Weinstadt

Weihnachten ohne Kneipenbesuch - Was das für die Gastro-Brüder Iatridis aus Weinstadt bedeutet

Kneipen
Die Brüder Zisis Iatridis (links) und Ioannis Iatridis (rechts) vor dem Bräustüble. © ALEXANDRA PALMIZI

Neben dem Essen mit der Familie gehört für viele Menschen auch der Besuch in der Stammkneipe zur Tradition an Heiligabend. Manch einsamer Weinstädter hat in den vergangenen Jahren im Bräustüble oder im Traffic Halt und Geselligkeit gefunden. Ioannis und Zisis Iatridis, die Wirte der beiden Lokale, sprechen über das Weihnachten ohne Kneipe. Werden sie es durch die Krise schaffen?

Normalerweise kommen am Heiligen Morgen viele Beutelsbacher ins Traffic, eine Bar an der Ulrichstraße. Um 10 Uhr morgens startete Ioannis Iatridis, der Chef der Bar, in den vergangenen Jahren mit dem Verkauf von Weißwürsten und Bier. „Da war es gerammelt voll“, sagt er. Über die Jahre habe sich eine echte Tradition entwickelt. Um 15 Uhr habe er sein Lokal dann geschlossen und sei selbst zum Essen mit der Familie gegangen. Später, um 22 Uhr, habe er dann wieder die Bar aufgemacht. In der Nacht wurde dann noch mal gefeiert. „Das war ein Stück Familie“, sagt der Wirt. Vor allem für diejenigen, die alleine sind und in diesem Jahr auch nicht in die Bar kommen können, tut es ihm leid.

Zu seinen Gästen gehörten die verschiedensten Menschen, erzählt der 54-Jährige. Tagsüber kämen oft Rentner, abends dann die aus dem Büro für ein Feierabendbier und am Wochenende die Handballer der SG Weinstadt. „Ich habe Gäste von 16 bis 87“, sagt er.

Der Geruch von Zigarettenrauch ist längst verflogen

Auch sein Bruder Zisis Iatridis arbeitet als Gastronom, er ist seit einigen Jahren Pächter des Bräustübles in Endersbach. Auch zu ihm seien in den vergangenen Jahren vor allem an Heiligabend viele gekommen. Neben den Stammgästen seien „Jung und Alt da gewesen“, sagt er. Das Bräustüble in Endersbach ist noch eine echte Raucherkneipe. Doch nachdem hier seit Wochen kein Betrieb mehr herrscht, ist davon nichts mehr zu riechen. Zisis Iatridis erzählt, wie hier an Heiligabend so viel los ist, dass man kaum noch raus- und reinkommt. Dicht gedrängt stehen die Gäste dann oft. In Zeiten des Corona-Lockdowns fast ein unvorstellbarer Zustand.

Von positiver Weihnachtsstimmung kurz vor dem Heiligen Abend ist im Gesicht der beiden Brüder nichts zu sehen. Sie blicken mit großer Sorge in die Zukunft. Die aktuelle Situation mache ihnen finanziell enorm zu schaffen. „Es ist dramatisch“, sagt Ioannis Iatridis. Viele Kosten, wie beispielsweise die Pacht, bleiben, während die Umsätze fehlen. Es sei sehr beängstigend. „Unsere Rücklagen sind erschöpft“, sagt er.

Im ersten Lockdown hätten sie noch versucht, die ganze Situation mit Humor zu nehmen. Doch aktuell machten sie sich wirklich viele Gedanken darüber, ob es ihre beiden Läden auch in Zukunft noch geben werde. Zumal das Bräustüble und die Bar Traffic für sie mehr seien als nur irgendwelche Jobs. „Das ist ein Teil unseres Lebens“, sagt Ioannis Iatridis.

Die beiden glauben nicht an ein Ende des Lockdowns am 10. Januar

In Hinblick auf die hohen Infektionszahlen haben die beiden wenig Hoffnung, dass der Lockdown am 10. Januar wirklich endet. „Ich habe Angst, dass ich es nicht schaffe“, sagt Ioannis Iatridis. Sein Bruder kann ihm nur beipflichten. Er habe in den vergangenen Wochen sogar schon mal auf die Internetseite der Agentur für Arbeit geschaut und nach Jobs gesucht. Doch nach so vielen Jahren in der Gastronomie und im Alter von 50 Jahren sei es wahrscheinlich gar nicht so einfach, wieder etwas Neues zu finden, fürchtet er. Zumal er zwei Kinder hat und eine Familie ernähren muss. Der Ton in seiner Stimme ist ernst.

Die Zeit um Weihnachten sei für sie normalerweise eine umsatzstarke Zeit, da sei der Lockdown besonders bitter. Doch selbst im Sommer seien viele Kunden weggeblieben, die Einnahmen im Vergleich zu anderen Jahren gering.

Ob die versprochenen Hilfen der Regierung ihre Betriebe retten werde, da sind die beiden skeptisch. Die 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahr hörten sich zwar viel an, doch bei der Pacht, die gezahlt werden müsse, werde es wohl trotzdem eng. Schließlich müssten auch die Wirte in der Zeit von irgendetwas leben. Die Aushilfen, die eigentlich bei ihnen arbeiten, haben sie beim Amt längst abgemeldet. Festangestellte gebe es nicht.

Seit vielen Jahren sind die Brüder in der Gastronomie tätig

Seit fast 25 Jahren gehört die Gastronomie schon zum Leben der beiden Brüder. Gemeinsam haben sie 1996 das Traffic in Beutelsbach eröffnet, später kam dann das Bräustüble dazu. Vor drei Jahren haben die beiden Männer sich geschäftlich getrennt. Seither kümmert sich Zisis Iatridis ums Bräustüble, sein Bruder Ioannis ums Traffic. Das bedeute nicht, dass sie nur noch ihr eigenes Ding machten. Oft unterstützen sie sich gegenseitig.

Weil sie viele ihrer Gäste in diesem Jahr wohl nicht persönlich sehen werden, wollen die beiden Weinstädter Gastro-Brüder Grüße über die Zeitung loswerden. „Wir wünschen allen Menschen viel Gesundheit“, sagt Ioannis Iatridis. Vom Christkind wünscht er sich in diesem Jahr nichts sehnlicher als den normalen Kneipenalltag zurück.

Neben dem Essen mit der Familie gehört für viele Menschen auch der Besuch in der Stammkneipe zur Tradition an Heiligabend. Manch einsamer Weinstädter hat in den vergangenen Jahren im Bräustüble oder im Traffic Halt und Geselligkeit gefunden. Ioannis und Zisis Iatridis, die Wirte der beiden Lokale, sprechen über das Weihnachten ohne Kneipe. Werden sie es durch die Krise schaffen?

Normalerweise kommen am Heiligen Morgen viele Beutelsbacher ins Traffic, eine Bar an der Ulrichstraße. Um

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