Weinstadt

Warum das Geschäft der Familie Schmid für Strümpfelbach mehr als eine Bäckerei ist

Bäckerei Schmid
Karin Schmid vor dem Geschäft. © Gabriel Habermann

Wer in Strümpfelbach in einen Supermarkt will, sucht vergeblich. Die großen Ketten sind in dem Stadtteil mit rund 2400 Einwohnern nicht vertreten. Stattdessen gibt es aber die Bäckerei von Schmids, die auch Café und Lebensmittelgeschäft ist. Wie wichtig der einzige Laden im Ort für Jung und Alt ist, wird vor allem in der Corona-Pandemie deutlich.

Seit Generationen betreibt Familie Schmid die Bäckerei in Strümpfelbach. „Wir haben alle zusammengearbeitet - Eltern, Schwiegereltern und wir“, sagt Karin Schmid. 1988 übernahmen ihr Mann und sie den Familienbetrieb in der Alten Weinstraße. Privatleben und Arbeit unter einem Dach: oben die Wohnung, unten die Bäckerei. Später wurde auch Sohn Thomas Teil des Mehrgenerationenunternehmens. Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann hing er den Bürojob an den Nagel und machte eine Ausbildung zum Bäcker. Direkt im Anschluss folgte schließlich auch sein Meistertitel.

Die Familie baute das frühere Lebensmittelgeschäft um

Als das letzte Lebensmittelgeschäft in Strümpfelbach schloss, entschied sich die Familie nach langen Überlegungen, den Laden samt Gebäude zu kaufen und die Bäckerei an die Hauptstraße zu verlagern. „Wir hatten schon länger überlegt, an die Hauptstraße zu ziehen, aber es gab ja nichts“, so die 59-Jährige. 2012 kauften sie das leerstehende Gebäude. Ein Jahr dauerte der Umbau des früheren Lebensmittelgeschäfts Weidenbach. Die Pläne dafür entwickelte Thomas Schmid selbst. „Die meisten dachten, wir würden nur die Wände streichen und dann direkt eröffnen. Doch der Laden wurde kernsaniert“, so der Mann. Im Jahr 2014 eröffneten sie schließlich die Bäckerei mit Café und Lebensmittelgeschäft.

Zum Einkaufen müssen die Strümpfelbacher seitdem nicht mehr zwangsläufig nach Endersbach. Von Wein über Knäckebrot bis hin zum Waschmittel hat Familie Schmid alles da. Die Kunden schätzen dieses Angebot. Dennoch möchte Karin Schmid nicht über den Notbedarf hinaus: „Wer etwas Exotisches möchte, findet das bei uns nicht.“ Ihr Lieferant ermögliche ihnen zwar den Kauf von Anbruchmengen, doch wenn sich die Nachfrage für ein Produkt auf lediglich eine Person beschränkt, mache die Anschaffung keinen Sinn. Wie wichtig Dorfläden für kleinere Ortschaften sind, wurde vor allem mit Beginn der Corona-Pandemie deutlich.

„Viele kamen lieber zu uns, in einen kleineren Laden zum Einkaufen“, so Karin Schmid. Gerade beim ersten Lockdown sei die Verunsicherung der Kunden groß gewesen. Niemand wusste recht mit den Beschränkungen umzugehen, die Situation war chaotisch. Die Senioren verbarrikadierten sich zu Hause, ließen Helfer für sich einkaufen. Mittlerweile sieht das jedoch anders aus. „Unsere Senioren kommen wieder in den Laden, trotz Beschränkungen“, sagt Karin Schmid. Dennoch sind sie und ihr Mann sichtlich besorgt um die ältere Bevölkerung in Strümfpelbach. Seit die Seniorentreffs nicht mehr stattfinden, vereinsamen die Kunden zunehmend. „Es ist kein Sozialleben mehr vorhanden“, sagt der 39-Jährige. Da das Café der Bäckerei schließen musste, kann sonntags auch der hauseigene Seniorenstammtisch nicht mehr stattfinden. „Es ist erschreckend, wenn die Älteren nach langer Zeit wieder in den Laden kommen und man sieht, wie sehr sie abgebaut haben“, sagt Karin Schmid weiter. Sohn Thomas nickt zustimmend.

Wie es dem Unternehmen in Zeiten der Krise geht

Mittlerweile sind es 22 Wochen, die das Café in diesem Jahr bereits geschlossen hat. Zwar seien die Auswirkungen zu spüren gewesen, dennoch ist Karin Schmid zufrieden. „Wir haben genug Kundschaft - von jung bis alt ist alles dabei“, so die Frau. Auch das vierzehnköpfige Team der Bäckerei ist von den Auswirkungen kaum betroffen. „Wir haben es geschafft, dass alle unsere Mitarbeiter ihre Stunden vollbekommen“, so Karin Schmid weiter.

Doch in der Vorweihnachtszeit machen sich die Auswirkungen der Pandemie bemerkbar. Aufgrund der Schließung des Cafés werden weniger Torten verkauft. Doch Familie Schmid sieht es positiv: „Wir können zur Abwechslung sonntags früher Feierabend machen. Das gab es schon lange nicht mehr.“ Auch die Geschenktüten für Weihnachten können, statt abends nach Ladenschluss, nun zu den regulären Öffnungszeiten gepackt werden. Das größere Problem sei es, Mitarbeiter für die Backstube zu finden. Das frühe Aufstehen sehen sie nicht als Problem, eher die Bezahlung. „Wir können nicht das eineinhalb- oder zweifache Gehalt zahlen, wie die Industrie“, so Thomas Schmid. Mit zwei Bäckermeistern und einem Konditormeister sei die Bäckerei jedoch gut aufgestellt.

Doch auch staatliche Auflagen machen die Arbeit ihrer Meinung nach komplizierter: „Ich habe das Kassenbuch immer von Hand gemacht, das darf man nun nicht mehr.“ Die digitalen Aufgaben übernimmt nun Sohn Thomas. Der Familienvater informiert sich ständig über die neuen Corona-Verordnungen und setzt diese im Laden um.

In Hinblick auf ihre Zukunft in Strümpfelbach zeigen sich Karin und Thomas Schmid weiterhin positiv: „Wir haben unsere Nische gefunden, in der wir existieren können.“

Wer in Strümpfelbach in einen Supermarkt will, sucht vergeblich. Die großen Ketten sind in dem Stadtteil mit rund 2400 Einwohnern nicht vertreten. Stattdessen gibt es aber die Bäckerei von Schmids, die auch Café und Lebensmittelgeschäft ist. Wie wichtig der einzige Laden im Ort für Jung und Alt ist, wird vor allem in der Corona-Pandemie deutlich.

Seit Generationen betreibt Familie Schmid die Bäckerei in Strümpfelbach. „Wir haben alle zusammengearbeitet - Eltern, Schwiegereltern und

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