Weinstadt

Veränderte Wassergebühren ab 2021: Deshalb wird das Trinkwasser in Weinstadt teurer

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Ab Januar 2021 wird das Trinkwasser in Weinstadt teurer (Symbolfoto). © ALEXANDRA PALMIZI

Für die kommenden Jahre werden sich für Weinstädter die Wasserpreise ändern: Der Betriebsausschuss des Gemeinderats hat vergangene Woche einer Anpassung der Abwassergebühren und einer neuen Gebührenkalkulation der Trinkwasserpreise für das Jahr 2021 zugestimmt. Die Preise müssen angepasst werden, weil sich derzeit finanziell bei den Stadtwerken einiges verändert und einige Investitionen anstehen. Trotzdem werden nicht alle Posten automatisch teurer.

Das Leitungsnetz muss saniert werden

Die Stadtwerke Weinstadt mussten ihre Wassergebühren für das Jahr 2021 neu kalkulieren: „Auch dieses Jahr gibt es Anpassungsbedarf“, sagte Thomas Meier, Betriebsleiter der Stadtwerke Weinstadt, in der Sitzung des Betriebsausschusses am vergangenen Donnerstag. Das bestehende Leitungsnetz stellt ihn und sein Team jedes Jahr vor neue Herausforderungen:

„Wie überall im Land wurde die Wasserversorgung für viel größere Durchflussmengen geplant“, erklärt der Betriebsleiter. Das bedeutet: Seit die Leitungen verlegt wurden, haben sich deutlich weniger Menschen in Weinstadt angesiedelt als damals kalkuliert. Und die, die das Netz nutzen, verbrauchen deutlich weniger Wasser als gedacht.

270 Kilometer Leitungen müssen gewartet werden

„Unsere wesentliche Aufgabe besteht darin, mit der Anlage, die wir haben, umzugehen.“ Allein in Weinstadt gebe es 270 km Leitungen. Die müssen nach und nach saniert werden, um die Leitungen zu erhalten. „Wir gehen davon aus, dass diese Einrichtungen an die 100 Jahre stehen“, erklärte Thomas Meier. Deshalb müssten die Stadtwerke eigentlich jedes Jahr 2,7 Kilometer Leitungen erneuern. „In den vergangenen Jahren haben wir aber nur 700 Meter geschafft.“

Dieser Aufgabe entsprechend nachkommen zu können bedeutet mehr Personalaufwand und mehr Investitionen in Gerätschaften. Deswegen regen die Stadtwerke an, die Wassergebühren fürs kommende Jahr um insgesamt gut vier Prozent zu erhöhen. Für den durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt seien das dann etwa 17 Euro Mehrkosten im Jahr. Der Betriebsausschuss hat diesem Vorschlag einstimmig zugestimmt.

Wer nicht abliest, wird in Zukunft zur Kasse gebeten

Doch noch etwas anderes bereitet Thomas Meier Sorgen: Um den Arbeitsaufwand zu verringern, schicken die Stadtwerke nicht mehr jedes Mal einen Angestellten bei den Kunden vorbei, um die Zähler abzulesen – sie verschicken stattdessen Ablesekarten, mit denen die Kunden ihre Zähler dann selbst ablesen und die Werte einschicken. „Etwa zwei Prozent unserer Kunden lesen nicht ab“, berichtet Thomas Meier.

Bis jetzt hätten die Stadtwerke dafür wenig Handhabe gehabt, gegen diese nachlässigen Kunden vorzugehen. Nachdem der Kunde auf wiederholte Post von den Stadtwerken nicht reagiert habe, werde der Verbrauch geschätzt. Nach sechs Jahren, beim Zählerwechseln, zeige sich dann aber meistens: Die Schätzung hat vorne und hinten nicht gestimmt. Diese Fehlkalkulationen tragen im Moment noch die anderen Kunden, die ihre Zähler brav ablesen, mit. Deshalb schlagen die Stadtwerke nun vor, Kunden, die zweimal hintereinander nicht ablesen, einen Ableser vorbeizuschicken – und die Kosten für diesen Personalaufwand den Anschlussnehmern in Rechnung stellen zu dürfen. Auch diesem Vorschlag stimmt der Ausschuss gerne zu.

Stadtentwässerung: Die Rücklagen sind aufgebraucht

Auch die Stadtentwässerung hat dem Betriebsausschuss einiges an Änderungen vorzulegen: „Wir waren von 2016 bis 2019 in der glücklichen Lage, etwas im Sparstrumpf zu haben“, sagte Ralf Weingärtner, Leiter der Finanzverwaltung der Stadt Weinstadt. Diese Rücklagen seien nun aufgebraucht, zusätzlich stehen nun gerade bei der Stadtentwässerung einige neue Investitionen an. Für die Kläranlagen muss teilweise neue Technik her, ein über zwanzig Jahre altes Dienstfahrzeug muss endlich erneuert werden. Außerdem werden 2021 auch leicht erhöhte Personalkosten auf die Stadtwerke Weinstadt zukommen: Tarifliche Lohnerhöhungen stehen an.

Wegen all dieser Faktoren rechnet die Stadtentwässerung damit, dass sich der Schuldenstand 2021 noch zusätzlich erhöhen wird: 2019 hatte die Stadtentwässerung rund 22 Millionen Euro Schulden, der Haushaltsplan für 2020 sieht weitere 600 000 Euro Verschuldung vor. Für das Jahr 2021 rechnet die Stadtentwässerung mit einer Unterdeckung: „Wir werden wahrscheinlich ins Minus laufen“, schätzt der Leiter des Tiefbauamts, Markus Baumeister.

Um auf diese veränderten Umstände zu reagieren, hat die Stadt die Allevo Kommunalberatung damit beauftragt, für die kommenden zwei Jahre eine Gebührenkalkulation für angepasste Abwassergebühren zu erstellen. Diese Kalkulation stellte Stefan Kasteel, Geschäftsführer der Allevo Kommunalberatung, am Donnerstag dem Betriebsausschuss zur Vorberatung vor. Dieser stimmte dem Entwurf einstimmig zu: Die enthaltenen Änderungen werden im Januar also in Kraft treten.

Diese Kalkulation betrachtet im Detail die angefallenen Kosten und die Einnahmen der vergangenen Jahre, berücksichtigt außerdem die für die kommenden Jahre geltenden Abschreibungs- und Zinssätze und bezieht sogar geplante Baugebiete mit ein.

Gebühr für Niederschlagswasser wird höher, die für Schmutzwasser sinkt

Sie sieht vor, dass die Abwassergebühren, die sich ja in Schmutzwassergebühr und Niederschlagwassergebühr aufteilen, für die kommenden Jahre 2021 und 2022 folgendermaßen angesetzt werden sollen: Ab dem 1. Januar 2021 soll der Kubikmeter Schmutzwasser 2,12 Euro kosten, die neue Niederschlagswassergebühr sieht 0,53 Euro je Quadratmeter versiegelter Fläche vor.

Auch in den neuen Wirtschaftsplan der Stadtentwässerung hat die Gebührenkalkulation bereits Eingang gefunden: „Die Abwassergebühren wurden zuletzt mit Wirkung ab 2012 neu festgesetzt“, schreibt der Leiter des Tiefbauamts in seinem Vorbericht. „Seither beträgt die Gebühr für Schmutzwasser 2,20 Euro je Kubikmeter bezogenes Frischwasser und die Gebühr für Niederschlagswasser 0,36 Euro je Quadratmeter versiegelter Fläche.“

Somit wird 2021 lediglich die Gebühr für den Niederschlag teurer, die Schmutzwassergebühr sinkt. Die neue Regelung gilt erst mal bis Ende 2022: Dann soll geprüft werden, ob die in der Gebührenkalkulation enthaltenen Prognosen auch zutreffen, oder ob die Gebühren erneut angepasst werden müssen.

Für die kommenden Jahre werden sich für Weinstädter die Wasserpreise ändern: Der Betriebsausschuss des Gemeinderats hat vergangene Woche einer Anpassung der Abwassergebühren und einer neuen Gebührenkalkulation der Trinkwasserpreise für das Jahr 2021 zugestimmt. Die Preise müssen angepasst werden, weil sich derzeit finanziell bei den Stadtwerken einiges verändert und einige Investitionen anstehen. Trotzdem werden nicht alle Posten automatisch teurer.

Das Leitungsnetz muss saniert

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