Weinstadt

Voller Einsatz für schnelleres Internet

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Sie setzen sich dafür ein, dass alle Weinstädter noch schnelleres Internet bekommen (von links): Stadtwerke-Chef Thomas Meier und der städtische Wirtschaftsförderer Karlheinz Heinisch. Im Hintergrund sind sogenannte Kabelschutzrohre zu sehen, die auf Zuleitungen verwendet werden und Platz für Glasfaserkabel bieten. Letztere sind wichtig, um Daten mit sehr hohen Geschwindigkeiten übertragen zu können. © Klopfer / ZVW

Weinstadt. Sie wollen sich nicht ausruhen: Stadtwerke und Wirtschaftsförderer wollen noch schnelleres Internet für Weinstadt. Nun hoffen sie auf die Telekom, die in der Region Stuttgart mit den Kommunen beim Ausbau kooperieren möchte. Ihr Hauptaugenmerk legen die Weinstädter derzeit auf den schlecht versorgten Süden von Strümpfelbach sowie die Gewerbegebiete.

Wo herrscht heute eine Unterversorgung? Welcher Bedarf ist morgen da? Das sind für Stadtwerke-Chef Thomas Meier und den städtischen Wirtschaftsförderer Karlheinz Heinisch die zwei entscheidenden Fragen. Aktuell ist vor allem das Internet im Südteil von Strümpfelbach noch ziemlich langsam mit Geschwindigkeiten von bis zu 16 Mbit pro Sekunde, manchmal auch nur von bis zu sechs Mbit. Ebenfalls lahm ist das Netz im Saffrichhof und auf dem Landgut Burg. „Gundelsbach und Baach sind seit letztem Jahr gut versorgt“, sagt Heinisch.

Die Region Stuttgart will den Ausbau mit der Telekom stemmen

Ganz von allein hat die Telekom die Internet-Infrastruktur dort freilich nicht ausgebaut: Weinstadt musste einen Zuschuss von 83 520 Euro zahlen. Damals gab es auch eine Interessengemeinschaft von Baacher und Gundelsbacher Bürgern, die für schnelleres Internet in ihren Orten protestierten. Im Moment ist die Lage eher ruhig. Das heißt aber nicht, dass die Stadt Weinstadt untätig ist, ganz im Gegenteil: Für 49 500 Euro haben die Weinstädter Stadtwerke auf Rechnung der Stadt einen Masterplan erstellt, dessen Kosten vom Bund komplett übernommen werden – und der genau festlegt, wie eine bessere Versorgung aufgebaut werden kann.

Partner dafür könnte die Telekom sein. Die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart hat zusammen mit den Landkreisen und der Landeshauptstadt mit dem Konzern vorverhandelt – und nun liegt eine Absichtserklärung vor, laut der bis 2030 satte 90 Prozent der privaten Haushalte mit dem Glasfasernetz verbunden sein sollen. Entscheidend sind dann freilich die Verhandlungen mit jeder einzelnen Kommune, die in Weinstadt bis dato noch nicht stattgefunden haben. Vor der Kooperationserklärung hatten die Landkreise der Region noch vorgehabt, auf eigene Kosten Zubringer-Datenautobahnen zu errichten, die quasi das Rückgrat (auf Englisch: Backbone) des neuen Hochgeschwindigkeitsinternets geworden wären. Von diesem Plan rückten dann alle Beteiligten wieder ab, was nicht überall gut ankam – denn mit der Telekom haben die Kommunen nicht nur gute Erfahrungen.

Hohe Geschwindigkeiten teilweise nicht realistisch

Nehmen wir das Beispiel Weinstadt: In den Jahren 2012/2013 kamen örtliche Unternehmen auf die Stadt zu und verlangten schnelleres Internet. Weil ohne Fördergeldzahlung zunächst weder Telekom noch andere bereit waren, hier zu investieren, wurden die Stadtwerke beauftragt. „Wir waren letztlich kurz vor dem Baubeschluss“, erinnert sich Geschäftsführer Thomas Meier. Dann meldete sich plötzlich die Telekom und sagte, dass sie doch zur Investition in die Infrastruktur bereit sei. Durch solche Vorkommnisse entsteht bei Kommunen der Eindruck, dass der Konzern erst dann Angebote abgibt, wenn er merkt, dass andere tatsächlich ein Geschäft machen könnten. Thomas Meier sieht deshalb auch den grundsätzlichen Fehler in Deutschland darin, dass der Ausbau der Internet-Infrastruktur vorrangig von Konzernen betrieben wird. „Man hat es einfach dem Markt überlassen, und dadurch stehen wir da, wo wir stehen.“

Nun steht Weinstadt an sich nicht schlecht da. Die meisten Haushalte erhalten bis zu 50 oder bis zu 100 Mbit pro Sekunde, sei es nun von der Telekom oder einem Anbieter wie Unitymedia, der seine Kunden übers Kabelnetz mit schnellem Internet versorgt. Das heißt übrigens nicht, dass jeder Kunde auch tatsächlich die vollen 50 oder 100 Mbit pro Sekunde bekommt. Das Zauberwort heißt hier „bis zu“, es sichert die Anbieter rechtlich ab. Je mehr Haushalte sich einen Anschluss teilen und je intensiver die Bewohner das Netz gleichzeitig nutzen, umso langsamer wird es. Heißt: Nachts um 4 Uhr sind die hohen Geschwindigkeiten realistisch, aber nicht mittags.

Stadtwerke Chef Thomas Meier optimistisch

Karlheinz Heinisch und Thomas Meier arbeiten deshalb daran, dass in Weinstadt mehr Glasfaser verlegt wird. Denn nur diese Technologie ermöglicht es, immer höhere Geschwindigkeiten beim Hoch- und Herunterladen von Inhalten anzubieten. „Mit Glasfaser haben wir ziemlich Luft nach oben“, sagt Thomas Meier. Bislang muss auch in Weinstadt noch zu oft auf die FttC-Technik gesetzt werden, bei der nur zum Teil Glasfaserleitungen eingesetzt werden – und auf dem letzten Stück bis zum Kunden noch die klassischen Kupferkabel zum Zug kommen. Trotz all der bevorstehenden Arbeit gibt sich Meier optimistisch. „Es geht vorwärts.“


Schulen profitieren

Eine Bandbreite von einem Gbit pro Sekunde wird in einigen Monaten das Bildungszentrum erhalten. Die Net-Com BW, ein Tochterunternehmen des Energiekonzerns EnBW, stellt einen Anschluss bereit, der in Zukunft sogar eine Bandbreite von acht Gbit pro Sekunde bieten könnte.

Verfügbar sein soll das Angebot nach Angaben der Stadtverwaltung in vier bis sechs Monaten. Die laufenden Kosten von jährlich 19 850 Euro für ein Gbit pro Sekunde werden nach den Schülerzahlen auf die Schulen verteilt. Demnach muss den Löwenanteil das Remstal-Gymnasium bezahlen. Geplant ist der Zugangspunkt für das Glaserfaserkabel an der Realschule. Klar ist, dass bei Haustechnik und Serverräumen Veränderungen anstehen. Laut OB Scharmann ist es nicht möglich, innerhalb des Bildungszentrums nur mit WLAN zu arbeiten. Und das heißt: Es sind Umbaumaßnahmen nötig, um langfristig jeden Raum mit schnellem Internet zu versorgen.

Unsere Zeitung hat auch bei der Pressestelle der Telekom nachgefragt, was der Konzern in Sachen Internetausbau in Weinstadt in den nächsten Jahren vorhat. Uns wurde eine Antwort versprochen, auf die wir jedoch bis Redaktionsschluss vergeblich warteten.