Weinstadt

Verena Schüßler aus Weinstadt kämpft für Frauenmilchbank fürs Olgäle Stuttgart

Brutkasten
Was tun, wenn das Baby zu früh kommt und die Mutter keine Milch hat? (Symbolfoto) © Gabriel Habermann

Wenn das Kind zu früh auf die Welt kommt, beschäftigt die Eltern viele Fragen: Geht es dem Kind gut? Wird es Folgeschäden haben? Was hätte man besser machen können? Doch für manche Frühchen-Eltern stellt sich noch ein zusätzliches Problem ein: Die Muttermilch will einfach nicht kommen.

Um genau diese Eltern zu entlasten, kämpft Verena Schüßler für eine Milchbank auf der Neonatologie des Olgahospitals in Stuttgart. Die 40-Jährige ist selbst Mutter eines Frühchens. „Der Druck auf die Frauen ist groß“, sagt sie. Zuerst käme das Kind zu früh, dann können sie kaum Milch produzieren.

Die Tochter wog nur eintausend Gramm

„Natürlich kann man auf industrielle Milch ausweichen“, erklärt Schüßler, „aber die Muttermilch ist so viel verträglicher.“ Seit vier Jahren ist sie die Vorsitzende des Förderkreises Neonatologie am Klinikum Stuttgart. Der Verein kümmert sich um die Eltern, bietet Kurse zur Versorgung und dem Umgang mit den Frühgeborenen an.

Schüßler ist dem Verein „aus Dankbarkeit“ beigetreten. Denn im November 2016 kam ihre Tochter Freja zur Welt - zehn Wochen zu früh. Bei der Geburt wog ihre Tochter gerade mal eintausend Gramm. Der Verein kümmerte sich um die frischgebackene Mutter.

Bei manchen kommt die Milch schneller, bei manchen langsamer

Zum Beispiel lernen Frühchen-Mütter nach der Geburt, wie sie die Milchproduktion, die ja nicht von alleine startet, mit einer elektrischen Pumpe anregen können. Gemeinsam mit ihrer Zimmernachbarin, die in derselben Woche ein Frühchen gebar, versuchte die Weinstädterin, den Rhythmus einzuhalten.

Alle vier Stunden klingelte der Wecker. Auch nachts. Doch während es bei Verena Schüßler schnell funktionierte, war es für die andere Frau schwieriger. Es kam nicht genug Milch. Gerne hätte sie der anderen Mutter etwas von ihrer eigenen Milch abgegeben – aber das sei im Olgahospital noch nicht möglich gewesen, berichtet Verena Schüßler.

Muttermilch gerade für Frühchen wichtig

Sie fing schließlich an, die Milch zu kühlen und einzufrieren. Irgendwann reichte die eigene Kühltruhe nicht mehr aus. Dass andere von ihrer Situation profitieren könnten, sei ihr damals nicht bewusst gewesen. Wie wichtig die Muttermilch für Neugeborene ist, zeigen viele Studien.

Denn in ihr sind viele Nährstoffe enthalten, die in der industriell gefertigten Milch nicht enthalten sind. Gerade bei Frühchen ist das Risiko einer Darmentzündung groß. Das kann durch die natürliche Milch deutlich reduziert werden, erklärt die Weinstädterin. Die eigentliche Idee zur Frauenmilchbank kam ihr 2019 beim Familienfest im Olgahospital. „Eine Frau von der Ferry-Porsche-Stiftung kam auf mich zu“, sagt Schüßler.

Sie erzählte ihr von einem Wettbewerb der Stiftung, ausgeschrieben für soziale Projekte. Das Preisgeld war hoch: 100.000 Euro für den Erstplatzierten. Sie überlegte: „Was ist ein Projekt, das uns helfen könnte und viel kostet?“ Dann kam ihr die Idee mit der Frauenmilchbank.

Frauenmilchbank braucht neue Geräte und Personal

Sie nahm Kontakt zum Olgahospital auf. Erfuhr, dass dort bereits ein Pilotprojekt gestartet wurde. Doch nur für Frühchen, die vor der 26. Schwangerschaftswoche geboren werden. „Das Ziel der Frauenmilchbank ist nicht, dass Mütter nicht mehr stillen sollen“, erklärt Schüßler, „sondern dass die Kinder mehr Nahrung bekommen und die Mütter entlastet werden.“ Denn der psychische Druck sei in dieser Situation besonders groß.

Für die Umsetzung würden sie neue Geräte brauchen: einen separaten Raum, einen Gefrierschrank, ein Pasteurisiergerät, zusätzliches Personal. Teuer genug, um sich zu bewerben. Sie gewannen den dritten Platz. 33.000 Euro für die Milchbank. Ein kleiner Erfolg, doch nicht genug. „Das Geld hat nicht für das Personal gereicht“, sagt Schüßler. Eine halbe Stelle würde das Klinikum übernehmen, eine weitere müsse noch finanziert werden.

Wann die Milchbank kommt, entscheidet sich im Frühjahr

Durch einen Tipp aus dem Förderkreis wurde Schüßler dann auf die Aktion Herzenssache - eine Kinderhilfsaktion des Saarländischen Rundfunks, des Südwestrundfunks und der Sparda-Bank - aufmerksam. „Die haben eine Förderlinie explizit für Personalstellen“, sagt die Weinstädterin. Drei Jahre würde die Stelle finanziert werden. Damit wären die Kosten für die Frauenmilchbank gedeckt.

Schüßler bewarb sich wieder. Kam in die nächste Runde, stellte einen weiteren Antrag. Im Dezember trat sie im SWR-Fernsehen auf, um ihre Idee zu bewerben. Ob es gereicht hat, weiß sie noch nicht. Noch in diesem Frühjahr soll sie Bescheid bekommen.

Wenn das Kind zu früh auf die Welt kommt, beschäftigt die Eltern viele Fragen: Geht es dem Kind gut? Wird es Folgeschäden haben? Was hätte man besser machen können? Doch für manche Frühchen-Eltern stellt sich noch ein zusätzliches Problem ein: Die Muttermilch will einfach nicht kommen.

Um genau diese Eltern zu entlasten, kämpft Verena Schüßler für eine Milchbank auf der Neonatologie des Olgahospitals in Stuttgart. Die 40-Jährige ist selbst Mutter eines Frühchens. „Der Druck auf die

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