkreisen ganz anders miterlebt. „Das ist ein Service vom Landkreis, der seinesgleichen sucht“, lobt er den Rems-Murr-Kreis.

Kein Ansturm auf Novavax

Seit Anfang April bietet er auch Impfungen mit dem Proteinimpfstoff Nuvaxovid von Novavax an: dem jüngsten in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoff, der nicht auf einer mRNA- oder Vector-Technologie basiert, wie die restlichen gängigen Impfstoffe.

Der Ansturm auf den zusätzlichen Impfstoff sei bislang allerdings ausgeblieben. Etwa zehn Personen habe er seitdem mit Nuvaxovid geimpft. Mit drei Impfungen von insgesamt knapp 40 machte das auch am Donnerstag den kleinsten Teil der täglichen Impfungen aus.

Anfang Januar hat der aus Endersbach stammende Oberarzt Manuel Kristen im Industriegebiet Endersbach nahe der B 29 eine Impfambulanz eröffnet. Seine Idee damals: ein Impfangebot im Ort zu schaffen mit Impfterminen gerade in den Abendstunden und am Wochenende, ohne lange Wartezeiten in geeigneten Räumlichkeiten.

Ein Vierteljahr später ist der 36-Jährige hier immer noch jeden Tag am Impfen – auch, wenn viele andere Impfstützpunkte im Kreis inzwischen verschwunden sind. Gerade die

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