Weinstadt

Warum bleiben die Freebikers nun doch in Weinstadt und wechseln nicht nach Kernen?

Freebikers
Unser Bild zeigt die Freebikers im Jahr 2018 auf ihrer BMX-Bahn im Großheppacher Heuweg. Derzeit ruht der Trainingsbetrieb wegen der Corona-Pandemie. Der Verein hofft, mit einem Konzept die Stadt Weinstadt dazu zu bewegen, wieder ein Training zu erlauben. © Gabriel Habermann

Durch den Wechsel ihres Vorstands haben sich die Pläne der Weinstädter Freebikers fundamental geändert. Noch vor genau einem Jahr verkündete der damalige Vereinsvorsitzende öffentlich, Weinstadt Richtung Kernen zu verlassen. Er fühlte sich von der Stadt Weinstadt beim geplanten Neubau einer 350 Meter langen BMX-Bahn am Großheppacher Heuweg nicht ausreichend unterstützt.

Dazu kam, dass der damalige Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger die Freebikers unbedingt bei einem Parcours an der verlängerten Friedrichstraße unterbringen wollte. Ihm fehlte nur noch ein Grundstück, um die BMX-Bahn auch für nationale Wettbewerbe wettkampftauglich auszubauen. Dann kam aber alles anders als erhofft.

„Es war für viele Vereinsmitglieder keine Option“

Die Eigentümer verkauften nicht an die Gemeinde Kernen, weil ihnen der Preis zu gering war. Stefan Altenberger wurde Ende September 2019 als Bürgermeister abgewählt. Und auch bei den Freebikers änderte sich die Stimmung, wie der neue Vorsitzende Volker Haaga im Gespräch mit unserer Zeitung betont. „Es war für viele Vereinsmitglieder keine Option, nach Kernen zu wechseln.“

Anfang 2020 wurde ein neues Vorstandsteam gewählt. Der alte Vorsitzende, der die Wechselpläne maßgeblich vorangetrieben hatte, spielt nun bei den Freebikers keine aktive Rolle mehr. Volker Haaga spricht sich klar für einen Verbleib in Weinstadt aus. Und auch die Pläne, die BMX-Bahn in Weinstadt neu zu bauen, sind vom Tisch. „Wir als Verein haben nicht die finanziellen Mittel.“

Kein Fördergeld vom Landessportbund

Geschätzte 180 000 Euro hätte die neue Bahn gekostet. Fördergeld vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) hätte es nicht gegeben, da die Stadt Weinstadt dem Verein nur eine insgesamt acht Jahre dauernde Garantie zur Nutzung des Grundstücks geben wollte. So hatte es der Gemeinderat Ende 2017 entschieden – und von da an gerechnet galt die Frist, also bis Ende 2025.

Es wurden von Oberbürgermeister Michael Scharmann zwar weitere sieben Jahre in Aussicht gestellt, aber rechtlich verbindlich war dies nicht. Im Ernstfall hätte der Verein die neue Anlage bis Ende 2025 also wieder abreißen lassen müssen, wenn die Stadt das Areal als Gewerbefläche an einen Investor verkauft hätte. Und diese Option hat sich Weinstadt stets offen gehalten.

50 aktive Fahrer

Der neue Vorstand setzt nun darauf, die alte BMX-Bahn am Heuweg zu sanieren. Diese soll dem Breitensport in dem 160 Mitglieder starken Verein dienen, der derzeit knapp 50 aktive Fahrer hat. Sprich: Der Fokus liegt darauf, Einsteiger und vor allem Kinder anzusprechen. Die Besten des Vereins können darüber hinaus in Stuttgart oder Kornwestheim trainieren, wo es größere Bahnen gibt. Dafür sind entsprechende Kooperationen geschlossen worden, die Freebikers zahlen dafür auch.

Zwei Fahrer des Vereins sind derzeit im Landeskader und werden dort gefördert. 2019 haben zudem zwei Fahrer an der BMX-Weltmeisterschaft in Belgien teilgenommen. Dieses Jahr wird indes wegen des Coronavirus vieles anders sein – und das betrifft auch den Plan zur Erneuerung der BMX-Bahn.

Arbeiten an der Bahn ruhen wegen Corona

Vor Beginn der Corona-Krise haben laut Volker Haaga zweimal zwischen zehn und 15 Leute ehrenamtlich vor Ort gearbeitet. Jeweils zehn Stunden haben sie am Heuweg geschuftet. „Da kann man schon was bewegen.“ Seit Wochen ruhen jetzt die Arbeiten – und auch der Trainingsbetrieb ist eingestellt worden. Jene BMX-Rennen, die bis Juli noch stattfinden sollten, sind längst abgesagt worden. Ob im September die neue Saison starten kann, ist fraglich.

Wenn in Weinstadt ein Rennen ausgetragen wurde, kamen laut Volker Haaga im Schnitt 1000 Menschen. Der Vorsitzende geht davon aus, dass solche Veranstaltungen mit solchen Besucherzahlen wohl erst wieder erlaubt werden, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus gibt.

Wann kann das Training wieder beginnen?

Wer derzeit als Vereinsmitglied üben will, muss dies alleine machen. Der Verein kann nur Trainingspläne erstellen, die von den Mitgliedern eigenständig umgesetzt werden müssen. Aktuell ist es so, dass die Stadt die BMX-Bahn für alle gesperrt hat – allerdings hält sich laut Volker Haaga nicht jeder daran. „Wir haben jetzt wahnsinnig viele Freizeitfahrer auf der Bahn.“ Der Vorstand hofft indes, bald das normale Training wieder aufnehmen zu können – und die Chancen dafür stehen gut.

Infektionsschutzkonzept erstellt

Das Ordnungsamt der Stadt teilt mit, dass mit dem Verein vereinbart wurde, dass dieser ein Infektionsschutzkonzept erarbeitet und vorlegt. Somit kann dann laut dem Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger das Gelände von den Mitgliedern des Vereins nach den geltenden Infektionsschutzrichtlinien genutzt werden. Damit wäre ein Trainingsbetrieb erlaubt.

Was die vielen Freizeitfahrer angeht, die derzeit auf dem noch gesperrten Gelände unerlaubt trainieren, teilt Sprecher Holger Niederberger mit, dass der Gemeindevollzugsdienst hier unregelmäßig Kontrollen unternehme. Dabei seien vereinzelt Verstöße festgestellt worden – und die Benutzer seien auf den gesperrten Bereich hingewiesen und aufgefordert worden, den Platz zu verlassen.

Lob von Oberbürgermeister Scharmann

Oberbürgermeister Michael Scharmann begrüßt es auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Verein seine BMX-Bahn in Großheppach belassen und ertüchtigen will. „Dies ist eine sehr gute Ergänzung des Sportangebots in Weinstadt“, lässt der OB über Pressesprecher Holger Niederberger mitteilen. Der BMX-Sport sei eine interessante und mitreißende Sportart – vor allem auch für junge Menschen.

Durch den Wechsel ihres Vorstands haben sich die Pläne der Weinstädter Freebikers fundamental geändert. Noch vor genau einem Jahr verkündete der damalige Vereinsvorsitzende öffentlich, Weinstadt Richtung Kernen zu verlassen. Er fühlte sich von der Stadt Weinstadt beim geplanten Neubau einer 350 Meter langen BMX-Bahn am Großheppacher Heuweg nicht ausreichend unterstützt.

Dazu kam, dass der damalige Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger die Freebikers unbedingt bei einem Parcours an

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