Weinstadt

Unterwegs mit dem Familienbegrüßungsdienst Weinstadt

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Melanie Egli vom Familienbegrüßungsdienst präsentiert den Inhalt des Begrüßungspäckchens der Familie Schäfer. Mutter Miriam Schäfer freut sich mit ihren Kindern Samuel, Emil und Jule. © Alexander Roth
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Familienbegruessungsdienst
Die Bastelgruppe „Weinstadt über 60 – gemeinsam kreativ“ strickt für das Willkommenspaket. © Gaby Schneider

Weinstadt-Beutelsbach. Selbst gestrickte Socken, ein Traubenkernkissen und viele Broschüren: Das alles steckt in dem Willkommenspaket des Familienbegrüßungsdienstes. Dieser schaut bei allen Eltern von Neugeborenen in Weinstadt vorbei, die das möchten. Wir haben für eine Reportage die Ehrenamtliche Melanie Egli bei einem ihrer Besuche begleitet.

Melanie Egli vom Familienbegrüßungsdienst der Stadt Weinstadt öffnet das rechteckige Päckchen, das sie der Familie Schäfer zur Begrüßung des neuen Familienmitglieds mitgebracht hat. Vor sieben Wochen hat der Erdenbürger Emil das Licht der Welt erblickt – und zwar zu Hause. Die dreifache Mutter Miriam Schäfer hat sich bewusst zum zweiten Mal für eine Hausgeburt entschieden.

„Eine Hausgeburt ist stressfreier und entspannter“, sagt sie. Das erste Kind, die mittlerweile sechsjährige Jule, kam im Krankenhaus auf die Welt. Ihre aufmerksamen Blicke sowie die ihres dreijährigen Bruders Samuel sind auf das Mitbringsel, das Melanie Egli in den Händen hält, gerichtet. Das sind dieselben neugierigen Blicke, mit denen sie den Gast an der Tür empfangen haben.

Informationsbroschüren, Traubenkissen und Söckchen

Als Melanie Egli die Klingel des Fachwerkhauses geläutet hat, sind aus dem Haus bereits ihre freudigen Kinderstimmen zu hören gewesen. Ein Zeichen dafür, dass der Besuch erwartet wird. Da freut sich auch der Gast auf der anderen Seite der Tür. Mit ihren Kindern, zwei an ihrer Seite und eines auf dem Arm, öffnet Miriam Schäfer die Tür. Eine herzliche Begrüßung. Jule, deren blonde Haare zu einem Zopf geflochten sind, überreicht der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Familienbegrüßungsdienstes ein von ihr gemaltes Bild. Auch Samuel möchte etwas dazu beitragen und winkt mit einem Spielzeug-Stoppschild in der Hand den Besuch herein. Allerdings, sagt er, sei er kein Polizist, sondern ein Feuerwehrmann.

Melanie Egli holt derweil etwas aus dem Begrüßungspaket. „Hier haben wir selbst gestrickte Söckchen“, sagt sie und zeigt das Sockenpaar, das mit einem farbgemischten Garn gestrickt wurde. Anschließend hält sie die Söckchen an die Füße des Neugeborenen und stellt fest, dass sie noch passen. Der Neugeborene, Emil, schläft in aller Ruhe auf dem Arm seiner Mutter und bekommt von dem Besuch nichts mit. In seinem hellen khakifarbenen Strampler kuschelt er sich an die warme Brust seiner Mutter. Trotzdem hat er etwas zu sagen. Mit seinen Socken setzt er ein Statement: „I love Koala“ steht in orangefarbener Schrift auf seinen grau-weiß gestreiften Socken.

"Die sind ja süß, wer hat sie gestrickt?"

Die dreifache Mutter freut sich über das Geschenk. „Die sind ja süß, wer hat sie gestrickt?“, möchte sie wissen. „Die sind von der Bastelgruppe Weinstadt über 60 – Gemeinsam kreativ“, antwortet die gelernte Kinderkrankenschwester. Melanie Egli zückt das zweite Geschenk aus dem rechteckigen Begrüßungspäckchen, das in braunes Geschenkpapier verpackt ist. „Und es gibt ein Traubenkernkissen“, sagt Egli. In dem Begrüßungspaket der Stadt Weinstadt sind neben den beiden Geschenken viele Informationsbroschüren enthalten. Miriam Schäfer, die bereits zwei Kinder hat, sagt: „Durch die Geschwisterkinder sind wir bestens versorgt und gut informiert.“

Für diejenigen, die ihr erstes Kind bekommen haben, sind diese Informationen von großer Bedeutung. Sie geben Auskunft über die richtigen Anlaufstellen. „Speziell für Familien, die nicht die deutsche Sprache beherrschen, bietet das Evangelische Familienzentrum Weinstadt Sprachkurse mit Kinderbetreuung“, sagt Egli.

Wünsche und Anregungen gibt der Dienst an die Stadt weiter

Die Familie Schäfer nutzt auch einen Service des Weinstädter Christus-Zentrums. Die evangelische Freikirche, für die übrigens auch Melanie Egli arbeitet, liefert mehrere Wochen nach der Geburt warmes Essen nach Hause. „Die Lasagne war am besten“, berichtet das sechsjährige Vorschulkind. „Das macht schon etwas aus, wenn man sich nicht noch um das Essen kümmern muss“, sagt Melanie Egli.

Anlässlich des Familienbegrüßungsdienstes haben die Familien mit Kindern die Möglichkeit zu sagen, was sie sich in der Stadt wünschen. Dazu zählen beispielsweise Wünsche wie die Barrierefreiheit eines Weges, die mit einem Kinderwagen schwer zu überqueren sind, oder der Wunsch nach weiteren Spielplätzen. Auch der dreijährige Emil hat seinen ganz speziellen Wunsch: „Mehr Wasser auf dem Spielplatz!“


Geschulte Helfer

Seit Mai 2017 gibt es in Weinstadt den Familienbegrüßungsdienst – und mehr als 200 Eltern mit Neugeborenen haben sich seither von Ehrenamtlichen besuchen lassen.

Diese Helfer wurden von der Leiterin des Weinstädter Familienzentrums extra geschult. Finanziert wird das Familienzentrum von der Evangelischen Gesellschaft, kurz Eva, und der Stadt Weinstadt.