Weinstadt

Ukraine-Krieg und Corona-Regeln: Eiscafé Laofe Weinstadt startet in teure Saison

EisdieleLaofe
Fabio Gaudio (links) und seine Frau am ersten Öffnungstag der neuen Saison am Sonntag. © Gaby Schneider

Am Sonntag hat das Eiscafé Laofe in Endersbach den Start in die Saison 2022 gewagt – dabei wollte Betreiber Fabio Gaudio damit eigentlich warten, bis die Corona-Regeln vollends gelockert worden sind und er keinen seiner Kunden mehr kontrollieren muss.

Doch so oder so ist es nun der 20. März geworden. Fabio Gaudio hofft, dass dieses Jahr wenigstens das Wetter mitmachen wird. Denn jetzt schon steht fest: Eine einfache Saison wird es nicht werden - wieder einmal.

Kein Pflanzenöl für den Waffelteig?

Als wir den 41-Jährigen auf seinem Handy erreichen, kommt er gerade aus dem Großhandel, wo er noch die letzten Zutaten eingekauft hat für den Start an diesem Wochenende. Fabio Gaudio ist geschockt: Nicht nur ist alles viel teurer geworden. Fast hätte er außerdem kein Pflanzenöl mehr bekommen.

Eigentlich brauche er nur so ein oder zwei Liter, erklärt er. Er brauche das Öl ja nur für den Waffelteig. Aber da, wo sonst das Raps- und Sonnenblumenöl palettenweise lagert: gähnende Leere. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, sagt Gaudio. Er hat jedoch Glück: Als Gastronom bekommt er im Großhandel doch noch sein Öl - allerdings nur im Fünf-Liter Kanister.

Eiscafé kann er nur dank des zweiten Vollzeitjobs am Laufen halten

Der Weinstädter stellt sich darauf ein, dass erneut keine einfachen Monate vor ihm liegen. Zwei Jahre Pandemie und die für das Eiscafé damit verbundenen Einschränkungen und Schließungen haben ihre Spuren hinterlassen. Mehr denn je habe er davon profitiert, dass er noch einen anderen Beruf in Vollzeit ausübt: Als zweites Standbein ist Gaudio bei einer Beutelsbacher Firma als Ausbilder angestellt. Zwei Jobs gleichzeitig – „es ist hart“, stellt der Endersbacher klar. Aber: „Ansonsten wären hier schon die Lichter ausgegangen.“

Ursprünglich hatten Fabio Gaudio und seine Familie geplant, das Laofe bis in den Winter 2021 offen zu lassen, Kaffee und Kuchen zu verkaufen und so Verluste etwas auszugleichen. „Letztes Jahr war keine gute Saison, das Wetter war miserabel“, ärgert sich der Gastronom.

Wegen 2G plus für gut drei Monate geschlossen

Er hatte trotzdem gehofft, dass es die Menschen aus Sehnsucht nach Geselligkeit auch noch bis weit in den Herbst hinein in die Außengastronomie locken würde – dieser Plan sei leider nicht aufgegangen, so der 41-Jährige.

Schon im November sei der Umsatz merklich eingebrochen. Und als dann Anfang Dezember auch noch 2G plus für das Café gegolten habe, ziehen die Betreiber die Reißleine und schließen lieber ganz.

Fabio Gaudio mag es nicht, seine Kunden zu kontrollieren

„Das Geschäft wäre einfach nicht mehr rentabel gewesen“, so Gaudio. Er habe sich im Dezember gesagt: „Ich mach’ wieder auf, wenn ich keinen Menschen mehr kontrollieren muss.“ Das Kontrollieren von Test-, Impf- und Genesenennachweisen gehört nämlich nicht wirklich zur Lieblingsaufgabe des Endersbacher Eiscafé-Betreibers.

Eigentlich sei das nun wirklich nicht die Aufgabe der Gastronomen, findet er. Und eigentlich sollte es seiner Meinung nach inzwischen jeder selber wissen, wie er sich in Hinblick auf Corona eigenverantwortlich verhalten sollte. Deshalb hatte das Laofe eigentlich auf den 20. März gesetzt, weil zu diesem Datum ja eigentlich die meisten Corona-Regeln wegfallen sollten. Das hat nun leider doch nicht ganz geklappt: „Ich fürchte, die Zahlen sprechen nicht für uns“, meint Gaudio mit Blick auf die aktuelle Infektionslage. Fürs Erste wird er um das Kontrollieren als auch dieses Frühjahr nicht herumkommen: Im Moment gilt die 3G-Regel.

Preise sind explodiert: Auch das Eis wird teurer

Jetzt hofft Fabio Gaudio vor allem, dass der Saison-Start dieses Jahr zumindest von schönem, milden Wetter begleitet wird. Der aktuelle Wetterbericht macht ihm in dieser Hinsicht Hoffnung: Sonnig soll es die ganze kommende Woche werden, mit angenehmen Temperaturen von bis zu knapp unter 20 Grad. Das perfekte Wetter für das erste Eis des Jahres? Darauf spekuliert der Endersbacher Gastronom.

Dennoch will er die Kunden schon mal vorwarnen: Dieses Jahr wird auch sein Eis teurer sein. „Ich konnte zwei Jahre lang den Preis von 1,20 Euro pro Kugel halten“, sagt Gaudio. Dieses Jahr sei das aber schlichtweg nicht mehr möglich, er muss deshalb aus 1,40 Euro erhöhen. Für einige Premium-Eissorten wie Pistazie oder dunkle Schokolade werde er dieses Jahr unter Umständen sogar 1,60 Euro pro Kugel verlangen müssen.

Eiscafé sucht noch Mitarbeiter

Grund dafür: Die Preise für die Zutaten sind explodiert. Die Gaudios stellen ihr Eis selbst her, hochwertige Zutaten seien ihnen wichtig, betont der Gastronom. Bei Pistazien zum Beispiel, bei denen er immer eine ganz besondere Sorte einkauft, liege der Preis dieses Jahr bei 70 Euro pro Kilo. Auch die hohen Energiekosten wirken sich auf den Eiscafébetrieb aus. Statt wie vergangenes Jahr 26 Cent pro Kilowattstunde müsse er dieses Jahr 40 Cent bezahlen: „Bei 23.000 Kilowattstunden im Jahr können Sie sich ja ausrechnen, was das bedeutet“, so Gaudio.

Es tue ihm leid, dass das Eis für die Kunden jetzt auch teurer werde. „Aber ich kann versichern, ich mache keinen Cent mehr Gewinn.“ Trotzdem hofft der Endersbacher, dass es endlich mal wieder eine gute Eissaison wird. Die ganze Familie wird im Laofe mitanpacken. Denn Personal zu finden, sei ebenfalls so schwierig wie noch nie. Aktuell sucht das Eiscafé noch nach Aushilfen. Dabei sei er wirklich offen für alles, so Gaudio. Egal ob Schüler, Student, Nebenjobber oder Rentner – Hauptsache, das Menschliche passe.

Am Sonntag hat das Eiscafé Laofe in Endersbach den Start in die Saison 2022 gewagt – dabei wollte Betreiber Fabio Gaudio damit eigentlich warten, bis die Corona-Regeln vollends gelockert worden sind und er keinen seiner Kunden mehr kontrollieren muss.

Doch so oder so ist es nun der 20. März geworden. Fabio Gaudio hofft, dass dieses Jahr wenigstens das Wetter mitmachen wird. Denn jetzt schon steht fest: Eine einfache Saison wird es nicht werden - wieder einmal.

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