Weinstadt

Ungewissheit kurz vor dem Lockdown in Weinstadt: Leere Kitas und Schulen oder voll besetzte Notgruppen?

Kita
Bleiben die Kitas wirklich leer? Oder geben viele Eltern in Weinstadt ihre Kinder in die Notbetreuung? © Sebastian Striebich

Er sei froh, dass Oma und Opa grundsätzlich gerne auf die Enkelin aufpassten, sagt ein junger Vater am Montagmittag. Da holt der Daimler-Mitarbeiter gerade seine Tochter aus dem Kindergarten in Endersbach ab – vermutlich zum vorletzten Mal in diesem Jahr. Es zeichnet sich zwar ab, dass von Mittwoch an mehr Eltern ihre Schul- und Kindergartenkinder in eine Notbetreuung geben können als noch beim ersten Corona-Lockdown im Frühjahr. Wie genau diese Betreuung geregelt wird, ist aber noch unklar. Das stellt auch die Schulen, die ja ebenfalls von Mittwoch an weitestgehend geschlossen sein werden, vor eine große Herausforderung.

„Spätestens heute hätten wir Bescheid wissen müssen“

„Wir Schulleitungen sind jetzt am Rand unserer Möglichkeiten“, sagt Henriette Baumann von der Silcher-Grundschule im Gespräch mit unserer Zeitung. Baumann ist wütend auf das Kultusministerium, das den Schulen am Montagnachmittag noch keine klare Regelung zur Notbetreuung an die Hand gegeben hat. Dürfen Jahrgänge durchmischt werden? Welche Eltern haben Anspruch auf Notbetreuung? Wer beaufsichtigt die Kinder über die Stundenplanzeiten hinaus? „Keine Schulleitung weiß, wie die Betreuung aussehen soll“, schimpft Henriette Baumann, „wir fischen im Dunkeln. Und die Eltern sind die Leidtragenden.“ Zwar gehe sie davon aus, so Henriette Baumann, „dass wir am Dienstag eine Ansage bekommen, wie die Notbetreuung zu machen ist, aber ganz ehrlich: Was nützt den Eltern das morgen? Spätestens heute hätten wir Bescheid wissen müssen, was passiert!“

Wie die Silcherschule haben auch die anderen Weinstädter Schulen damit begonnen, abzufragen, welche Eltern grundsätzlich auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, weil sie beruflich „unabkömmlich“ sind. Wobei Bundes- und Landespolitiker an die Eltern appellieren, ihre Kinder wenn möglich zu Hause zu behalten.

Wie die Silcherschulleiterin wissen auch die Kindergartenleiterinnen in Weinstadt und anderswo noch nicht, wohin genau die Reise geht. Träger ist die Stadt Weinstadt, und dort warten die Verantwortlichen selbst am Montagnachmittag noch auf Informationen. Melanie Propp, Leiterin des Kindergartens in der Eichenstraße, rechnet zwar damit, dass in den kommenden Tagen bis Weihnachten weniger Kinder als sonst gebracht werden, glaubt aber nicht, dass die Gruppenräume verwaisen. Gespannt ist sie schon heute, wie es dann nach den Weihnachtsferien, die dieses Mal bis 10. Januar dauern, weitergehen wird: im Notfall- oder im Normalbetrieb? Ein Mädchen, das gerade von ihrer Mutter abgeholt wird, scheint jedenfalls erst einmal zu Hause bleiben zu müssen. Sie ruft den Erzieherinnen zum Abschied zu: „Bald ist kein Kindi mehr für ganz lange!“

„Wir hoffen, dass wir das bis Mittwoch hinkriegen“

Wie genau die Kinderbetreuung in den kommenden Tagen geregelt wird, das sollen die Eltern also am Dienstag erfahren – einen Tag vor Lockdown Nummer 2. Die Umsetzung ist ja zumindest bei den kommunalen Kitas Sache der Stadt. Holger Niederberger, Pressesprecher der Stadt Weinstadt, verspricht am frühen Montagnachmittag: „Sobald wir Informationen haben, legen wir los. Wir hoffen, dass wir das bis Mittwoch hinkriegen.“ Schon im Frühjahr sei es der Stadt wichtig gewesen, die Eltern frühzeitig zu informieren. „Wir haben angeboten, was wir durften, und umgesetzt, was wir konnten“, sagt Niederberger im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Ich hätte gedacht, da liegen die Pläne schon in der Schublade“

Maximilian von Gaisberg, Elternbeiratsvorsitzender für die Weinstädter Kindergärten, ist wie viele andere Eltern gespannt, wie die Betreuung schließlich geregelt wird: „Ich hätte gedacht, da liegen die Pläne schon in der Schublade ... Man konnte das ja schon vermuten, dass es so weit kommt.“ Immerhin handle es sich nur um fünf zusätzliche Tage, an denen der Regelbetrieb ausgesetzt werden soll. Und wenigstens sei bei aller Kurzfristigkeit dieses Mal doch die Möglichkeit gegeben gewesen, sich zum Wochenbeginn mit dem Arbeitgeber abzustimmen.

An diesem Dienstag dürfen übrigens noch fast alle Kinder in den Kindergarten gehen, lediglich eine Gruppe befindet sich in Weinstadt nach Auskunft der Stadt derzeit in Quarantäne. Bei den Schulen sieht es etwas kritischer aus. Zwar müsse derzeit nur eine fünfte Klasse an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule bis einschließlich Mittwoch zu Hause bleiben, insgesamt zehn Klassen an drei verschiedenen Schulen (neben der Erich-Kästner-Schule sind die Silcherschule und die Reinhold-Nägele-Realschule betroffen) werden derzeit überprüft. Auch hier drohen neue Quarantäne-Anordnungen – bis in den Lockdown hinein.

Er sei froh, dass Oma und Opa grundsätzlich gerne auf die Enkelin aufpassten, sagt ein junger Vater am Montagmittag. Da holt der Daimler-Mitarbeiter gerade seine Tochter aus dem Kindergarten in Endersbach ab – vermutlich zum vorletzten Mal in diesem Jahr. Es zeichnet sich zwar ab, dass von Mittwoch an mehr Eltern ihre Schul- und Kindergartenkinder in eine Notbetreuung geben können als noch beim ersten Corona-Lockdown im Frühjahr. Wie genau diese Betreuung geregelt wird, ist aber noch unklar.

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