Weinstadt

Würste nach Schäfers Art für Korea

Koreaner
Produktionsleiter Thomas Griess zeigt den Lebensmitteltechnikern Seok Hyun Choi (Mitte) und Su Beom Son, wie Fleischküchle hergestellt werden. Es ist eines von 18 Rezepten der Metzgerei Schäfer, mit denen sich die beiden Südkoreaner bei ihrem zweiwöchigen Besuch in Beutelsbach vertraut machen. Ziel ist es, die Produkte angepasst an den Geschmack ihrer Landsleute in Südkorea zu verkaufen. © Palmizi / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Vom Schnitzel bis zur Schinkenwurst ist alles dabei: 18 Rezepte hat ein südkoreanisches Unternehmen bei der Metzgerei Schäfer eingekauft. Die Würste sollen nach Beutelsbacher Vorbild in Südkorea produziert werden. Angeboten werden sie dann in mehreren Tausend Backshops – und in 100 Lokalen namens „Glücksschwein“.

Video: Ein südkoreanisches Unternehmen bei der Metzgerei Schäfer in Beutelsbach.

Nicht alles, was Deutsche so in Würsten verarbeiten, schmeckt Koreanern. Kümmel und Muskat, sagt Lebensmitteltechniker Seok Hyun Choi (37), seien nicht besonders beliebt. Die 18 Wurst-Rezepte, die sein Unternehmen bei der Beutelsbacher Metzgerei Schäfer eingekauft hat, werden deshalb von seinem Unternehmen erst mal getestet – und dann bei Bedarf an den Geschmack seiner Landsleute angepasst. Das heißt zum Beispiel auch, dass im Fall der Fälle etwas weniger Salz verwendet wird. Seok Hyun Choi und sein Kollege Su Beom Son (36) sind derzeit für insgesamt zwei Wochen bei der Metzgerei Schäfer, um sich unter anderem mit der Produktion von Weißwürsten, Saitenwürsten, Rostbratwürsten, Schinkenwürsten, Maultaschen, Fleischkäse und Schnitzeln vertraut zu machen. Sie filmen und fotografieren die einzelnen Arbeitsschritte fleißig, machen sich Notizen und verständigen sich mit den deutschen Mitarbeitern auf Englisch sowie Französisch. Geschäftsführer Uwe Schäfer ist mit dem Verlauf der Zusammenarbeit bisher sehr zufrieden – und genauso geht es auch den Koreanern. „Wir fühlen uns sehr willkommen“, sagt Seok Hyun Choi.

Geschäftsführer Uwe Schäfer: „Es bringt uns alle weiter“

Angefangen hat alles durch die Kontakte der Metzgerei zu einem südkoreanischen Professor von der Uni Hohenheim. Auf dessen Vermittlung haben in den vergangenen Jahren bereits zwei Koreaner in dem Beutelsbacher Traditionsbetrieb ihre Metzgerausbildung absolviert und mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. Und über jenen Professor kam auch die Anfrage des südkoreanischen Unternehmens zustande, das einen Kooperationspartner aus Deutschland suchte, dessen Logo und Wurstrezepte es verwenden kann. Schließlich hat das hiesige Fleischerhandwerk weltweit einen exzellenten Ruf. Der Vertrag wurde Anfang 2016 unterschrieben und läuft insgesamt vier Jahre. Geschäftsführer Uwe Schäfer hat mit seinem Bruder Wolfgang Schäfer lange überlegt, ob sie das Geschäft eingehen wollen – aber sich letztlich dafür entschieden. „Es bringt uns alle weiter.“

Uwe Schäfer denkt schon an die Olympichen Winterspiele, die vom 9. bis 25. Februar 2018 in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang stattfinden. Hier können dann deutsche Gäste und deutsche Sportler beim Bummel durch die Stadt Würste nach Schäfers Rezepten kaufen – und zwar in mehreren Tausend Backshops und in 100 Lokalen namens „Glücksschwein“. Das Wort Schäfer soll in lateinischen Buchstaben inklusive Firmenlogo auf der Verpackung der Produkte zu lesen sein. Uwe Schäfer träumt schon davon, dass vielleicht auch das deutsche Fernsehen im Vorfeld der Winterspiele einen kleinen Bericht über diese Kooperation bringt. Und auch für seine eigenen Mitarbeiter sieht er Vorteile, wenn Menschen aus fernen Ländern wie Seok Hyun Choi und Su Beom Son im Betrieb mitarbeiten. „Es ist Teil der Völkerverständigung.“

Schwäbische Kultur für die koreanischen Gäste

Seine südkoreanischen Gäste wiederum haben auch die Wochenenden genutzt, um deutsche Kultur kennenzulernen. So waren sie im Besen, in der Stuttgarter Traditionsgaststätte Ochs’n Willi oder im Mercedesmuseum. Ein Daimler ist nämlich in Südkorea laut Seok Hyun Choi ein noch deutlicheres Zeichen von Wohlstand als in Deutschland – weil er schlichtweg doppelt so teuer sei. Der 37-Jährige kann übrigens schon auf einige Erfahrung in Europa zurückblicken: Zwar ist es für ihn sein erster Besuch in Deutschland, aber davor hat er bereits mehrere Jahre in Frankreich gearbeitet. Das hilft Seok Hyun Choi auch sehr dabei, als ihm Geschäftsführer Uwe Schäfer und sein Produktionsleiter Thomas Griess zu erklären versuchen, warum sie in Deutschland keine Nürnberger Rostbratwürste verkaufen dürfen, sondern nur Rostbratwürste – weil dies eben eine geschützte Bezeichnung ist, für die eine Metzgerei ihren Sitz im Nürnberger Stadtgebiet haben muss. „Das ist wie beim Champagner“, sagt Seok Hyun Choi sofort. Er selbst mag von den deutschen Produkten übrigens am liebsten Hinterschinken und Rostbratwürste, sein Kollege Su Beom Son bevorzugt Hinterschinken und Currywurst.

Bei der Frage, welches deutsche Fleischprodukt in Südkorea am erfolgreichsten ist, verweist Seok Hyun Choi aufs Schnitzel. „Es ist sehr bekannt.“ Wobei ja die große Frage ist, wie deutsch das Schnitzel tatsächlich ist. Die ältesten Spuren führen derzeit nach Spanien, wo bereits im Mittelalter Fleisch mit Bröseln paniert wurde. Klar ist indes, dass die Firma von Seok Hyun Choi demnächst Schnitzel nach Schäfers Rezept herstellen wird. Uwe Schäfer ist stolz darauf – und er will die Produkte bei einem Besuch zu den Olympischen Winterspielen 2018 auf jeden Fall vor Ort testen. Die Arbeit mit den beiden Koreanern bereitet ihm bislang viel Freude. „Die Jungs sind sehr locker.“